Grüner Willi Tempel zeigt Otto Schily an

Grüner Willi Tempel zeigt Otto Schily an

Dernauer Ehepaar setzt sich für den in Togo gefolterten Steve Lokonon ein - Duisburger Ausländerbehörde droht mit Abschiebung

Dernau. Schon ein ganzes Jahr setzen sich Kreistagsmitglied Willi Tempel (Grüne) aus Dernau und seine Frau Doris für den togolesischen asylsuchenden Steve Deo-Gratias Lokonon ein.

Der 29-Jährige, der sich an der Universität in Lomé für ein demokratisches Togo einsetzte und gegen Diktator Eyadema demonstrierte, wurde vom togolesischem Militär inhaftiert, gefoltert und vor der Küste Togos in den Atlantischen Ozean geworfen.

Ein Fischer holte den bewusstlosen Lokonon aus dem Wasser und brachte ihn nach Ghana. Von dort aus gelang ihm die Flucht nach Deutschland. Seit 1999 lebt er in einem Asylbewerberheim am Niederrhein und steht kurz vor seiner Abschiebung. Auch in Deutschland blieb Steve Lokonon in der Opposition politisch aktiv und muss bei einer Rückkehr in sein Heimatland mit erneuten Verfolgungen und Folterungen rechnen. Aber nicht nur dort: Laut amnesty international halten sich eine Reihe von Spitzeln in der bundesdeutschen Asyl- und Exilszene auf.

Den ersten Abschiebetermin nach Ghana Ende November konnte Willi Tempel durch sein Engagement abwenden: "Berichten zufolge liefert Ghana zwangsweise politische Flüchtlinge nach Togo aus, die dort an den Folgen der Misshandlungen und der schlechten Haftbedingungen sterben", so Tempel. Und: "Obwohl den deutschen Behörden die Greueltaten der Regierung in Togo bekannt sind, wird nach wie vor aus Deutschland abgeschoben."

Laut UNO wird Togo als ein "Staat des Terrors" eingestuft. Deutschland hat offiziell seine Entwicklungshilfe eingestellt. Auch Duisburg unterhalte kaum noch Kontakte zum Städtepartner Lomé, so Eckehard Pressler, Vorstandsmitglied des Vereins "Solidarität International" (SI), anlässlich eines Gesprächs zum Thema Togo.

Mehrere Atteste von deutschen Ärzten stufen Steve Lokonon aufgrund seiner traumatischen Erlebnisse als suizidgefährdet ein.

Die Duisburger Ausländerbehörde will ihn dennoch ausweisen. Die Behörden meinen, eine Abschiebung sei zumutbar, da die panische Angst vor einer Rückkehr eine "psychische Erkrankung" sei und trotz Suizidgefahr mit Medikamenten in den Griff zu bekommen sei. Willi Tempel spricht in diesem Zusammenhang von der "skandalösen Stadt Duisburg, die sich offensichtlich willkürlich gegen einen wehrlosen Menschen verhalte."

Ständig neue Forderungen nach Attesten, die unverhältnismäßig und willkürlich seien, haben den Gesundheitszustand von Steve Lokonon verschlechtert, beschwert sich Willi Tempel und erstattete Anfang Dezember eine Dienstaufsichtsbeschwerde und Strafanzeige gegen die Oberbürgermeisterin der Stadt Duisburg sowie gegen den zuständigen Sachbearbeiter vom Ausländeramt der Stadt Duisburg, gegen Bundesinnenminister Otto Schily und den Leiter des Bundesamtes für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge.

Mit einem Brief an Außenminister Joschka Fischer hofft Tempel endlich die gebührende Aufmerksamkeit zu bekommen: "Eine Behörde versteckt sich hinter der anderen. In Deutschland werden von Folter und Tod bedrohte Menschen verfolgt, anstatt dass ihnen der gesetzlich verbriefte Schutz zukommt."