GA-Serie "Rheinische Redensarten": Jetz jit et ävver Aska met Schohnäjel

GA-Serie "Rheinische Redensarten" : Jetz jit et ävver Aska met Schohnäjel

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir bedeutungstiefe Redewendungen.

Manche Redewendungen kommen irgendwann ganz unmerklich aus der Mode. Das kann die verschiedensten Gründe haben. Etwa, dass sich der Zeitgeist gewandelt hat, oder die Technik ist eine andere. Im vorliegenden Fall sind es die Erziehungsmethoden, die sich in den vergangenen Jahrzehnten sehr stark umgeprägt haben. Die Redensart, die eigentlich im Rheinland und darum herum jeder verstehen dürfte lautet: „Jetz jitt e ävver Aska met Schohnäjel.“ Diese Ansage kam in früheren Zeit in der Regel vom Haushaltsvorstand, dem Vater, der dem widerspenstigen Nachwuchs mittels körperlicher Gewalt eine Lektion zu erteilen gedachte. Die Übersetzung ins Hochdeutsche könnte also schlicht heißen: Jetzt gibt es Prügel.

Diese Art der Wissensvermittlung ist heutzutage nicht mehr gut angesehen. Und das mit Recht. Denn man weiß, dass es Kindern nicht gut tut mit Gewalt erzogen zu werden. Das gilt für die körperliche wie die psychische Variante. Aktuell hört man in Kindertagesstätten eher Sätze wie: „Sören, möchtest du jetzt deine Allwetterjacke überstreifen?“ Man könnte den Eindruck haben, das Pendel ist erzieherisch jetzt in die andere Richtung ausgeschlagen.

Interessant an Aska mit Schuhnägeln ist Zweierlei. Erstens gibt es den Ausdruck überall im Rheinland nördlich der Mosel. LVR-Sprachforscher Peter Honnen hat verschiedene Varianten dokumentiert. So etwa: Aschka mit Schimmela und Aska mit Kanulla.

Zweitens ist bemerkenswert, dass völlig unklar ist, was Aska genau heißt. Diese Vokabel wird alleinstehend nicht eingesetzt, auch wenn sie im kompletten Satz nachweislich seit dem 19. Jahrhundert in verschiedenen Mundarten in Gebrauch ist.

Aktuell gibt es nur einen Erklärungsansatz, und der führt Aska auf das Jiddische zurück. Dort gibt es das Wort „Aske“, was so viel heißt wie Beschäftigung und Handel. Es könnte also ganz grob heißen: Jetzt gibt es Händel mit Schuhnägeln. Da würde dann nicht nur mit der Hand geschlagen, sondern mit dem Schlappen, der noch mit Schuhnägeln besetzt ist. Wahrlich keine schöne Vorstellung, die hoffentlich der Vergangenheit angehört.

Haben auch Sie einen rheinischen Lieblingsspruch, dann mailen Sie ihn uns unter rheinisch@ga-bonn.de. Die „Rheinischen Redensarten“ aus der wöchentlichen Kolumnenserie des General-Anzeigers sind als Buch erschienen und im Handel zu haben.

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