Kennzeichen SU: Gymnasien im Rhein-Sieg-Kreis kehren zu G 9 zurück

Kennzeichen SU : Gymnasien im Rhein-Sieg-Kreis kehren zu G 9 zurück

G 8 oder G 9? Diese Frage beschäftigte Politiker, Schulen und Eltern nicht nur in Nordrhein-Westfalen jahrelang. Nach einem Beschluss der schwarz-gelben Landesregierung sollen die Gymnasien ab diesem Schuljahr zu G 9 zurückkehren, wenn sie sich nicht aktiv dafür aussprechen, G 8 beizubehalten.

G 8 oder G 9? Diese Frage beschäftigte Politiker, Schulen und Eltern nicht nur in Nordrhein-Westfalen jahrelang. Zwar wurde G 8 in NRW 2008 als einzige Option an Gymnasien eingeführt, etablieren konnte sich der Abschluss nach acht Jahren an der weiterführenden Schule aber nicht. Nach einem Beschluss der schwarz-gelben Landesregierung sollen die Gymnasien ab diesem Schuljahr zu G 9 zurückkehren, wenn sie sich nicht aktiv dafür aussprechen, G 8 beizubehalten. Wie die Pressestelle des Regierungsbezirks Köln auf Anfrage bestätigt, haben sich alle Schulen im Bezirk für die Rückkehr entschieden.

Wie zufrieden sind die Schulen im Rhein-Sieg-Kreis mit der Umstellung gut sechs Wochen nach den Sommerferien? "Wir sind mit dem Beginn des neuen Schuljahres und den ersten Erfahrungen mit G 9 sehr zufrieden", sagte Sebastian Kaas, Schulleiter des Städtischen Anno-Gymnasiums in Siegburg, dem GA auf Anfrage. Seine Amtskollegin vom Gymnasium am Oelberg (GaO) in Königswinter, Sonja Friedrich, sah das ähnlich: "Die Umstellung verlief problemlos und positiv, soweit dies bis zu diesem Zeitpunkt beurteilbar ist."

Viele Gründe sprachen für Rückkehr zu G 9

"Bis jetzt funktioniert die Umstellung einwandfrei", sagte Karl Kühling, Schulleiter des Gymnasiums der Ursulinenschule in Bornheim-Hersel. Alles sei nun ein wenig entspannter, was ja auch das Ziel der Umstellung gewesen sei. "Da auch die neuen Schulbücher in letzter Minute fertiggestellt wurden, läuft alles in normalen Bahnen", bestätigte auch Stefan Schwarzer, Schulleiter am Städtischen Gymnasium Rheinbach.

Die Schüler würden von der Umstellung profitieren, weil es im Durchschnitt zwei Wochenstunden weniger pro Jahrgang und dadurch weniger Nachmittagsunterricht gebe, erklärte Schwarzer. "Die Lehrkräfte sind durch die Umstellung allerdings stark belastet, weil in allen Fächern neue schulinterne Curricula ausgearbeitet werden müssen", ergänzte er. Dabei seien die Schulen im Vergleich zur Einführung von G 8 allerdings im Vorteil, meinte Kühling von der Ursulinenschule. Denn die Kernlehrpläne der Landesregierung, an denen sich die Lehrpläne an den einzelnen Schulen orientierten, seien im Sommer dieses Jahres veröffentlicht worden. Nach der Einführung von G 8 habe es teilweise noch Jahre gedauert, bis die Kernlehrpläne vorhanden waren, erinnerte sich Kühling.

Alle befragten Gymnasien hatten frühzeitig mit den Vorbereitungen auf die Umstellung begonnen. "Wir haben bereits im letzten Jahr eine Arbeitsgruppe gegründet, die die Stundenverteilung zunächst für die Klassen fünf und sechs ausgearbeitet hat", sagte Schulleiter Schwarzer. Die restlichen Stundentafeln würden in diesem Schuljahr folgen. Das Anno-Gymnasium hatte sich laut Schulleiter Kaas schon vor zwei Jahren entschieden, zu G 9 zurückzukehren und dazu damals eine Steuerungsgruppe und eine "Arbeitsgruppe G 9" gegründet.

Das Gymnasium am Oelberg kehrte mit G 9 auch vom Ganz- zum Halbtag zurück. Doch das Nachmittagsangebot fällt dadurch nicht weg: Der Turn- und Sportverein (TuS) Oberpleis ist neuer Träger der Nachmittagsbetreuung am GaO (der GA berichtete). Angemeldete Kinder haben dort Anspruch auf "Hausaufgabenbetreuung, Sport und Kreativangebote" bis 15.45 Uhr, berichtete Schulleiterin Friedrich.

Zusätzlicher Bedarf bei Räumen und Lehrkräften fällt in den Gymnasien frühestens zum Schuljahr 2026/27 an, "dem ersten Jahr, in dem G 9 vollständig bis in die Jahrgangsstufe 13 aufgewachsen ist und wieder neun Jahrgänge gleichzeitig die Gymnasien besuchen", so Kaas. Am Anno-Gymnasium habe die Schulleitung bei den Einstellungen bereits die kommenden Jahre berücksichtigt. "So wurden etwa Lehrkräfte mit Lehrberechtigungen in sechs Fremdsprachen sowie gezielt für Mathematik und Informatik eingestellt."

Am Gymnasium in Rheinbach sei außerdem die zu geringe Kapazität der Turnhalle ein Problem. "Hier hoffen wir mittelfristig auf einen Neubau", erklärte Schwarzer.

Das Land schrieb vor, zu G 9 zurückzukehren, und die befragten Gymnasien begrüßten die Entscheidung. "Weder Eltern, Schüler noch Lehrer sahen eine Veranlassung dazu, im G 8 zu bleiben", sagte Schwarzer vom Städtischen Gymnasium in Rheinbach. Friedrich: "Die Lehrerkonferenz und die Schulkonferenz, das Gremium aus Eltern, Schülern und Schülerinnen, Lehrern und Lehrerinnen, hat sich mit überaus großer Mehrheit für G 9 ausgesprochen. "Die Eltern haben das mit ganz überwiegender Mehrheit gewollt", betonte auch Kühling von der Ursulinenschule.

Die Argumente für G 9 sind vielfältig. Ein Jahr extra nehme viel Druck von Schülern und Lehrern, war Kaas sich sicher. So bleibe im Unterricht Zeit zum Wiederholen, Vertiefen und zur individuellen Förderung. Außerhalb davon sei ohne den verpflichtenden Nachmittagsunterricht mehr Raum für Familie, Freizeit, Sport und Vereinsleben. Letztlich trage das Jahr auch dazu bei, vor dem Eintritt in Studium oder Beruf die nötige Reife zu erlangen. "Viele Inhalte, die in der Oberstufe behandelt werden, setzen nicht nur kognitive Kompetenzen, sondern auch eigene Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler voraus."

In der Serie "Kennzeichen SU" stellt der General-Anzeiger jeden Montag Menschen und ihre Themen vor - Themen, die für den gesamten Rhein-Sieg-Kreis von Bedeutung sind. Mit seinen fast 600.000 Einwohnern, die auf 19 Städte und Gemeinden auf 1153 Quadratkilometern verteilt sind, ist der Rhein-Sieg-Kreis bevölkerungsmäßig einer der größten Landkreise in Deutschland.

Mehr von GA BONN