Frauenzentrum Bad Honnef/Königswinter geht Thema Essstörungen offensiv an

Frauenzentrum Bad Honnef/Königswinter geht Thema Essstörungen offensiv an

Leben hat Gewicht - Für Schulklassen bieten Mitarbeiterinnen sogar pädagogische Führungen an Vormittagen an

Bad Honnef/Königswinter. Spieglein, Spieglein an der Wand. Zwei Spiegel hängen derzeit im Haus Bachem. Und auch Bürgermeister Peter Wirtz stellte sich an seinem Dienstsitz davor. Nun sagte ihm zwar nicht die Königin: "Du bist der Schönste im ganzen Land." Aber er konnte schon selbst die Wirkung erkennen: Der eine Spezialspiegel zeigte ihn ganz schmal, vor dem anderen verzerrte sich die Figur des Stadtchefs in fast unendliche Breite.

"Bei Essgestörten verhält sich das Spiegelbild je nachdem, wie sie sich fühlen und wie viel sie gegessen haben", lautete die Botschaft. Und genau darum geht es in der Ausstellung "Wenn Essen zum Problem wird", die der Verein Frauen für Frauen im Haus Bachem eröffnete.

"Herzlich willkommen in einem Haus, das nicht für Essstörungen bekannt ist, hier finden die geselligen Veranstaltungen statt. Aber hier ist auch Platz für ernstere Angelegenheiten", begrüßte Peter Wirtz die Teilnehmer der Vernissage. "Ich hoffe, dass viele Mädchen und Jungen hierherkommen und sich informieren."

Für Schulklassen bieten die Mitarbeiterinnen des Frauenzentrums sogar pädagogische Führungen an den Vormittagen an. Etliche Schulen haben sich bereits angemeldet. "Gut, dass dieses gesellschaftlich brisante Thema aufgegriffen wird", sagte Königswinters Gleichstellungsbeauftragte Frauke Fischer, "es brodelt. Es ist wichtig, Aufklärungsarbeit zu leisten."

Christine Hütten und Lisa Schulte, die die Schau organisierten, gingen auf Gründe von Essstörungen ein. "Wir sehen Essstörungen als eine komplexe seelische Störung mit psychosomatischen Anteilen und Suchtcharakter an." Bereits seit Gründung des Frauenzentrums vor 22 Jahren wird dort Beratung angeboten.

"Annerose Flunkert hielt das Thema immer am Kochen", lobte Vorstandsmitglied Monika Heyer den Einsatz der Therapeutin. "Immer jünger werden die von Essstörungen betroffenen Mädchen", so Christine Hütten. 50 Prozent der Mädchen unter zwölf fühlen sich zu dick, 25 Prozent von ihnen haben schon eine erste Diät hinter sich und fast ein Viertel von ihnen hat bereits ein auffälliges Essverhalten. Hütten: "Je früher es erkannt wird, umso größer sind die Chancen, dass es nicht chronisch wird."

Die Ausstellung regt zum Nachdenken an, gibt wertvolle Informationen, setzt sich mit gesellschaftlichen Hintergründen auseinander. Gezeigt werden Bilder, die von Betroffenen gemalt wurden. Am Eingang steht die superschlanke Frau als Modell, an Stellwänden werden Magazintitel gezeigt wie "In drei Monaten zur Wunschfigur" oder "Die Ein-Tages-Diät".

Lisa Schulte: "Es bedarf des gesellschaftlichen Umdenkens, vor allem in Hinsicht auf das Schlankheitsdiktat und in Zeiten, in denen ein beliebtes Abi-Geschenk die Schönheitsoperation ist." Laut einer Untersuchung sind 70 Prozent der Frauen deprimiert, wenn sie drei Minuten in einem Schönheitsmagazin geblättert haben.

Aber: "Leben hat Gewicht." Wie ihr eigenes Essverhalten aussieht, das können die Besucher der Ausstellung bei einem "Feldversuch" mit Gummibärchen, Weintrauben und Chips testen. Zur Eröffnung der Schau war aber außerdem noch ein Buffet mit Köstlichkeiten aufgebaut.