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Schäden durch Tiere in Wohngebieten: Forderung nach mehr Jagd auf Wildschweine in der Region

Schäden durch Tiere in Wohngebieten : Forderung nach mehr Jagd auf Wildschweine in der Region

In der Region richten immer mehr Schwarzkittel immer mehr Schäden an. Daher halten Experten eine weitere intensive Bejagung für notwendig.

Milder Winter, genug Futter. Wildschweine vermehren sich derzeit in der Region sehr stark. Der Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen spricht sogar von einem Rekordjahr. Dies hat nicht nur für die Jägerschaft in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis Auswirkungen. Da sich der Schwarzwildbestand ohne starke Winter oder Erkrankungen aber jährlich verdreifacht, nennt Kreisjagdberater Norbert Möhlenbruch die weitere intensive Bejagung „notwendig“. Eine Reduzierung sei nicht nur wegen der Schäden in Flur und Gärten erwünscht, außerdem soll der drohenden Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) der Nährboden entzogen werden.

Dass sich diese Tierseuche, die auch Hausschweine befallen kann, gar nicht erst in Mitteleuropa ausbreitet, ist auch ein dringender Wunsch der Landwirte zwischen Wormersdorf und Windeck. Zwar ist es medizinisch gesehen ausgeschlossen, dass Menschen an der ASP erkranken. Wenn aber das Virus in einen Hauschweinbestand eindringt, muss der gesamte Bestand getötet werden. Das kann in Großmastbetrieben ganze Existenzen vernichten, weiß Christoph Könen, Geschäftsführer der Kreisbauernschaft Bonn/Rhein-Sieg.

Drohende Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest

Bislang, so Könen, sei die Schweinepest, die 2017 über Georgien und Russland ins Baltikum und von dort nach Polen und Tschechien vorgedrungen ist, in Deutschland noch nicht nachgewiesen worden. „Das größte Risiko der Einschleppung von ASP-Viren ist aber der Mensch. Er legt die größten Entfernungen mit dem Virus zurück“, sagt er. Und: Bei der klassischen Schweinepest, die zuletzt 2009 in NRW auftrat, konnte das Virus durch Impfköder wieder verdrängt werden. Bei der ASP, die durch einen komplett anderen Erreger übertragen wird, konnte bisher noch nicht einmal in Ansätzen ein Impfstoff entwickelt werden, weiß der Geschäftsführer der Kreisbauernschaft.

Darum begrüßt es Könen nach eigenem Bekunden sehr, dass die Jägerschaft verstärkte Anstrengungen unternommen hat und unternimmt, um die Wildschweinpopulation zu verringern. „Wir können dies auch für den Rhein-Sieg-Kreis bestätigen“, sagt Könen. Viele Landwirte in der Region stimmten Flächenbewirtschaftung und die Jagd aufeinander ab. „In diesem Zusammenhang bewährt haben sich Bejagungsschneisen im Getreide oder Mais.“ Vielfach werde auch davon abgesehen, Mais bis unmittelbar an den Waldrand anzubauen.

Tiere vermehren sich stark

Durch immer mehr Wildschweine kommt es auch zu immer mehr Schäden durch ganze Rotten an hungrigen Wildtieren. „Menschen, die in der Nähe von Wäldern wohnen, spüren die Vermehrung der Wildschweine immer stärker“, weiß Jagdberater Möhlenbruch. „Als kluge Tiere haben sie nämlich schnell begriffen, dass Gärten und Wohnsiedlungen Schutz und Nahrung bieten.“ In Städten wie Bad Honnef und Sankt Augustin rückten die Wildschweine immer weiter in Wohngebiete vor und könnten selbst am hellichten Tag als Familien mit zahlreichen Frischlingen bewundert werden. In manchen Eitorfer Gärten fühlten sich Wildschweine geradezu zu Hause. „Wirklichen Schutz vor einem Besuch bieten da nur in den Boden eingelassene Zäune“, rät der Experte aus Hennef.

Manchen Garten bezeichnet Lutz Schorn, Vorsitzender der Jägerschaft Bonn, zu der auch der linksrheinische Rhein-Sieg-Kreis gehört, als eine Art „Schnellrestaurant für Wildschweine, das rund um die Uhr geöffnet hat“. Oft seien beispielsweise Komposthaufen so angelegt, dass die hungrigen Allesfresser leichtes Spiel haben, um an die Leckerbissen zu gelangen. Um sich vor Besuchen von Wildschweinrotten zu wappnen, rät Schorn Gartenbesitzern, deren Eigentum in Waldnähe liegt, zur Anschaffung von Stahlmattenzäunen. „Diese sollten aber circa 30 Zentimeter tief in den Boden reichen, sonst wühlen sich die geschickten Schweine untendrunter durch“, weiß Schorn, der in Bonn-Duisdorf ein Hotel mit dem Namen „Zum wilden Schwein“ führt.

Gärten bieten Nahrungsergänzung

Gärten suchten Wildschweine schlicht zur Nahrungsergänzung auf, weiß Schorn. „Durch den großflächigen Anbau von Biomais, Raps und sogenannten Zwischenfrüchten finden sie lange reichhaltige Nahrung und gute Rückzugsmöglichkeiten.“ Nachdem sie sich auf diese Art mit pflanzlichem Eiweiß vollgefressen haben, gelüstet es ihnen anschließend nach tierischem Eiweiß – etwa nach Würmern.

Aber, so betont der Chef von rund 1100 Jägern in Bonn und dem linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis, niemand in der Jägerschaft sei auf einen „Vernichtungsfeldzug“ gegen die Schwarzkittel aus. „Es sind faszinierende und interessante Wildtiere“, findet Schorn. Ins gleiche Horn bläst Kreisjagdberater Norbert Möhlenbruch: „Über allem steht allerdings der Grundsatz, dass Wildschweine keine Schädlinge, sondern bewundernswerte, kluge und mutige Tiere sind.“