Wahl: Grüne zweitstärkste Fraktion im Ahrweiler Kreistag

Wahl : Grüne zweitstärkste Fraktion im Ahrweiler Kreistag

Mit klimapolitischem Rückenwind sind die Grünen zur zweitstärksten Fraktion im Ahrweiler Kreistag avanciert. Die CDU verlor vier Mandate im Kreisparlament, die SPD muss zwei Sitze abgeben.

Zwei große Verlierer, fünf Gewinner, darunter ein strahlender Sieger im Gesamtklassement: Die Kreistagswahlen haben so manche Überraschungen erbracht. Während die Christdemokraten an Rhein und Ahr empfindliche Einbußen hinnehmen müssen, freuen sich die Grünen über satte Zugewinne. Wenn auch nicht ganz so schlimm wie im Bundestrend, ist die SPD auch im Kreis Ahrweiler mit einem Minus von rund vier Punkten gewaltig unter die Räder gekommen und verliert zwei Sitze. FWG, FDP, AfD und Linke haben indes beim Wähler Pluspunkte sammeln können, während CDU und SPD mehr als nur ein blaues Auge geschlagen bekamen.

Dass die Union (35,6 Prozent) zehn Prozentpunkte verloren hat, dürfte kaum auf ein regionales Eigenverschulden zurückzuführen sein. Vielmehr lag die Partei mit hohem Stammwählerpotenzial in den vergangenen Jahrzehnten stabil bei 45 Prozent „plus x“. Auch die SPD bildete im Kreis jahrelang eine Konstante – wenn auch im 20-Prozent-Bereich. Die stabile Lage der vermeintlich Großen hat nun ein jähes Ende gefunden. Die Volksparteien, wenn sie es denn überhaupt noch sind, haben im Kreis Ahrweiler bittere Niederlagen einstecken müssen.

Am Wahlkampf wird es nicht gelegen haben. Der wurde auf beiden Seiten mit großem Engagement geführt. Nicht nur das: Gerade im Kreis Ahrweiler waren es auch CDU und SPD, die auf „grüne“ Themen gesetzt haben: Ob verbesserter ÖPNV, Elektrifizierung der Ahrtalbahn, Schaffung von artenreichen Wiesen oder Rettungsaktionen für die Bienen, Beschlüsse, den Stromverbrauch im Kreis Ahrweiler bis zum Jahr 2030 bilanziell zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu decken, energetische Sanierungen sämtlicher Kreisschulen – belohnt haben die Wähler die Bemühungen von CDU und SPD nicht. Lieber wurde das „Öko-Original“ gewählt.

„Ich bin tief enttäuscht“, meinte ein sichtlich betroffener CDU-Kreistagsfraktionsvorsitzender Karl-Heinz Sundheimer. Er habe gehofft, die „gute Arbeit der Vergangenheit wird honoriert“. Stattdessen gab es den Verlust von vier Sitzen.

Die Grünen haben ihre Prozentzahlen nahezu verdoppeln können und ziehen nun mit neun Mandatsträgern in den neuen Kreistag ein. Von 10,3 Prozent im Jahr 2014 war die Öko-Partei am Sonntag auf 18,3 Prozent gekommen. Bislang stellten die Grünen fünf Kreistagsmitglieder. Ähnlich wie 2011, als die Fukushima-Katastrophe die Grünen bei der damaligen Landtagswahl pushte, blies ihnen diesmal der allgemeine klimapolitische Wind kräftig in den Rücken.

Gestärkt aus den Kreistagswahlen hervor geht auch die FDP, die noch vor fünf Jahren böse abgestürzt war und 2014 auf nur 4,6 Prozent kam. Diesmal sind es 7,3 Prozent, was mit drei Kreistagssitzen einhergeht. Kein Wunder, dass FDP-Kreisvorsitzender Ulrich van Bebber nach eigenem Bekunden „äußerst entspannt“ war: „Für uns ist ein solides und nachhaltiges Wachstum wichtig. Wir haben auf Kreisebene das zweitbeste Ergebnis der letzten 50 Jahre erzielt.“

Zuwachs gab es auch für die FWG, die von 11,6 Prozent in 2014 auf nunmehr 13,4 Prozent geklettert ist, wobei die Gruppierung eine starke Hochburg vor allem im Brohltal hat. Sechs Sitze entfallen nun auf die FWG.

Die Linke verbesserte sich von zwei auf 3,1 Prozent, was keine Steigerung der Mandate mit sich bringt, die AfD von 5,6 auf 7,2 Prozent. Als sie vor fünf Jahren erstmals in den Kreistag einzogen, gab es flott innerparteiliche Turbulenzen. Die AfD-Kreistagsmitglieder firmierten sich in „Allianz für Ahrweiler“ um. Zur Kehrtwende kam es dann im Sommer 2018: Man schloss sich wieder der AfD an. Geschadet hat es der Partei nicht: Die 7,2 Prozent sorgen für drei Sitze im Ahrweiler Kreistag, der über 46 Sitze verfügt.

Rund 104.700 Wahlberechtigte waren im Kreis zum Urnengang aufgefordert. Mit einer Wahlbeteiligung von 63,1 Prozent wurde das Ergebnis von 2014 verbessert: Damals machten nur 56,7 Prozent von ihrem Wahlrecht gebrauch.