Heiligabend in Ahrweiler: Gottesdienst für Christen und Muslime

Heiligabend in Ahrweiler : Gottesdienst für Christen und Muslime

In Sankt Laurentius fand an Heiligabend eine Feier für Muslime und Christen statt Sollte der Wunsch vom "Frieden auf Erden" einmal in Erfüllung gehen, so kann dies nur gemeinsam gelingen. Das war auch der Ansatz zu einer bislang selten erlebten Feier, nämlich einem Gottesdienst für Christen und Muslime, gemeinsam gestaltet von Vertretern beider Religionen.

Eine Idee, die in Sankt Laurentius in Ahrweiler geboren wurde. Hier beherbergt Pfarrer Jörg Meyrer derzeit drei syrische Flüchtlinge im Pfarrhaus, allesamt Muslime. "Aus Fremden sind dabei längst Freunde geworden", hatte Meyrer erst kürzlich beim Hutenfest der Ahrhutgemeinschaft betont. Was lag da näher, als die neuen Freunde auch in die Planungen der Gestaltung der Weihnachtsfeiern einzubeziehen? So plante ein Team von Ehrenamtlichen eine gemeinsame Feier in Sankt Laurentius.

Eingeladen wurde, wer "Weihnachten einmal anders" feiern wollte. Dazu zählte auch die schriftliche Einladung an die Flüchtlinge, die derzeit in der AKNZ nahe Ahrweiler untergebracht sind, diese war in sechs Sprachen verfasst worden.

Die große Resonanz am Heiligabend überraschte Pastor Meyrer und seine ehrenamtlichen Mitstreiter. Rund 200 Menschen waren der Einladung gefolgt, unter ihnen auch rund drei Dutzend Flüchtlinge, die meisten aus Syrien, einige aus Bahrain. "Bewegt und bewegend" solle die Feier werden, so Meyrer bei seinen Begrüßungsworten, wobei sich die Teilnehmer zunächst vor der Kirche versammelten, um gemeinsam mit einer brennenden Kerze in der Hand in das Gotteshaus einzuziehen.

Sowohl inhaltlich als auch zeitlich sollte die Feier zwischen Kinderkrippenspiel und Christmette angesiedelt werden, so die Planungen. Und so konzentrierte sich das Geschehen an diesem Weihnachtsgottesdienst auch nicht auf den Altar der Kirche, vielmehr wurden verschiedene Stationen in der Laurentiuskirche angesteuert. Wer wollte, konnte mit umherziehen oder sich auf den Bänken der Kirche niederlassen. Betont wurden dabei auch die Unterschiede zwischen den Religionen, aber auch die Gemeinsamkeiten. So bedeutet Weihnachten nicht nur für Christen ein besonderes Fest, an diesen Tagen feiern die Muslime in aller Welt die Geburt des Propheten Mohammed.

Während Pastor Meyrer betonte, auch Jesus sei auf der Flucht gewesen, die ihn unter anderem nach Ägypten geführt habe, waren auch Gebete in syrischer Sprache zu hören. Diese sprach Sherro Khalil. Der 27-jährige ist einer der drei jungen Männer, die im Pfarrhaus in Ahrweiler leben und die sofort bereit waren, bei dem Projekt mitzumachen.

Khalil trug unter anderem ein Friedensgebet aus dem Koran vor. Denn ein Schwerpunkt der Feier war die Botschaft, die von Weihnachten ausgeht: Frieden auf Erden für alle Menschen. Und auch wenn für die muslimischen Flüchtlinge die christlich geprägte Advents- und Weihnachtszeit in Deutschland erst einmal völlig neu ist, so zeigten die, die am Heiligabend nach Ahrweiler gekommen waren, auch ein großes Interesse und Respekt für diese Kultur und ihre Bräuche.