Entwicklung der Bevölkerung: Immer mehr alte Menschen im Kreis Ahrweiler

Entwicklung der Bevölkerung : Immer mehr alte Menschen im Kreis Ahrweiler

Die Alterung der Gesellschaft bleibt die große Herausforderung. Die Menschen zieht es aus den Dörfern fort in die Städte. Für den Kreis Ahrweiler blickt Landrat Jürgen Pföhler dennoch mit Zuversicht in die Zukunft.

Immer weniger Kinder, immer mehr Alte: Seit einigen Tagen liegt die „Fünfte regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung“ des Statistischen Landesamtes vor. Auch die Entwicklung des Kreises Ahrweiler (129 000 Einwohner) ist dort erfasst. In unterschiedlichen Varianten wird prognostiziert, wie sich die Bevölkerungszahlen entwickeln werden. Der Anteil der Kinder wird geringer, der Teil der Rentner steigt heftig an. Besonderes Wachstum gibt es vor allem bei den über 80-Jährigen.

Landrat Jürgen Pföhler zeigt sich dennoch optimistisch. Er sieht den Kreis Ahrweiler gut aufgestellt und geht – allen Prognosen zum Trotz – von einem Bevölkerungswachstum aus: „Ich bin davon überzeugt, dass wir in den kommenden Jahrzehnten einen Bevölkerungszuwachs haben werden.“

In einer unteren Variante gehen die Statistiker für den Kreis Ahrweiler von einer Einwohnerzahl im Jahr 2040 von 118 800 aus, die obere Variante liegt bei 131 000 Einwohnern. Bei letzterer bliebe die Bevölkerungszahl somit also eher konstant. Im Bonner und Koblenzer Speckgürtel gelegen, und nicht zuletzt durch die clevere Gewerbeansiedlungspolitik der Gemeinde Grafschaft, ist Wachstum entgegen dem Trend in der Tat nicht ausgeschlossen. Jedoch kommt es zu Verschiebungen zugunsten der Städte und zulasten der ländlichen Gemeinden wie beispielsweise in den Verbandsgemeinden Adenau und Altenahr. Profiteure dürften Städte wie Bad Neuenahr, Remagen und Sinzig sein. Städtische Strukturen, ihre Infrastruktur, die ärztliche Versorgung und nicht zuletzt auch das dort in der Regel gebotene kulturelle Leben ziehen die Menschen an.

Herausforderung Alterung der Gesellschaft

Die große Herausforderung des demografischen Wandels bleibt die Alterung der Gesellschaft. Bereits seit 2007 gibt es in Rheinland-Pfalz mehr Menschen, die 65 Jahre und älter sind, als jüngere Menschen unter 20 Jahren. Schon bald erreichen die ersten Babyboomer – der Geburtsjahrgang 1954 – die Altersgrenze zwischen dem Berufsleben und dem Ruhestand.

Ab 2020 werden Jahr für Jahr stärker besetzte Geburtsjahrgänge aus dem Berufsleben ausscheiden und in die Rente wechseln. „Das belastet den Arbeitsmarkt und möglicherweise die Wirtschaftsleistung und als Folge davon die Einnahmen des Staates. Künftig stehen immer weniger Arbeitskräfte für die Erstellung der Wirtschaftsleistung zur Verfügung“, so das Landesamt in Bad Ems, das von Marcel Hürter (SPD) aus Wassenach geleitet wird.

Ohne einen Ausgleich durch eine steigende Kapitalausstattung und technischen Fortschritt werde die Wirtschaftsleistung schrumpfen. Die umlagefinanzierten sozialen Sicherungssysteme, insbesondere die Renten- und die Pflegeversicherung, würden vor enorme Herausforderungen gestellt, unterstrich die Landesbehörde.

Medianalter lag 2017 bei 46 Jahre

Dabei ist seit vielen Jahren klar: In der gesetzlichen Rentenversicherung müssen immer weniger Beitragszahler immer mehr Rentner finanzieren. Aber auch auf die öffentlichen Haushalte kommen enorme – man kann auch sagen: dramatische – Belastungen zu.

Unter anderem werden die Lasten aus den Pensionen für Beamte im Ruhestand kräftig steigen. Der Höhepunkt dieser Entwicklungen wird etwa 2030 erreicht: Dann überschreiten die Geburtsjahrgänge 1963 und 1964, die in der Bevölkerungspyramide am stärksten besetzt sind, die Altersgrenze. Die letzten Babyboomer, die Menschen des Geburtsjahrgangs 1967, wechseln 2034 in den Ruhestand.

Das Medianalter der Bevölkerung lag 1970 in Rheinland-Pfalz bei 33 Jahren und erhöhte sich bis 2017 bereits auf 46 Jahre. Der Bevölkerungsanteil älterer Menschen über 65 Jahre belief sich 1970 auf 13 Prozent und stieg bis 2017 auf 22 Prozent. Der Anteil der jüngeren Menschen unter 20 Jahren sank in dieser Zeit von 32 auf 18 Prozent.

Der Anteil der Menschen im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 65 Jahren stieg von Anfang der 1970er- bis Anfang der 1990er-Jahre von 55 Prozent auf 63 Prozent und sank danach auf 60 Prozent, geht aus den Tabellen des Landesamtes hervor.

Rückgang der 20- bis 65-Jährigen

Auch in der Entwicklung des Altenquotienten spiegeln sich die fortschreitende Alterung der Gesellschaft und die Belastungen der erwerbstätigen Generation durch den demografischen Wandel. Der Altenquotient setzt die in der Regel nicht mehr erwerbstätigen 65-Jährigen und Älteren ins Verhältnis zur Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 65 Jahren. Dieser Quotient lag 1970 bei 24 und stieg bis heute auf einen Wert von 36, also um 50 Prozent. Das heißt, im Jahr 1970 kamen auf eine Person im Rentenalter vier Personen im erwerbsfähigen Alter, heute sind es nur noch drei.

Die gesellschaftliche Alterung schreitet also kontinuierlich voran, was sich in den nächsten Jahren vor allem durch einen starken Anstieg der Zahl der 65-Jährigen und Älteren und einen kräftigen Rückgang der Zahl der 20- bis 65-Jährigen bemerkbar machen wird.

Landbewohner ziehen in die Städte

Die Regionen in Rheinland-Pfalz sind unterschiedlich vom Bevölkerungsrückgang betroffen. „Das ist die zweite große Herausforderung des demografischen Wandels“, so Landesamt-Präsident Hürter in seinem Bericht. Generell ist danach zu beobachten, dass die ländlich geprägten Regionen bereits seit längerem Einwohner an die hochverdichteten Räume verlieren, und zwar vor allem jüngere. Lediglich durch den starken Zuzug von Ausländern in den Jahren 2014 bis 2016 wurde der Bevölkerungsrückgang in den ländlichen Räumen abgebremst. Auch hinsichtlich der demografischen Alterung zeigen sich Unterschiede zwischen den Raumstrukturtypen. Gemessen am Altenquotienten ist die Alterung in den ländlichen Räumen bereits stärker voran geschritten als in den Städten.

In den ländlichen Räumen kommen bereits heute auf 100 Menschen im erwerbsfähigen Alter 38 ältere Menschen, die in der Regel nicht mehr erwerbstätig sind. In den verdichteten Räumen sind es 36 und in den hochverdichteten Räumen sogar nur 33 Menschen. Ursache dafür ist, dass seit vielen Jahren vor allem jüngere Menschen zwischen 18 und 30 Jahren die ländlichen Räume verlassen und in Städte ziehen.

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