Kirmesbesuch mit dem Onkel endete mit Vergewaltigung

Kirmesbesuch mit dem Onkel endete mit Vergewaltigung

Fahrer des Wagens hätte einschreiten müssen - Prozess vor Bonner Landgericht

Bonn. Von den Schultern seines Onkels Robert L. aus erlebte der damals 11-jährige Marvin (Namen geändert) am 4. September 1998 das abendliche Gedränge auf "Pützchens Markt". Onkel und Neffe fuhren zusammen Karussell, später vergnügte der Junge sich auf einer großen Rutschbahn, von seinem Onkel und dessen Bekanntem Walter F. von der nahen Bierbude aus beaufsichtigt. Zehn Kölsch trank der damals 38-jährige Alkoholiker Robert L. da. Der damals 52-jährige Walter F. blieb nüchtern: er sollte Onkel und Neffen ja noch wohlbehalten mit seinem Auto nach Hause bringen.

Beide, Robert L. und Walter F., wurden am Mittwoch von der Jugendschutzkammer des Landgerichts Bonn verurteilt. Robert L. wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs eines Kindes zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, Walter F. wegen Beihilfe dazu zu einer Strafe von 9 Monaten auf Bewährung. Denn auf der Heimfahrt kam es zu dem Übergriff, von dem der Junge erst mehr als ein Jahr später seiner Mutter erzählte. Im Auto schob Robert L. den Beifahrersitz zurück, kippte die Lehne nach hinten und begann, den Jungen zu befummeln. Er zog ihm die Hose aus, und obwohl Marvin sich heftig wehrte, übte er an ihm schmerzhafte sexuelle Handlungen aus. Walter F. fuhr weiter, schritt nicht ein. Vorsitzender Klaus Haller im Urteil: "Er bekam mit, was da geschah. Indem er weiterfuhr, schuf er den äußeren Rahmen für die Tat." Das Gericht wertete dies als Beihilfe, zumal, so Haller "auch ihm das Kind für die Fahrt anvertraut war."

Beide Angeklagten rangen sich am Mittwoch "nach langem Winden", so Haller, zu einem Geständnis durch und ersparten Marvin, der mit seinen Eltern vor dem Gerichtssaal wartete, die Aussage. Beide Angeklagten waren dem Gericht schon bekannt: erst im April letzten Jahres war Robert L. hier zu einer Gesamt-Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt worden. Ab Februar 1999 hatte Robert L. seinen damals 9-Jährigen Neffen Sascha, Marvins Vetter, missbraucht. Damals hatte Robert L. bis zuletzt alles abgestritten. Durch das Urteil vom Mittwoch wird diese Gesamtstrafe auf fünf Jahre und sechs Monate erhöht. In diesem Prozess war Walter F. aufgetreten, er diente dem homosexuellen Robert L. mehrere Jahre lang als "eine Art Privatsekretär", so Haller im Urteil.

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