Bestatter in NRW beklagen zu geringen Verdienst bei Sozialbestattungen

Unmut bei Beerdigungen : Diese Probleme gibt es bei Sozialbestattungen in NRW

Rund 4000 Sozialbestattungen gibt es pro Jahr in NRW. Übernommen wird vom Sozialamt nur das Notwendigste. Bestatter klagen darüber, nicht kostendeckend arbeiten zu können. Noch spartanischer sind ordnungsbehördliche Beisetzungen.

Wie würdevoll der letzte Dienst am Menschen ausfällt, ist nicht nur eine Frage des Geldes. Je weniger davon aber vorhanden ist, desto mehr gerät die Würde zum verschiebbaren Posten. In bundesweit rund 19 200 Fällen musste 2018 das Sozialamt die Kosten für die Beerdigung übernehmen, weil die Angehörigen nicht solvent genug waren. Nach außen hin sollen diese sogenannten Sozialbestattungen laut Gesetzgeber zwar nicht wie ein Armenbegräbnis erscheinen, viel mehr als Basis-Leistungen decken die Pauschalen jedoch nicht ab.

Wenn kein Angehöriger ermittelt werden kann, wird es noch spartanischer – dann kommt es zur „ordungsbehördlichen Beerdigung“. Und die ist vor allem: billig. „Nicht sehr erfreulich“, nennt Christian Jäger, Geschäftsführer der Bestatter-Innung und des Bestatter-Verbandes NRW, diese Option. „Natürlich bemühen sich die Bestatter, die Würde der Verstorbenen zu wahren. Zufrieden sind sie damit aber nicht.“

Der Anteil der Sozialbestattungen in NRW lag in den Jahren 2010 bis 2018 in etwa auf gleichem Niveau. Auf rund 200 000 Todesfälle pro Jahr entfielen laut Jäger 3500 bis 4000 Sozialbestattungen. Pro Beerdigung wurden rechnerisch etwa 4500 Euro ausgegeben, ein erheblicher Anteil davon für Friedhofs- und Bestattungsgebühren. „Diese Kosten sind in den vergangenen zehn Jahren enorm gestiegen“, sagt Jäger, „gleichzeitig war der Anteil für die Bestatter rückläufig.“

Während die Gebühren bei einer Sozialbestattung von der Kommune komplett beglichen werden, gewähren diese unterschiedliche Sätze für die Bestatterleistungen. Sie differieren zwischen rund 800 und maximal 1500 Euro. „Übernommen wird nur, was technisch im Bestattungsgesetz notwendig ist“, sagt Jäger. Dazu gehören etwa Hygiene-Maßnahmen und eine Einäscherung im Sarg. Was darüber hinausgeht, wie Blumengestecke, eine Todesanzeige, ein Trauerredner oder der Leichenschmaus, wird gestrichen. Der Bestatterverband hat mit vielen Kreisen in NRW Sozialamtssätze und Leistungsumfänge besprochen. „Wir arbeiten in solchen Fällen völlig unter Preis und damit nicht kostendeckend“, sagt Jäger. „Gerade für kleine Familienbetriebe ist das oft schwer zu stemmen.“

Zum Vergleich: Eine Beisetzung setzt sich aus zwei Preissäulen zusammen. Die erste Säule umfasst die Spanne vom Eintritt des Todes bis zur vollzogenen Bestattung und zieht Kosten von 2500 bis 4000 Euro nach sich. Die zweite Säule beinhaltet nachgelagerte Kosten wie Grabpflege, Grabstein und Grabnutzungsgebühren. Dafür müssen laut Jäger 800 bis 8000 Euro veranschlagt werden.

Bei den Sozialbeerdigungen kommt erschwerend hinzu, dass die Bestatter in Vorkasse treten, aber lange auf ihr Geld warten müssen. Zu lange, kritisiert Alexander Helbach von Aeternitas, der Verbraucherinitiative Bestattungskultur. „Die Kommunen fangen gerade an, die Fälle von Anfang 2019 aufzuarbeiten“, sagt Helbach. Jäger spricht sogar von durchschnittlich zwölf bis 18 Monaten, bis die Kosten erstattet seien. Das müsse sich ändern. Helbach und Jäger fordern daher einen bundesweit einheitlichen Leistungskatalog für Sozialbestattungen. Wenn die Leistungen festgelegt seien, müsse auch nicht mehr im Einzelfall darüber befunden werden, was angemessen sei und was nicht, sagt Jäger.

Ob das Sozialamt die Kosten für eine Beerdigung übernimmt, hängt von der finanziellen Situation der Angehörigen ab. Diese müssen einen entsprechenden Antrag stellen, dabei ist ihre Bedürftigkeit entscheidend. Gibt es keine Angehörigen, ordnet die Kommune die ordnungsbehördliche Bestattung an. In der Regel seien das anonyme Urnenbeisetzungen, die so günstig wie möglich sein sollen, erklärt Jäger. Da diskutiere man mit dem Amt auch mal darüber, ob der Tote hygienisch versorgt werden müsse, ob Papierschnipsel oder Sägespäne ins Kissen sollen oder der Sarg eine Innenverkleidung brauche. „So etwas widerstrebt uns“, sagt Jäger, denn die Würde des Toten müsse gewahrt bleiben.

Tatsächlich kennt der Sparwille aber keine Grenzen: Viele Leichen würden auch ins Ausland geschafft, um sie dort billig unter die Erde zu bringen. Dies sei sogar gängige Praxis.

Wer jenseits von Sozialbeerdigungen nach günstigen Angeboten sucht, landet heutzutage oft bei Discount-Bestattern. Diese werben oft mit einem All-Inclusive-Preis von wenigen hundert Euro. Jäger rät jedoch zu Vorsicht: Oft handele es sich um reine Lockvogel-Angebote, die viel versprechen und letztlich wenig halten. Viele fallen dann unter Umständen auf eine Mogelpackung rein.