Unmut in Witterschlick: Jugendliche beschädigten Kirchenfenster

Unmut in Witterschlick : Jugendliche beschädigten Kirchenfenster

Junge Kicker haben die Kirche St. Lambertus demoliert. Die Pfarrgemeinde hat inzwischen bei der Polizei Anzeige erstattet.

Sieben geborstene Bleiglasfenster an der Pfarrkirche St. Lambertus, vier Fußbälle hoch oben im Schneefanggitter des Gotteshauses und zerschossene Pflanzen - das ist die Bilanz des abendlichen Bolzens auf dem Dorfplatz Witterschlick in diesem Jahr.

Inzwischen hat die Pfarrgemeinde Anzeige bei der Polizei erstattet. "Doch ob das etwas bringt?", fragt sich Josef Wenzler vom Bauausschuss der Pfarrgemeinde. "Ich kann sagen, was ich will", berichtet Pfarrausschussmitglied Manfred Curtius über seine Gespräche mit den Fußball spielenden Jugendlichen. "Die ballern weiter."

Der Hausmeister des Pfarrzentrums in der Adolphsgasse schaut auch an der Kirche nach dem Rechten und bedauert, dass nicht nur auf die kleinen Kirchenfenster in etwa acht Meter Höhe, sondern auch auf das alte Grabkreuz an der Wand der Kirche gezielt wird. Gleichzeitig hat Curtius aber auch Verständnis: "Ist doch klar, dass die Jugendlichen sich hier wohlfühlen. Aber wir müssen uns etwas einfallen lassen."

Am besten wäre, so sein Vorschlag, wenn Politik, Kirche und Jugend sich zusammensetzen und im Ortsbereich für einen Bolzplatz sorgen, "auf dem richtig geballert werden kann".

Die Wiese an der Turnhalle, wo eigens eine Hecke als Begrenzung angelegt wurde, kommt offensichtlich nicht infrage. Dort seien Drogen im Umlauf, hat Curtius von einem älteren Jugendlichen gehört, der deshalb mit seinen jüngeren Geschwistern dort nicht hingehen will. Und der Bolzplatz im Gewerbegebiet sei zu weit weg.

Bürgermeister Rolf Schumacher ist das Problem bekannt. Er weiß, dass auch die Grundschule als Fußballwand genutzt wird. Einige Jalousien werden deshalb überhaupt nicht mehr heruntergelassen, weil sie sonst durch Balltreffer kaputt gehen. "Aber wie sollen wir das in den Griff kriegen?", fragt sich auch Schumacher.

Natürlich könne man das Ordnungsamt und die Polizei rufen, wenn es extrem wird, andererseits sagt Schumacher: "Ich kann hier keinen Sheriff aufstellen, und das will ich auch nicht. Jetzt sind Ferien. Und es sind unsere Kinder." Man müsse auch an die Verantwortung der Eltern appellieren und gegebenenfalls zusammen mit dem Jugendleiter des Kinder- und Jugendtreffpunkts "JumP" nach Lösungen suchen.

Derweil überlegt die Pfarrgemeinde, ob man die 194 Bleiglasfenster künftig durch Vorsatzscheiben schützt. Zunächst aber steht die Reparatur der beschädigten Fenster an. "Das kostet uns 250 Euro pro Scheibe plus Gerüstkosten", rechnet Josef Wenzler vom Bauausschuss vor. Er weiß das so genau, weil bereits im Jahr 2010 etliche Scheiben durch das Fußballspielen zu Bruch gegangen sind und ersetzt werden mussten. Das hängt für Wenzel mit der Ende 2009 abgeschlossenen Umgestaltung des Dorfplatzes zusammen. Vorher sei das Areal in der Ortsmitte für Fußballspiele nicht interessant gewesen.

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