Affenhaus in Krefeld: Polizist erschoss Gorilla bei Brand im Zoo

Feuer in Zoo : Polizist erschoss Gorilla bei Brand in Krefelder Affenhaus

Der Brand im Affenhaus des Krefelder Zoos bekommt durch einen Bericht des Innenministeriums eine weitere Dimension: Ein Polizist musste einen schwer verletzten Gorilla mit Schüssen aus der Maschinenpistole erlösen.

Gut zwei Wochen nach dem Brand im Affenhaus des Krefelder Zoos sind weitere Details über das Schicksal der Tiere bekannt geworden. Laut einem Bericht des NRW-Innenministeriums an den Landtag musste am Morgen nach dem Brand ein Polizist einen schwer verletzten männlichen Gorilla durch mehrere Schüsse aus einer Maschinenpistole töten. Eine Tierärztin wollte den Affen eigentlich mit einer Überdosis eines Narkotikums einschläfern. Doch das Mittel entfaltete bei dem Tier aufgrund der Schwere der Brandverletzungen nicht seine volle Wirkung, so dass die schnellste Erlösung des Tieres durch einen Schuss mit der Waffe mit Unterstützung der Polizei Ultima Ratio war, heißt es in einer Erklärung der Krefelder Polizei.

Um welches Tier es sich handelte, sagte der Zoo nicht. Im Zuge des Brandes war nach früheren Angaben allerdings als einziger männlicher Gorilla der 48-jährige Silberrücken „Massa“ ums Leben gekommen. Wie der Zoo weiter mitteilte, hatte eine Tierärztin mit einem Narkotikum zwei weitere schwer verletzte Tiere eingeschläfert, die keine Überlebenschance gehabt hätten. In der Veterinärmedizin ist es üblich, dass Tiere mit einer Überdosis eines Narkosemittels eingeschläfert werden, wenn sie unheilbar krank oder verletzt sind. „Bei einer Euthanasie werden in der Regel Tierarzneimittel mit dem Wirkstoff Pentobarbital verwendet“, erklärt James Brückner, Leiter des Artenschutzreferats beim Deutschen Tierschutzbund: „Bei Überdosierung, die aber abhängig von der Tierart ist, kommt es zum Atem- und anschließend zum Herzstillstand. Diese Methode gilt als eine der schonendsten und sichersten Methoden.“ Die tödlichen Schüsse des Polizeibeamten seien alternativlos gewesen, betonen Zoo und Polizei. Das Tier sei so schwer verletzt gewesen, dass es umgehend hätte erlöst werden müssen. „Unsere Kollegen waren zur Tötung des Tieres durch Kugelschuss nicht nur berechtigt, sondern auch verpflichtet“, erklärte die Polizei in der gemeinsamen Mitteilung mit dem Zoo. Die Beamten hätten sich sonst strafbar machen können. Die Polizei bezieht sich auf Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes. Dort heißt es unter anderem: „Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer (...) einem Wirbeltier länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt.“

Wenn eine Betäubung nicht möglich sei, bleibe oft nur der Schuss aus sicherer Distanz, sagt auch Tierschutzexperte Brückner: „Sofern der Schütze dies schnell und treffsicher gewährleisten kann, kann dies unter Umständen die beste Möglichkeit für eine schnelle Tötung darstellen. Grundsätzlich sollte aber einer Betäubung Vorrang eingeräumt werden. In der Praxis ist dies leider aus verschiedenen Gründen nicht immer möglich.“

Die Erschießung des Tieres war dem Krefelder Zoo bereits kurz nach dem Brand bekannt. In der ersten Pressekonferenz nach der Tragödie verschwieg der Zoo dieses Detail jedoch. In der Pressemitteilung heißt es dazu: „Zum emotionalen Schutz der beteiligten Personen (Tierärztin, Tierpfleger, Polizei) wurde gemeinschaftlich mit den beteiligten Behörden entschieden, diese Informationen nicht zu kommunizieren.“ Mit dem 34-jährigen Schützen seien in den folgenden Tagen aus Fürsorge mehrere intensive Gespräche geführt worden, heißt es in der Vorlage des Innenministers für den Landtag.

„Der Bericht lässt nur erahnen, wie belastend der Einsatz für die Kräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei sowie die Mitarbeiter des Zoos gewesen sein muss“, sagte die innenpolitische Sprecherin der Grünen, Verena Schäffer. Tatsächlich sei die „emotionale Belastung bei allen Einsatzkräften sowie beim Personal des Zoos immens“ gewesen, heißt es in dem Bericht. „Während und nach dem Einsatz wurde den Einsatzkräften und den Mitarbeitern eine psychologische Unterstützung angeboten.“

Das Innenministerium führt in seinem Bericht auch den Ermittlungsstand aus. Demnach hatten bereits um 2.20 Uhr, keine zwei Stunden nach der Alarmierung der Feuerwehr, erste Zeugen Hinweise auf Himmelslaternen gegeben. Am nächsten Tag meldeten sich drei Frauen, die nach Mitternacht fünf der Leuchten hatten steigen lassen. Zwei seien in einem Baum hängen geblieben, drei weitere geflogen. Laut Innenministerium landete eine auf dem Dach des Affenhauses, wo sie mit unbekanntem, entflammbarem Material in Kontakt gekommen sei.