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Lebensmittelmesse "Anuga" in Köln: Currywurst-Tortellini und Pizza am Stiel

Lebensmittelmesse "Anuga" in Köln : Currywurst-Tortellini und Pizza am Stiel

Pasta mit Currywurst-Füllung und Pizza am Stiel, die aus dem Toaster kommt - das sind nur zwei von Hunderten Neuheiten, die Fachbesucher auf der weltgrößten Lebensmittelmesse Anuga ab Samstag, 5. Oktober, in Köln probieren können.

Für die fast 6 800 Aussteller aus aller Welt zählt dabei vor allem, ob sie mit mit ihren Produkten, Konzepten und Dienstleistungen auch den Geschmack ihrer Kunden treffen. Neuheiten und Trends rund ums Essen und Trinken - die stehen traditionell auf der in diesem Jahr restlos ausgebuchten Anuga im Vordergrund.

Geht es nach den Ansprüchen der deutschen Verbraucher, liegen Currywurst und Pizza allerdings nicht unbedingt vorne. Immer mehr Menschen achten einer groß angelegten Studie der GfK-Konsumforscher zufolge beim Einkauf von Lebensmitteln auf Gesundheit, fairen Handel, ökologische und regionale Erzeugung oder artgerechte Tierhaltung.

"Bewusster Genuss steht mehr und mehr im Vordergrund", sagte GfK-Forscher Robert Kecskes gestern in Köln bei der Präsentation der Studie. Für mehr als ein Viertel der Konsumenten zählten inzwischen solche ethischen Kriterien, vor sechs Jahren war es erst ein gutes Fünftel.

Diese kritischen Konsumenten seien auch bereit und in der Lage, deutlich mehr Geld für Lebensmittel und Getränke zu bezahlen. So gibt ein Durchschnittshaushalt nach den letzten verfügbaren Daten (2011) des Statistischen Bundesamtes monatlich gut 313 Euro für Lebensmittel, Getränke und Tabakwaren aus.

Die bewusste Konsumentengruppe zahle im Schnitt 16 Prozent zusätzlich, und für bestimmte Lebensmittel wie Obst und Gemüse oder Käse sogar fast die Hälfte mehr.

[kein Linktext vorhanden]Das hat die Branche auch nötig, denn ungeachtet einer nie dagewesenen Vielfalt von mehr als 170 000 verschiedenen Produkten, die sich in den Supermarktregalen drängeln, geht die Menge an verkauften Lebensmitteln in Deutschland seit Jahren stetig leicht zurück.

Die Ursache dafür sieht Kecskes vor allem darin, dass immer häufiger außer Haus gegessen wird: "In Familien verliert das gemeinsame Mittagessen an Bedeutung." Häufig seien inzwischen nämlich beide Eltern berufstätig, die Kinder in Betreuung oder in Ganztagsschulen.

Wenn eilig unterwegs und auf der Arbeit gegessen wird und kleinere Haushalte nicht mehr so viel kochen, sind kleinere Portionen und direkt verzehrfähige Produkte gefragt. "Die abgepackte Obstschale ganz vorne im Kühlregal des Supermarkts kennzeichnet die derzeitigen Trends ganz gut", sagte Kecskes.

Eine Prognose zu den Lebensmittelpreisen wollte die Branche gestern in Köln nicht abgeben. Bisher hätten die Preise in diesem Jahr um vier Prozent angezogen, berichtete Stefanie Lehmann von der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie.

Die Lebensmittelindustrie entdeckt die "Lohas"

Freilandeier bei Aldi, fairer Kaffee an der Tankstelle, Ökohonig aus der Drogerie, Biofleisch im Hit-Markt - wer "bewusst" einkauft, findet entsprechende Produkte längst nicht mehr nur im Ökoladen. Die Lebensmittelindustrie versucht, es dem Einzelhandel nachzutun.

"Lohas" heißt ihre Zielgruppe, und das steht in bestem Neudeutsch für "Lifestyle of Health and Sustainability", also Menschen, die einen gesunden und nachhaltigen Lebensstil kultivieren. Dazu zählen nicht nur Ökofreaks oder Vegetarier, sondern etwa auch alle, die bei der Ernährung auf ihre Gesundheit achten.

Ein gutes Viertel (26 Prozent) der Bundesbürger sind nach einer Studie der GfK-Konsumforschung unter 30 000 Haushalten inzwischen "Lohas". Vor allem Frauen und Männer jenseits der 50 kaufen der Studie zufolge Lebensmittel "bewusst" ein, doch auch mehr und mehr Jüngere zählen dazu.

"Lohas" lehnen Konservierungsstoffe ab und bevorzugen frische Lebensmittel aus ihrer Region. Für die globalisierte deutsche Lebensmittelindustrie dürfte es deshalb nicht ganz einfach sein, die "Lohas" zu erreichen. Weil die "Lohas" zahlungsfreudig sind, könnten sich Anstrengungen zu "bewusster Produktion" für die Branche, die 2012 fast 170 Milliarden Euro umsetzte, lohnen.