Keine kostenlosen Souvenirs: Hoteliers aus der Region ärgern sich über Diebe

Keine kostenlosen Souvenirs : Hoteliers aus der Region ärgern sich über Diebe

Regelmäßig lassen Gäste Saunatücher, Hausschuhe, Shampoo und mehr mitgehen. Bad Neuenahrer Hoteliers berichten von dieser unschönen Erfahrung. Aber vor allem Kreditkarten- und Reservierungsbetrügereien machen ihnen zunehmend Sorgen.

Bad Neuenahr-Ahrweiler ist in Rheinland-Pfalz die Stadt mit den zweithöchsten Übernachtungszahlen. Rund 800.000 Gäste sind es im Jahr, die vorübergehend ihre Zelte in der Kreisstadt aufschlagen. Geschätzte 40 Prozent von ihnen kommen wegen der Kliniken hierher, etwa 60 Prozent als Tagungsgast oder Tourist, um sich weiterzubilden oder die Ahr-Landschaft zu genießen. Nicht jeder Hotelgast verhält sich allerdings vorbildlich.

Shampoo, Bademantel oder Kugelschreiber: Beinahe jeder Hotelgast hat wohl schon einmal etwas „mitgehen“ lassen. „Doch bei den Gegenständen im Hotelzimmer handelt es sich nicht um kostenlose Souvenirs – im Gegenteil: Wer sie aus dem Zimmer entfernt, macht sich strafbar“, sagt der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga).

Mit einem verblüffenden Selbstverständnis packen Urlauber Duschhaube, Seife und Shampoo aus dem Hotelbadezimmer ein, bevor sie sich wieder auf den Heimweg machen. Hygieneartikel sind quasi der Renner und werden vielfach als „Mitbringsel“ gesehen. Aber: Schon die angebrochene Shampooflasche aus dem Hotel mitzunehmen, ist eigentlich nichts anderes als Diebstahl, so der Dehoga. Befolgt man also den Hotel-Knigge, so lässt man das „Souvenir“ besser stehen. Experten der Allgemeinen Rechtsschutz-Versicherungs-AG (ARAG) kommen allerdings zu einer anderen Wertung: Alles, was an Einwegartikeln angebrochen wurde oder aus hygienischen Gründen nicht wiederverwendet werden kann, dürfe mitgenommen werden.

„Die Gäste sind im Allgemeinen sehr ehrlich“, unterstreicht der Chef des Hotels Weyer, Engelbert Felk. Die Zeiten, wo Bademäntel aus dem Hotel-Fundus verschinden würden, seien wohl vorbei. Dafür haben sich einige Gäste jedoch auf Saunatücher spezialisiert. Felk hat da eine Vermutung: „Wegen ihrer Überlänge von zwei Metern sind sie begehrt. Hier können wir jedes Jahr komplett neu ausstatten. Und die sind nach einem Jahr dann auch wieder alle weg.“

Der Bad Neuenahrer Hotelier will daher nun eine kleine Änderung herbeiführen. Der Gast erhält nur noch gegen Kaution ein Saunatuch für seinen Aufenthalt. Felk: „Ist wieder mal mehr Aufwand für uns, aber anders ist es nicht mehr zu regeln.“ Ahnden könne man solche Regelverstöße eigentlich nicht, da sie schwer zu beweisen seien. „Wenn doch, erhält der Gast Hausverbot. Aufgrund der eher geringen Beträge lohnt eine Anzeige nicht. Wir werfen gutes Geld keinem Schlechten hinterher“, sagt der Hotelbesitzer.

Gesamte Zimmerausstattung ist Besitz des Hotels

Grundsätzlich gilt: Die gesamte Zimmerausstattung ist Besitz des Hotels. Heißt: Der Gast darf gar nichts mitnehmen. Für das Einstecken von Pantoffeln, Duschhauben oder Hygieneartikeln müssen Gäste wegen Geringfügigkeit allerdings nur in seltenen Fällen mit einer Anzeige rechnen. Der Dehoga-Rat: Der Gast solle an der Rezeption fragen, wenn ihm eine Annehmlichkeit des Hotels so gut gefallen hat, dass er diese mitnehmen möchte. „In der Regel geben die Hotels diese Gegenstände dann kostenlos oder zu einem kleinen Preis mit“, so der Verband.

Auf nur wenig Verständnis darf man hingegen hoffen, wenn man als Gast Bademäntel, Pflanzen, Bettwäsche oder Fernbedienungen mitgehen lässt. „Jeder Gast muss wissen, dass ein Diebstahl juristische Folgen haben kann“, stellt der Verband klar. Die Dehoga-Erfahrung: „Gestohlen wurde wohl schon so ziemlich alles, von duftenden Seifen, exklusiven Shampoos, bequemen Hausschuhen, über Kissen und Bettwäsche bis hin zum Toilettensitz und Fernseher, Lampen und Pflanzen, Wandgemälden oder Glühbirnen.“

Davon kann auch Engelbert Felk ein Liedchen singen: „Wir hatten einen Gast mit einem deutlich erhöhten Verbrauch an Toilettenpapier. Die Dame hatte weder körperliche Probleme, die damit in Zusammenhang gebracht werden konnten, noch hat sie das Papier zum Abschminken benutzt. Wobei die vornehmen Damen dazu auch gerne unsere weißen Handtücher nehmen, die wir nie wieder sauber bekommen. Nein, die Dame hatte das Toilettenpapier in ihrer Reisetasche. Etwa 30 Rollen nach einer Woche.“ Konsequenz: Rausschmiss und Hausverbot.

Vor 30 Jahren ließ ein Gast gar einen Fernseher mitgehen

Manfred Gangnus, Inhaber des Vier-Sterne-Superior-Hotels „Seta“, kann auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückblicken. Mit der Herausforderung, der ehemaligen Kurklinik Landgraf als Hotel eine neue Perspektive zu geben, wechselte der Hotel-Profi einst von Köln nach Bad Neuenahr. Von 1983 bis 1997 führte er das „Seta“ als Hoteldirektor. Seit 1997 ist er Inhaber, zudem seit Jahren Dehoga-Funktionär auf Bundesebene.

Der Klau im Hotel ist für ihn kein richtiges Thema. Klar, vor 30 Jahren habe ein Gast mal einen Fernseher mitgehen lassen, „sorgfältig in einem großen Eierkarton verpackt“. Servicekräfte, so erinnert sich Gangnus, halfen dem Gast gar eifrig dabei, sein Diebesgut zum Auto zu transportieren – freilich in der Annahme, es handele sich um ein dem Gast gehörendes schweres Gepäckstück. War aber Diebesgut. Ansonsten käme es hin und wieder lediglich vor, dass ein Handtuch verschwinde.

Größere Sorgen bereiten ihm andere Delikte. Beispielsweise der Internet- oder Kreditkartenbetrug. Nicht gedeckte Kreditkarten oder „Reservierungsbetrügereien“, von denen Gangnus dann spricht, wenn der Gast bucht, aber einfach nicht kommt, seien auf einem unangenehmen Vormarsch.

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