Beweissicherung zu Archiveinsturz

U-Bahn in Köln kommt später

Bauzäune sind an der Einsturzstelle des Stadtarchivs Köln zu sehen.

Bauzäune sind an der Einsturzstelle des Stadtarchivs Köln zu sehen.

12.12.2017 Köln. Am 3. März 2009 stürzte das Kölner Stadtarchiv ein. Weil an der unterirdischen Unglücksstelle die Beweissicherung länger dauert als geplant, werden die Arbeiten für die Nord-Süd-U-Bahn dort erst deutlich später fertig - die Verkehrsbetriebe rechnen mit 2026.

Die Beweissicherung an der Unglücksstelle des Kölner Archiveinsturzes zieht sich weiter hin. Deshalb wird sich die Fertigstellung der Nord-Süd-U-Bahn erheblich verzögern. Die Inbetriebnahme könne voraussichtlich erst im Jahr 2026 erfolgen, teilten die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) am Dienstag auf Anfrage mit. Die „Kölnische Rundschau“ hatte zuerst darüber berichtet.

Im März 2009 war das größte deutsche Kommunalarchiv eingestürzt, zwei Menschen starben. Die Staatsanwaltschaft vermutet Fehler bei der Bauausführung für die dortige U-Bahn-Linie als Unglücksursache.

Die Beweissicherung wird laut KVB nun wohl bis 2019 dauern. Der Zeitplan werde bestimmt durch den Gutachter des Kölner Landgerichts. Der Sachverständige habe beantragt, die Beweissicherung bis zur - laut KStA rund 30 Meter tiefen - Braunkohleschicht auszuweiten. Ein eigens für die Ermittlungen errichtetes „Besichtigungsbauwerk“ könne dann erst 2020 verfüllt werden. Die anschließende Sanierung werde vier bis fünf Jahre dauern. Eine vollständige Inbetriebnahme war zunächst für 2023 angepeilt worden.

Der Archiveinsturz wird in zwei getrennten Verfahren aufgearbeitet. Ein Strafprozess wegen fahrlässiger Tötung und Baugefährdung beginnt am 17. Januar 2018 vor dem Landgericht gegen sechs Angeklagte - Beschäftigte der KVB und der am U-Bahn-Bau beteiligten Firmen. 126 Hauptverhandlungstage sind angesetzt. Parallel dazu laufen Ermittlungen, um zivilrechtliche Fragen zu klären. Ein dafür wichtiges Gutachten zur Ursache verzögert sich nun deutlich. Die Stadt Köln geht von einem Sachschaden von 1,2 Milliarden Euro aus und strebt Schadenersatz an, ebenso die KVB.

Für die Nord-Süd-Stadtbahn plant das Verkehrsunternehmen nahe der Unglücksstelle ein zentrales Gleiswechsel-Bauwerk. Man bedauere zwar die Verzögerung, aber: „Die zweifelsfreie und eindeutige Ursachenermittlung hat aufgrund der außerordentlichen Schadenshöhe Vorrang“, betonte die KVB. (dpa)