Interview mit Christopher Nolden

Rheinbacher Eiswerk stellt kreative Eissorten her

Grelle Farben und ausgefallene Sorten, dafür schlägt das Herz von Christopher Nolden. Er selbst liebt Stracciatella. Zitrone kommt für ihn gar nicht in Frage.

Grelle Farben und ausgefallene Sorten, dafür schlägt das Herz von Christopher Nolden. Er selbst liebt Stracciatella. Zitrone kommt für ihn gar nicht in Frage.

Rheinbach. Christopher Nolden aus Rheinbach stellt kreative Eissorten für sein Eiswerk in Rheinbach her. Er ist Verfechter von ausgefallenen Geschmacksrichtungen.

Eis gehört für viele einfach zum Sommer dazu. Denn wie das Werbeschild an diesem Tag verkündet: „Satt heißt nicht, dass kein Eis mehr reinpasst.“ Über die richtige Sorte, ihre Präsentation und Herstellung lässt sich hervorragend fachsimpeln. Aber es gibt auch echte Experten in diesem Gebiet.

Christopher Nolden ist nicht nur Inhaber des Eiswerk am Rheinbacher Altstadtplatz, er kümmert sich auch um die Herstellung der kalten Süßwaren. Die Eisdiele unterscheidet sich von anderen unter anderem dadurch, dass man hier keine bunten Eisbecher sieht, dafür die Sorte „Malz-Brezel“. Über Geschmacksvorlieben seiner Kunden, persönliche Erinnerungen und die Frage, warum es bei ihm keine Kugeln gibt, sprach er mit .

Herr Nolden, Sie produzieren Eis, Sie verkaufen es. Wie würden Sie sich selbst bezeichnen?

Christopher Nolden: Als Eismacher aus Leidenschaft.

Und wann hat diese Leidenschaft angefangen?

Nolden: Schon als kleines Kind.

Womit?

Nolden: Eigentlich nur mit der absoluten Liebe zu Eis und zu Süßem und zu unserer alten Eisdiele hier in Rheinbach, dem Eis Lazzarin. Als das zugemacht hat, gab es für mich in Rheinbach keine Alternative mehr, ein „ehrliches“ Eis zu essen. Und dann habe ich halt geguckt, dass ich die Alternative selbst schaffe.

Haben Sie eine besondere Erinnerung an diese Eis-Liebe?

Nolden: Ja! An die alten Silbereiskelche, aus denen ich damals das leckerste Schokoladeneis der Welt gegessen habe.

Aus Ihrem Wunsch entstand dann also das Eiswerk. Wie viele Läden haben Sie mittlerweile?

Nolden: Seit März 2016 haben wir das Eiswerk in Rheinbach, und seit vergangenem März gibt es auch ein Eiswerk in Flamersheim.

Dann stellt sich ja bei der Liebe zum Eis die klassische Frage: Welche Sorte ist die leckerste?

Nolden: (sofort) Stracciatella.

Und welche Sorte mögen Sie persönlich gar nicht?

Nolden: Zitrone.

Die haben Sie aber trotzdem im Angebot. Sie experimentieren also mit vielen Sorten. Was verkauft sich am besten?

Nolden: Das ist unser Salzkaramell-Eis. Dabei handelt es sich um ein süßes Karamell-Eis, das von salzigem Karamell durchzogen wird. Kinder lieben unser Milchreis-Eis. Und dann experimentieren wir mit allem Möglichen. Wir haben Hanfsamen- und Datteleis im Angebot, aber auch Klassiker wie Malaga und Amarena. Es gibt sogar Lakritzeis bei uns, was ich persönlich übrigens überhaupt gar nicht mag.

Warum produzieren Sie Eis, dass Ihnen persönlich gar nicht schmeckt?

Nolden: Weil es den Leuten umso besser schmeckt. Mein Geschmack ist ja nicht unbedingt der Geschmack der Leute. Wir versuchen da für alle etwas zu schaffen. Das Lakritzeis polarisiert extrem. Das ist schon sehr, sehr lakritzig. Die einen mögen es, die anderen mögen es gar nicht. Und ich gehören zu denen, die es gar nicht mögen.

Was bei Ihnen noch anders ist als bei den meisten Eisläden: Es gibt keine Bällchen, es gibt Portionsgrößen. Wie kam das?

Nolden: Wir haben das in einer anderen Eisdiele gesehen, und es hat uns unheimlich gut gefallen. Wir bieten unser Eis in „alten“ Pozzetti-Truhen an und spachteln es. Das Eis soll im Vordergrund stehen. Außerdem haben wir so eine durchweg gleichgroße Portion, oben am Becherrand ist einfach Schluss. Das ist fairer für die Kunden. Denn wenn man eine Kugel portioniert, gibt es mit dem gleichen Portionierer bei drei verschiedenen Mitarbeitern drei verschiedene Größen an Kugeln.

Was Sie noch betonten als Unterschied zu Konkurrenz ist das hausgemachte Eis. Das bedeutet?

Nolden: Dass wir unser komplettes Sortiment selbst herstellen. Dass wir ausschließlich deklarations-unpflichtige Zutaten verwenden, keine Farbstoffe oder Zusatzstoffe jeglicher Art. Es heißt eben hausgemacht und handgemacht. Deswegen gibt es auch nicht alle Sorten.

Und der für Sie interessanteste oder wichtigste Produktionsschritt dabei ist?

Nolden: Die Entwicklung einer neuen Sorte.

Wie läuft die ab?

Nolden: Durch Inspiration, zum Beispiel beim Mitbewerber. Es ist für mich immer die Herausforderung, zu gucken, wie macht er das. Unter Umständen stellt er seine Sorte auch mit Dingen her, die ich aus oben genannten Gründen einfach nicht verwenden möchte oder kann. Dann probiere ich halt, das auf „ehrlichem“ Weg herzustellen. Das ist das Interessanteste und das Schwierigste, weil es einiges zu beachten gibt.

Haben Sie mal eine Sorte kreiert, die überhaupt nicht funktioniert hat?

Nolden: Ja. Ein Tabakeis.

Gibt es denn Vorlieben je nach Jahreszeit oder Wetter?

Nolden: Bei schlechtem Wetter laufen eher Milchsorten, das heißt vermehrt Schokolade, Mokka, Nuss und Nougat. Und bei schönem Wetter eher die Fruchtsorten wie Erdbeereis, Himbeereis, Mango oder Zitrone-Minze.

Und wie viel Eis geht an einem Schön-Wetter-Wochenende weg?

Nolden: An einem sehr guten Sonntag verkaufen wir in einem unserer Läden etwa 250 Kilo Eis.

Haben Sie noch etwas, das Sie in Zukunft ausprobieren möchten?

Nolden: Ein drittes Eiswerk. Sortenmäßig sind wir offen für alles. Ich möchte demnächst mal ein Bienenstich-Eis probieren mit Mandeln und Honig.