GA-Serie "Rheinische Redensarten": Fraulücks Been wärmb mih wie en Kaar volljlönije Zijjelsteen

GA-Serie "Rheinische Redensarten" : Fraulücks Been wärmb mih wie en Kaar volljlönije Zijjelsteen

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir mit Unterstützung von Dialektsachverständigen bedeutungstiefe Redewendungen.

Der Rheinländer denkt stets praktisch. Und er gilt per se nicht unbedingt als Romantiker. Ein gutes Beispiel dafür ist die Redensart: „E Fraulücks Been wärmb mih wie en Kaar voll jlönije Zijjelsteen.“ Das ist zunächst einmal eine äußerst trockene Formulieren. Übersetzt ins Hochdeutsche bedeutet sie: Das Bein einer Frau wärmt mehr, als eine Schubkarre voll glühender Ziegelsteine.

Der Versuchsaufbau ist an dieser Stelle nicht unbedingt generationsübergreifend nachvollziehbar. Es sind da einige Vorannahmen enthalten, die der Erklärung bedürfen. Das Sprachbild hat sich wohl aus alten Zeiten herübergerettet. Aus so alten Zeiten, als es noch keine Zentralheizung und auch keine Wärmflasche im Portfolio der Wohlfühlgesellschaft gab. Das ist so lange her, dass wir in Zeiten zurückblicken, in denen man noch mit Kohleofen heizte. Und wenn der Winter besonders hart war und die Temperaturen im üblicherweise ungeheizten Schlafzimmer unter Null Grad zu fallen drohten, erhitzte man auf oder im Ofen einen Ziegelstein und legte ihn rechtzeitig vor dem Zubettgehen unters Plümo, so dass man nicht sogleich erstarrte, wenn man in die Federn sprang.

Glaubt man der Redensart, ist Mann auf diese Art der Nestwärmung nicht angewiesen, wenn er eine Frau sein Eigen nennt, deren warmen Beine ja den gleichen Zweck erfüllen.

Dieser Gedankengang ist natürlich heutzutage niemandem mehr vermittelbar. In Zeiten der politischen Korrektheit und der fast vollendeten Emanzipation – na ja, sagen wir: man ist schon ein kleines Stück vorangekommen – darf man eine Frau nicht mehr in dieser Weise als Objekt betrachten und auf einzelne Funktionen reduzieren.

Ganz zu schweigen davon, dass das gedankliche Konstrukt der romantischen Liebe, wie man sie heute bevorzugt, eine ganzheitliche Perspektive auf das Subjekt Frau freigibt. Die sollte den Mann von heute eigentlich vor solchen geschmacklosen Vergleichen bewahren. Aber wenn wir mal die politische Korrektheit außen vor lassen, müssen wir schon feststellen, dass der Urheber der Redewendung schon ein Stück weit Recht hatte, oder?

Haben auch Sie einen rheinischen Lieblingsspruch, dann mailen Sie ihn uns unter rheinisch@ga-bonn.de. Die „Rheinischen Redensarten“ aus der wöchentlichen Kolumnenserie des General-Anzeigers sind als Buch erschienen und im Handel zu haben. Das gedruckte Werk hat die Edition Lempertz verlegt, ISBN: 978-3-96058-211-3, es kostet 9,99 Euro.

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