Stadtwerke für vier Kommunen: Grafschaft, Remagen, Bad Breisig und Burgbrohl ziehen beim Strom an einem Strang

Stadtwerke für vier Kommunen : Grafschaft, Remagen, Bad Breisig und Burgbrohl ziehen beim Strom an einem Strang

Die Botschaft aus dem Grafschafter Rathaus werden die Ahrtal-Werke in Bad Neuenahr-Ahrweiler nicht gerne hören. Sie bekommen Konkurrenz.

Denn die Grafschaft arbeit mit der Stadt Remagen sowie der Verbandsgemeinde Bad Breisig mit Ausnahme der Ortsgemeinde Waldorf sowie mit Burgbrohl aus der Verbandsgemeinde Brohltal an der Gründung eigener, gemeinsamer Stadtwerke. Die Fäden für die Vorbereitung laufen im Ringener Rathaus bei Bürgermeister Achim Juchem zusammen.

Hintergrund des Ganzen: Der Stromkonzessionsvertrag mit den RWE ist Ende 2010 ausgelaufen. Bis Ende 2011 wurde automatisch verlängert. Doch für dieses Jahr gibt eine Interimslösung, die besagt, dass die RWE bis November für das Stromnetz in den genannten Kommunen zuständig ist. Die Konzessionsabgabe der RWE an die Gemeinden betrug bislang rund 1,8 Millionen Euro pro Jahr.

"Da ist durch eigene Stadtwerke mehr drin", sagt Achim Juchem, der die Verhandlungen für seine Bürgermeisterkollegen führt. Dabei wollen die vereinten Kommunen nicht nur das Stromnetz kaufen, was sich in 20 Jahren amortisiere, und bisher nicht vorhandenes Know-how in Sachen Strom sammeln.

"Wir wollen den Strom auch verkaufen", sagte Juchen, der die Koordination nach dem Absprung der Verbandsgemeinde Adenau und Altenahr übernommen hat und sieht die neuen Stadtwerke als ein interessantes Gegenstück zu den Ahrtal-Werken. Doch noch muss verhandelt werden.

Denn Ziel ist es, einen 49-Prozent-Partner zu finden. Denn das Sagen wollen sich die Kommunen mit 51 Prozent der Anteile nicht nehmen lassen. Ein Konstrukt, das auch auf die Ahrtal-Werke in Bad Neuenahr-Ahrweiler zutrifft.

"Vier Bewerber gibt es für die Position des Betreibers", erklärt Juchem auch für seine Kollegen: die RWE, die Stadtwerke Schwäbisch Hall, die Stadtwerke Bonn und die Energieversorgung Mittelrhein (EVM).

Zwei Mögliche Formen der Zusammenarbeit würden dabei zurzeit geprüft: 1. Der private Betreiber wird Betriebsführer, betreibt das Netz und stellt die Kosten in Rechnung. 2. Der private Betreiber pachtet von den Stadtwerken das Netz und betreibt es auf eigene Rechnung. Letztere Variante birgt laut Juchem weniger Risiko, bedinge aber auch weniger Einfluss. Da sei noch keine Entscheidung gefallen.

Achim Juchems Fahrplan hingegen steht schon. Bis zu den Sommerferien soll ein gemeinsamer Vorschlag stehen. Danach seien Info-Veranstaltungen für die Räte vorgesehen, als Basis für die Entscheidung der Politik. Gebe diese dann grünes Licht, könnte es im Herbst zum Vertragsabschluss kommen. Wichtig für Juchem: "Die Bürger sollen in den Rathäusern die Möglichkeit haben, ihre Stromangelegenheiten zu klären." Offen ist, welchen Namen das Kind bekommt. "RheinGraf-Werke" hat noch keine Freunde gefunden.