Junger Grafschafter wird US-Wahlhelfer

Junger Grafschafter wird US-Wahlhelfer

Florian Schneider aus Gelsdorf geht in Ohio zur Schule

Gelsdorf. Ein Jahr lang in den USA zu leben. Das ist der Traum vieler Jugendlicher. Für Florian Schneider aus Gelsdorf wird dieser Traum bald war. Der 16-Jährige wird nächste Woche in Frankfurt/Main den Flieger Richtung USA besteigen, um für die nächsten zehn Monate im "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" zu leben.

Der Gymnasiast hat vieles dafür getan, dass sein Traum wahr wird. Er ist einer von insgesamt 360 Stipendiaten des Parlamentarischen Patenschafts-Programms des deutschen Bundestages. Bereits vor einem Jahr hatte Florian Schneider, der das Gymnasium Calvarienberg in Bad Neuenahr-Ahrweiler besucht, seine Bewerbung eingereicht.

Eine umfassende Selbstbeschreibung samt Lebenslauf, Motivationsschreiben und familiären Situation sowie ein Lehrergutachten musste Florian zusammenstellen. Schließlich wurden er und fünf andere Kandidaten zum Auswahlgespräch nach Bonn eingeladen.

Dabei sind es nicht nur unbedingt gute Noten, die zählen, sondern vor allem der Charakter, Offenheit und selbstsicheres Auftreten. Weitere Bewerbungsverfahren folgten. Kurz vor Weihnachten kam dann die freudige Nachricht.

"Ich war total verblüfft, dass ich das Stipendium bekommen habe", erinnert sich der Elftklässler. Florian hatte sich gegen 200 Mitbewerber aus dem Wahlkreis Ahrweiler/Mayen durchgesetzt. Die Stipendiaten müssen allerdings auch eine gewisse Flexibilität mitbringen.

"Wir haben eine Garantie, dass wir in einer Gastfamilie leben werden, allerdings können wir nicht beeinflussen, in welchem Bundesstaat", sagt Florian. Von Florida bis Kalifornien, von Alaska bis Texas - alles ist möglich. Obwohl er bereits in wenigen Tagen fliegt, weiß Florian immer noch nicht genau, wo er hinkommt. "Ich weiß bisher nur, dass es Ohio sein wird", so der Schüler.

Zu Hause lebt Florian zusammen mit seinen Eltern Michael und Birgit und seinen drei kleineren Brüdern Fabian, Simon und Vinzenz. Wo er in den USA wohnen wird, ist für ihn zweitrangig. Hauptsache, er hat eine nette Gastfamilie. "Es ist mir sehr wichtig, dass ich mich mit der Familie gut verstehe", meint er.

Eines hat er sich schon fest vorgenommen während seines Aufenthalts in den USA: Er möchte als Wahlhelfer bei der Präsidentschaftswahl mitarbeiten. Die Stipendiaten sind nämlich dazu angehalten, sich in einem so genannten "community project" zu engagieren - also sozial in der Gemeinde einzusetzen.

"Ich hatte zuerst überlegt im sportlichen Bereich etwas zu machen, als mir schließlich die Idee kam, mich als Wahlhelfer zu engagieren", sagt Florian. Und noch etwas hat er geplant, seinen Führerschein in den USA zu machen.

"Das steht für mich zwar nicht an erster Stelle, aber wenn sich die Möglichkeit ergibt, werde ich es auf jeden Fall machen." Florian ist es wichtiger, generell etwas anderes zu erleben: "Ich möchte über den Tellerrand schauen und hoffe, auch viele Erfahrungen aus diesem Jahr mitzunehmen."

Auch, wenn er das Jahr in den USA als große Chance sieht, einmal ein fremdes Land zu erleben und die amerikanische Mentalität und Kultur kennen zu lernen, eine Sorge hat Florian: "Ich mache mir etwas Gedanken, ob ich das Jahr hier in Deutschland anerkannt bekomme."

Darüber wird eine Lehrerkonferenz an seiner Schule entscheiden, wenn er zurück ist. Über die Schule in den USA macht er sich aber keine Gedanken. "Wir haben während des Vorbereitungsseminars im Mai viele Informationen zum amerikanischen Schulsystem bekommen."

Das System ist sehr locker. Die einzigen Pflichtfächer sind Englisch und amerikanische Geschichte. Alles andere ist frei wählbar. "Uns wurde aber gesagt, dass deutsche Schüler generell keine großen Schwierigkeiten an amerikanischen Schulen hätten", sagt Florian.

Bevor es jedoch nach Amerika geht, wird er die ersten drei Tage des neuen Schuljahres noch an seiner Schule in Deutschland verbringen. "Ich glaube in diesen letzten Tage wird mir erst richtig bewusst, dass ich bald für ein Jahr weg sein werde", so Florian.

Er glaubt aber nicht, dass er Heimweh haben wird. "Wenn ich mich in meiner Gastfamilie wohlfühle, wird das glaube ich kein Problem sein", meint der Gymnasiast. Und wenn er sich an selbst gesetztes sein Motto "Ein Freund zu Gast in der Welt" hält, bestimmt nicht.

Mehr von GA BONN