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Energiewende in der Region: Heizkosten lassen Familie kalt

Energiewende in der Region : Heizkosten lassen Familie kalt

Der Familienvater aus Thomasberg hat gut lachen: In seinem Passivhaus in Thomasberg gibt es außer einem kleinen Holzofen keine Heizung, dennoch ist es dank einer besonders guten Dämmung überall angenehm temperiert.

Schön war es draußen am Wochenende, aber kalt - Einstimmung auf den bevorstehenden Winter. Gut, wer's drinnen mollig warm hat. Doch beginnt es den Verbraucher schnell zu frösteln, denkt er an die Heizkosten. Und die klettern stetig in die Höhe.

Wolfram Reiser kann sich trotz solcher Meldungen entspannt zurück lehnen: "Ich freue mich immer, wenn die Heizkosten steigen." Der Familienvater aus Thomasberg hat gut lachen: In seinem Passivhaus in Thomasberg gibt es außer einem kleinen Holzofen keine Heizung, dennoch ist es dank einer besonders guten Dämmung überall angenehm temperiert. Der Wärmebedarf wird aus passiven Quellen gedeckt, zum Beispiel durch Sonneneinstrahlung und Abwärme von Personen und Geräten.

Auch die Bewohner der Wohnungen im ehemaligen Hotel Bellevue in Rhöndorf lassen die Preise für fossile Energieträger wie Gas und Öl kalt: Der komplette Gebäudekomplex wird mittels Wärmepumpe beheizt. Der General-Anzeiger hat beide Wege, Energie und damit Heizkosten zu sparen, bereits vorgestellt. Am Samstag hatte nun jedermann Gelegenheit, sich bei einem Tag der offenen Tür vor Ort zu informieren - und das Interesse war groß.

"Die Ersten standen pünktlich um 14 Uhr vor der Tür", berichtet René Hoppenstock, Bauleiter der Firma Dobelke, die in Rhöndorf die Wärmepumpenheizung eingebaut hat. "Das Interesse an der Wärmepumpe wächst von Jahr zu Jahr." Der Fachmann erinnert sich noch an die erste Messe, bei der das neue Heizsystem vor Jahren präsentiert wurde: "Da hat man uns noch komisch angeschaut."

Die Wärmepumpe entzieht mittels eines Wärmeaustauschsystems der Umwelt Wärme. Dies kann die Luft sein, das Erdreich oder aber, wie beim Objekt in Rhöndorf, das Grundwasser. Eine Technik, die sich viele Besucher von Hoppen-stock genauer erläutern ließen. Wer beim Anblick der großen Apparaturen erst mal einen Schreck bekam, konnte beruhigt werden: Die Wärmepumpe fürs Eigenheim nimmt nicht mehr Platz weg als ein großer Kühlschrank.

Eine zukunftssichere Investition, findet der Fachmann, auch wenn ein Wärmeerzeuger dieser Art in der Anschaffung etwa dreimal so teuer ist wie eine Gasanlage. "Doch kann sich die Investition bereits nach sechs Jahren amortisieren." Ein Rechenexempel, das sich nicht nur junge Bauwillige durch den Kopf gehen lassen. "Es waren heute viele ältere Herrschaften hier, die ihre alten Heizungsanlagen modernisieren und dem Gebäude damit zu einer deutlichen Wertsteigerung verhelfen wollen."

Neugier ließ auch viele Besucher einen Blick in das leuchtend rote Passivhaus von Familie Reiser an der Dollendorfer Straße in Thomasberg werfen. Wolfram Reiser braucht nicht lange zu rechnen, welche Energiekosten sein insgesamt 200 Quadratmeter großes Eigenheim verschlingt: 3 500 Kilowatt-Stunden Strom im Jahr, hinzu kommen rund drei Kubikmeter Brennholz. Die hauseigene Photovoltaikanlage auf dem Dach erzeugt 3 000 Kilowattstunden Energie im Jahr, die ins öffentliche Stromnetz eingespeist werden. "Und Warmwasser gibt es über eine Solaranlage", ergänzt der Familienvater.

Im Wohnzimmer der Reisers ist es mit gut 22 Grad wohlig warm - ganz ohne Heizung. Offene Fenster gibt es nicht, für frische Luft sorgt ein ausgeklügeltes Belüftungssystem. Selbst die Abluft des Wäschetrockners wird über einen Wärmetauscher zum Heizen des Passivhauses genutzt.