Rhein-Sieg-Kreis: Buchsbaumzünsler bedroht Palmsonntags-Tradition

Rhein-Sieg-Kreis : Buchsbaumzünsler bedroht Palmsonntags-Tradition

Buchsbaumzweige gelten hierzulande an Palmsonntag als Ersatz für die biblischen Palmwedel. Nun bedroht der Buchsbaumzünsler die Tradition, weil er die Pflanzen in der Region kahl frisst.

Es ist nicht mehr als eine Randnotiz in den Pfarrnachrichten mancher katholischer Kirchengemeinde, die jedoch auf ein weit verbreitetes Problem aufmerksam macht, vor dem viele Kirchen gerade stehen. Für den Palmsonntag fehlen in diesem Jahr vielerorts Buchsbaumzweige, weil der Buchsbaumzünsler den Großteil der Bestände dezimiert hat.

Der gefährliche Schädling, der einst aus Asien eingeschleppt wurde, breitet sich zunehmend in der Region aus. Die Raupen des Buchsbaumzünslers sorgen besonders in Parks und Gärten für Probleme. Der Zünsler frisst die grünen Pflanzen teilweise komplett kahl: Die Raupen des Kleinschmetterlings fressen Blätter und Rinde des Buchsbaums. Viele Gärtner erkennen den Befall erst, wenn es zu spät ist. Die Bekämpfung des Schädlings ist Experten zufolge extrem schwierig.

Und das ist nun vor Ostern ein besonderes Problem: Der Palmsonntag ist der erste Tag der Karwoche und erinnert an den Einzug Jesu in Jerusalem, bei dem ihm mit Palmblättern zugejubelt worden sein soll. Statt Palmen verwendet man im Rheinland Zweige des Buchsbaums.

Wie ein Sprecher des Erzbistums Köln bestätigt, ist die Buchsbaumkrise im Rheinland zu einem echten Problem für Palmsonntag geworden. Die Pfarrgemeinden gehen damit unterschiedlich um. Zum einen gebe es mancherorts den Aufruf an die katholischen Christen, Buchsbaumstämme zu spenden. Es sei aber auch denkbar auf andere Palmpflanzen auszuweichen, etwa auf Olivenzweige.

Das sagen die Siegburger

Die Siegburger Kirchengemeinde Sankt Servatius setzt in diesem Jahr nicht auf Buchsbaum. „Wir haben zur Alternative gegriffen und nehmen Pistazienwedel. Die sehen so ähnlich aus“, sagte Küsterin Inge Moors, die schon bei fünf Gärtnern angefragt hat, von denen drei den Buchsbaum überhaupt nicht mehr verkaufen. Für die Pfarrgemeinde ist der Wechsel auf die Pistazie vor allem eine Kostenfrage.

Mehr als 1000 Euro hätte die Anschaffung der Buchsbaumwedel die Kirchengemeinde in diesem Jahr gekostet. „Früher hatten die Leute den Buchsbaum massenhaft im Garten. Dann konnten wir mit dem arbeiten, was die Leute uns gebracht haben“, erzählte Moors. Seit ein paar Jahren werde es aber immer weniger. 340 Euro zahlt die Kirchengemeinde nun, um alle zehn Kirchen mit Pistazienwedeln zu versorgen.

Königswinter: Zweige dürfen nicht braun werden

Diakon Udo Casel von der Pfarreiengemeinschaft Königswinter am Oelberg, berichtet, dass am vergangenen Wochenende in allen Gottesdiensten der Pfarreiengemeinschaft die Besucher aufgefordert worden seien, für den Palmsonntag noch nicht befallene Buchsbaumzweige zur Verfügung zu stellen. Andernfalls sollten andere grüne Zweige mitgebracht werden, die nicht schnell braun werden oder die Blätter verlieren. Da die grünen Zweige ein Zeichen seien, dass das Leben trotz allem Leiden in der Welt am Ende siegt, dürften die Zweige nicht braun werden.

Als Alternativen kämen Liguster- oder Lebensbaumzweige in Frage. „Bisher habe ich auf die Aufforderung allerdings noch keine Antwort bekommen“, sagt er. Am Palmsonntag werden die Zweige gesegnet. Nach dem Gottesdienst könnten die Besucher, wenn gewünscht, dann die Zweige mit nach Hause nehmen und verschenken oder ans Kreuz stecken.

Rheinbach, Bornheim, Meckenheim: Baumschule züchtet Alternativen

Im kleinen Garten am Pfarrhaus der Gemeinde Sankt Martin in Rheinbach steht kein Buchsbaum. Daher bringen die Gläubigen am Palmsonntag selbst Buchsbaumzweige mit, falls sie welche haben. Die Gläubigen der Gemeinde Sankt Margaretha in Rheinbach-Neukirchen konnten sich bisher am großen Buchsbaumbusch am Hang hinter der Kirche bedienen. Doch der ist auch befallen. „Vielleicht sind noch ein paar grüne Zweige dran für die Kommunionkinder“, sagt Küsterin Elisabeth Kolvenbach. Sie habe auch bei Gärtnereien nachgefragt. Dort habe sie erfahren, dass kaum noch Buchsbäume gezüchtet würden, weil die Gefahr des Befalls und damit auch des wirtschaftlichen Schadens so groß sei.

Die Gemeinde Sankt Martin in Bornheim-Merten bittet mangels eigener Buchsbäume darum, dass die Gläubigen ihre Zweige mitbringen.

Die Baumschule Ley in Meckenheim hat den Buchsbaum aus dem Programm gestrichen. Er werde wegen der Gefahr des Befalls durch den Zünsler von den Kunden kaum noch nachgefragt. Stattdessen züchte man resistente Sorten wie Ilex und Taxus.

Bonn, Bad Godesberg, Beuel: Ersatz gefunden

Auch die Bonner Pfarrgemeinden mussten ihre Gewohnheiten umstellen. In Sankt Andreas und Evergislus Bad Godesberg hatten früher die Gemeindemitglieder Buchsbaum gespendet. Heute organisiert die Pfarrei die Wedel vom Kloster Steinfeld in der Eifel. Dort ist man bisher weitgehend vom Zünsler verschont.

In der Gemeinde Sankt Josef und Paulus Beuel hatten früher die Gemeindemitglieder Wedel gespendet und bei Bedarf wurde ein regionaler Lieferant bemüht. Letzterer züchtet wegen des Schädlings keine Buchsbäume mehr, deshalb musste die Pfarrgemeinde den Lieferanten wechseln. Vergangenes Jahr kamen die Pflanzen aus Holland.

In Sankt Adelheid in Beuel-Pützchen konnten die Pflänzchen früher aus dem Pfarrgarten genommen werden. Bereits im vergangenen Jahr musste die Gemeinde aus regionaler Zucht zukaufen. Außerdem wurden die ausgeteilten Zweige kürzer. Die Gemeindemitglieder können aber auch japanische Stechpalme oder Ilex mitbringen.

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