So Gesehen: Das Wetter schafft die Bahn

So Gesehen : Das Wetter schafft die Bahn

Die große Hitze lässt eine Bahnfahrt schnell zum Albtraum werden -- besonders, wenn gleich zu Beginn der Fahrt die Getränke ausgehen.

Die Fahrt mit der Deutschen Bahn ist das reinste Vergnügen. Verspricht das Unternehmen zumindest in seiner Werbung. Einsteigen und entspannen, heißt es da. „Egal wohin. Immer entspannt“, auf einem anderen Plakat, auf dem ein Paar genüsslich seine Croissants bei einem Glas Organgensaft im Bordrestaurant isst. Die Wirklichkeit sieht leider anders aus. Besonders, wie man weiß, wenn sich das Unternehmen auch noch mit extremen Wetterbedingungen herumschlagen muss – wobei es egal ist, ob es sich dabei um Schnee, Regen oder wie derzeit Hitze handelt.

Zum Beispiel am Dienstag. Gebucht war ein ICE von Nürnberg nach Bonn, für die Oma und die beiden Töchter. Der erste hektische Anruf kam kurz vor der geplanten Abfahrt. Ja, wusste die Ältere zu berichten, man habe bereits im Zug auf den reservierten Plätzen gesessen. Aber dann kam die Durchsage, der Zug müsse geräumt werden – die Klimaanlage habe die Hitze nicht überstanden.

Klimaanlage gibt auf

Empfohlen wurde den Reisenden ein anderer ICE, der zwar nicht nach Bonn, mit Köln-Deutz aber zumindest in die richtige Richtung unterwegs war. Das Angebot wurde zahlreich angenommen – dementsprechend groß das Chaos im neuen Zug, viele Reisende durften die Fahrt auf den Boden kampierend verbringen. Ganz entspannt. Für Oma wurde schließlich, immerhin, ein Sitzplätzchen gefunden. Die nächste „gute“ Nachricht, die telefonisch übermittelt wurde: Im ganzen Zug gab es nichts mehr zu trinken. Auch keinen Orangensaft. Kein Wasser. Alles ausverkauft.

Ersatzzug völlig überfüllt

Dafür funktioniere in diesem Zug die Klimaanlage – zumindest in der ersten Klasse. In der zweiten dagegen wurde es schnell, schilderte nun die Kleine schon etwas genervt, schön mollig warm. In Würzburg erhielt dann jeder Fahrgast einen kleinen Pappkarton Wasser, was voller Freude sofort weitergegeben wurde. Eine bedauerlicherweise einmalige Aktion, wie Oma zwei Stunden später durchgab. Ob wir beim Abholen in Köln vielleicht etwas Wasser mitbringen könnten. Der letzte Hinweis kurz vor der Ankunft. Man hoffte, am richtigen Bahnhof auszusteigen, denn inzwischen hatte die Hitze auch den Anzeigetafeln im Zug den Garaus gemacht und nur Ortskundige erahnten, wo man gerade war.

Aber man sollte nicht immer nur mosern: der Zug hielt absolut pünktlich, ja sogar ein paar Minuten früher als geplant in Deutz. Da soll mal jemand sagen, die Bahn halte ihre Versprechen nicht ein.

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