Grafschafter erstellt Statistiken für US-Präsidentschaftskandidat Obama

Grafschafter erstellt Statistiken für US-Präsidentschaftskandidat Obama

16-jähriger Florian Schneider, Schüler am Gymnasium Calvarienberg, ist derzeit Wahlhelfer in den USA

Seit zwei Monaten lebt Florian Schneider jenseits des Atlantiks. Im Rahmen des Parlamentarischen Austauschprogramms ist der 16-jährige Schüler des Gymnasiums Calvarienberg für ein Jahr in den USA. Jetzt hat er sich entschieden, als Wahlhelfer den Präsidentschaftskandidaten Barack Obama zu unterstützen. In einem Gastartikel für den General-Anzeiger schildert der Grafschafter seine persönlichen Eindrücke.

Ohio/Grafschaft. Zwei Monate nachdem ich hier in Amerika im Bundesstaat Ohio angekommen bin, habe ich begonnen, als freiwilliger Wahlhelfer für US-Präsidentschaftskandidat Senator Barack Obama zu arbeiten.

Die Kampagnen hier in den Vereinigten Staaten von Amerika unterscheiden sich grundlegend vom deutschen Wahlkampf: Nicht nur dass die Präsidentschaftswahl in den USA - anders als in Deutschland - die wichtigsten Wahlen für die Bürger sind. Sondern auch wie die Kandidaten, Republikaner John McCain und Demokrat Barack Obama, versuchen, die Aufmerksamkeit der Bevölkerung und deren Stimmen bei der Wahl am 4. November 2008 zu gewinnen.

Abgesehen von den Fernsehduellen gehen die beiden Kandidaten meiner Meinung nach sehr respektlos miteinander um. Sie greifen sich nicht nur auf sachlicher Ebene, sondern auch persönlich sehr stark an.

Mit meiner Gastfamilie bin ich oft ins Gespräch gekommen. Am meisten überrascht hat mich die Unentschlossenheit meiner Gastmutter. Fast täglich hat sie ihre Meinung über die Kandidaten geändert, nachdem in den Medien neue Thesen über diese aufgetreten sind.

Die beiden politischen Lager versuchen durch beleglose Thesen über die beiden Spitzenkandidaten sowie deren "Running Mates", die Vizepräsidentschaftsanwärter Senator Joe Biden und Gouverneurin Sarah Palin, der gegnerischen Partei Stimmen abzugewinnen. Barack Obama wird auf Grund seiner Herkunft unterstellt, Verbindungen zur Terrororganisation El Kaida zu haben.

Es wird in Frage gestellt, woher er die immensen Geldmengen hat, um seinen Wahlkampf zu finanzieren. Auf der anderen Seite wird Sarah Palin beschuldigt, ihr Amt als Gouverneur von Alaska missbraucht zu haben. Schuld dafür ist die vermeintlich grundlose Entlassung eines Polizeibeamten durch angebliche "Rachsucht" der 44-Jährigen.

Auch unter den Jugendlichen an meiner High School ist der Wahlkampf ein großes Thema. Auch wenn die Schüler selber noch nicht zur Wahlurne gehen dürfen, ist das Interesse am zukünftigen Staatsoberhaupt und Regierungschef doch sehr bedeutend. Im Gegensatz zu Deutschland - soweit ich das als Schüler persönlich beurteilen kann - ist das allgemeine Interesse und Politik und Geschichte hier in den USA sehr viel größer.

Auch wenn die Lehrer ihre politische Meinung nicht öffentlich vor den Schülern vertreten dürfen, so ist doch das allgemeine Gespräch in den Klassenräumen sehr von der Wahl geprägt. Regelmäßig werden Meinungsumfragen mit uns Schülern gemacht und über die Wahlkampfthemen der beiden Kandidaten debattiert.

Durch Kontakte meiner Gastfamilie habe ich den Wahlkampfleiter der "Obama-Campaign" kennengelernt und bin durch ihn zu meiner Aufgabe als Wahlhelfer gekommen. Bereits in Deutschland habe ich daran gedacht, in dieser Richtung aktiv zu werden, auch weil ich im Rahmen meines Stipendiums ein soziales Projekt durchführen wollte. Damals konnte ich mir unter dem Begriff Wahlhelfer allerdings nicht sehr viel vorstellen.

Meine Erwartungen an die Aufgabe unterschieden sich komplett von dem, was letzten Endes auf mich zukam. Ich ging davon aus, nicht einen bestimmten Kandidaten im Wahlkampf zu unterstützen, sondern bei der Durchführung der Wahlen am Wahltag zu helfen.

Meine Aufgabe als Wahlhelfer besteht hauptsächlich darin, bei registrierten Wählern anzurufen und sie über ihre politische Einstellung und ihr Interesse an bestimmten Wahlkampfthemen zu befragen. Dann gebe ich die Daten in ein Computersystem ein. Dadurch werden ausführliche Statistiken und Profile der Bürger angelegt, die den Ausgang der Wahl prognostizieren.

So wird den Kandidaten die Gelegenheit gegeben, auf spezielle Themen intensiver einzugehen. Allein aus Datenschutzgründen wäre es in Deutschland unmöglich, solche umfangreichen Karteien anzulegen. Neben den politischen Einstellungen werden auch viele andere persönliche Daten gespeichert.

Alles in allem gewinnt der US-Präsidentschaftswahlkampf durch die Mentalität der Menschen hier eine ganz andere Bedeutung als in der Bundesrepublik. Und egal wie es am 4. November ausgeht - eine Sache steht fest: Dieser Wahlkampf unterscheidet sich von allen anderen in der amerikanischen Geschichte. Entweder wird ein Schwarzer der mächtigste Mann der Welt. Oder eine Frau wird Vizepräsidentin.

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