Reparaturarbeiten und Bienenpflege

Deshalb haben Imker im Winter keine Pause

Rhein-SIEG-KREIS. Wenn die Bienenvölker ihre Winterruhe halten, gibt es für die Hobbyimker Michael Czerwinski und Hartmut Neumann aus Rheinbach viel zu tun. Unter anderem fertigen sie neue Rahmen für den Honig.

Jede Menge Werkzeug, Leim, Holz und Farbeimer stehen in dem kalten Anbau herum. Auf den ersten Blick gleicht die kleine Heimwerkstatt im hinteren Teil des Gartens von Michael Czerwinski (58) aus dem Rheinbacher Ortsteil Todenfeld der eines jeden anderen Hobbyhandwerkers auch. Schaut man genauer hin, entdeckt man untypische Gegenstände in den Regalen wie Wachsplatten, Wachsblöcke, kleine Kästen mit geometrischen Figuren und solche, die grün bemalt sind.

Der Grund: Czerwinski ist Hobbyimker. Bereits als Teenager hatte er großes Interesse für die pelzigen Insekten und das flüssige Gold. In seinem Garten stehen farbig bemalte Behausungen (Beuten), in denen die Bienenvölker leben und zurzeit ihre Winterruhe halten. Doch das heißt nicht, dass es für den Imker nichts zu tun gibt. Im Gegenteil. Die Wintermonate halten viele Aufgaben für Czerwinski und Hartmut Neumann (77) bereit. Die zwei Ruheständler sind Nebenerwerbsimker und Mitglieder im „Bienenzuchtverein Rheinbach und Umgebung 1867“. Seit einem Jahr ist Neumann Vorstandsvorsitzender. Er ist eher durch Zufall zur Imkerei gelangt. „Ich wollte mit einer CD über Bienen eigentlich meine Enkel begeistern, aber die haben sich für das Thema nicht interessiert“, sagt er.

Während der Wintermonate verbringt Czerwinski viel Zeit in seiner Werkstatt, vorwiegend erledigt er Reparaturarbeiten an den Bienenkästen. Er steht vor der Drehbank, leimt und nagelt vier vorgeschnittene Holzleisten aus Linde und Tanne zu einem sogenannten Rähmchen zusammen. In jedes wird feiner Draht eingespannt. Anschließend legt der Imker eine Mittelwand aus Bienenwachs hinein, die bereits vorgeprägte Waben hat. An die 400 Rähmchen fertigt Czerwinski im Winter. Auch wenn die Bienen momentan inaktiv sind, haben die zwei Imker ein wachsames Auge auf ihre Insekten. „Ich kontrolliere die Beuten rechtzeitig im Frühjahr, damit den Bienen nicht die Nahrung für die kalten Tage ausgeht und füttere gegebenenfalls nach“, erklärt Neumann, der insgesamt sechs Völker in seinem Garten in Niederdrees stehen hat. Czerwinski holt daraufhin eine blaue Tüte aus einem Regal hervor, in die ein dicker weißer Klumpen eingewickelt ist: Futterteig. „Im Prinzip ist das nichts weiter als Puderzucker“, erklärt er. „Je milder der Winter, desto lebhafter sind auch die Bienen und umso mehr Nahrung benötigen sie“, sagt Neumann.

Im November und Dezember gibt es die letzte Behandlung mit einer Oxalsäuredihydrat-Lösung gegen die Varroamilbe. Diese Prozedur wird im Imkerjargon Restentmilbung genannt. Diese Parasiten vermehren sich in der Brut der Bienen und können damit die gesamte Population bedrohen. Auch die Zustandskontrolle der Beuten gehört je nach Witterung zu den Aufgaben eines Imkers (siehe Infokasten).

Den Honig der fleißigen Bienen verkaufen die Imker auf Märkten. Vor allen während der Weihnachtszeit finden sich reichlich Abnehmer für den süßen Brotaufstrich. „Die Selbstvermarktung ist ein wichtiger Punkt“, sagt Czerwinski. „Damit verdienen wir unser Geld.“ Neben Honig sind auch Kerzen und Salben aus dem Wachs beliebt. Hoch im Kurs steht bei den Käufern allerdings das Hausmittelchen Propolis, eine von Bienen hergestellte harzartige Masse mit antibiotischer, antiviraler und antimykotischer Wirkung.

Wenn zwischen den handwerklichen Arbeiten und dem Verkauf von Bienen- und Honigprodukten noch Zeit bleibt, besuchen Czerwinski und Neumann Seminare und Weiterbildungen für Imker. „Die bieten wir auch innerhalb des Vereins an. Die Themen sind ganz unterschiedlich und reichen vom biologischen Obstanbau bis hin zur Gesundheit der Bienen“, sagt Neumann. Erst kürzlich war Czerwinski auf einem Imkerverbandstreffen in Celle.

Neumann und Czerwinski stellen zudem fest: Imkern liegt im Trend. Vor allem bei Menschen, die sich generell mit Flora und Fauna auseinandersetzen, meint Neumann. „Eben bei solchen, die was Gutes für die Umwelt tun wollen“, ergänzt er. Wie beliebt das Hobby ist, merkt auch der Verein. Im vergangenen Jahr kamen 21 neue Mitglieder dazu, seit Beginn dieses Jahres bereits fünf. Insgesamt kommt der Verein mittlerweile auf 99 Mitglieder. „Wir stoßen wirklich an unsere Grenzen, allein schon, weil unser Vereinslokal allmählich aus allen Nähten platzt“, sagt Neumann und weiß den Mitgliederzuwachs zu schätzen. Schließlich träumen andere Vereine von steigenden Zahlen.