1. Region

Sportstätten in Beuel und Duisdorf: Erstmals Flüchtlinge in Bonner Turnhallen

Sportstätten in Beuel und Duisdorf : Erstmals Flüchtlinge in Bonner Turnhallen

Auch in Bonn müssen jetzt erstmals Turnhallen als Notunterkünfte für Flüchtlinge dienen. Weil zurzeit sämtliche Kapazitäten in anderen Gebäuden ausgeschöpft sind, hat der Verwaltungsvorstand der Stadt Bonn am Dienstagmorgen entschieden, drei Turnhallen in Beuel und in Duisdorf herzurichten.

In die Halle der Katholischen Grundschule in Holzlar sollen bereits am Mittwoch die ersten von insgesamt 70 Flüchtlingen Quartier beziehen.

Weitere 90 Personen werden in den nächsten Tagen möglicherweise auch in der Sporthalle der Realschule Beuel untergebracht werden müssen. Vorsorglich hält die Stadt auch die Halle der ehemaligen Gutenbergschule und heutigen städtischen Musikschule der Stadt in Duisdorf am Schieffelingsweg für weitere 70 Flüchtlinge als Unterkunft bereit.

Noch am Vormittag turnten die Kinder der Holzlarer Grundschule in der Halle. Nach Schulschluss rückte die Feuerwehr an, um die Betten für die Flüchtlinge aufzustellen. Um ihnen auch eine gewisse Privatatmosphäre zu ermöglichen, sollen zu einem späteren Zeitpunkt Trennwände aufgestellt werden. Sie waren so schnell nicht zu organisieren, erklärte Stadtsprecherin Monika Hörig.

Mehr als 600 Flüchtlinge in Ermekeilkaserne

Weil die Flüchtlinge im Unterschied zu den bisherigen städtischen Flüchtlingsheimen in den Turnhallen nicht selbst kochen können, hat die Stadt Bonn das Deutsche Rote Kreuz mit dem Betrieb der Einrichtung samt der Verpflegung der Menschen beauftragt. Der Vorsitzende des Kreisverbands Bonn, CDU-Fraktionsgeschäftsführer Georg Fenninger, hat umgehend seine Helfer zusammengetrommelt und ein Team auf die Beine gestellt, das sich um die Flüchtlinge in der Turnhalle in Holzlar kümmert.

"Wir haben auch das Catering und den Sicherheitsdienst bereits organisieren können", zeigte sich Fenninger erleichtert. Schließlich zeichnet sein Kreisverband auch für den Betrieb der Landesunterkunft in der Ermekeilkaserne verantwortlich, wo mehr als 600 Flüchtlinge darauf warten, in eine Kommune in Nordrhein-Westfalen weiterreisen zu dürfen. Ebenso betreut das Bonner DRK seit wenigen Tagen auch Flüchtlinge in einer Unterkunft in Alfter.

"Unsere Kapazitäten sind irgendwann auch erschöpft", sagte Fenninger, "deshalb bin ich froh, dass wir den Betrieb in Holzlar noch so schnell organisieren konnten." Das DRK wird am Donnerstagabend um 20 Uhr im Holzlarer Bierhaus eine Bürgerversammlung durchführen, kündigte Fenninger an.

Durchschnittlich 150 Flüchtlinge pro Woche

"Wir haben mit großer Anstrengung versucht, dafür zu sorgen, dass Flüchtlinge in Bonn nicht in Turnhallen untergebracht werden müssen", sagte Sozialdezernentin Angelika Maria Wahrheit. "Aber die ungebrochen hohe Zahl an Zuweisungen lässt uns keine Wahl mehr." Im Durchschnitt bekommt die Stadt Bonn wöchentlich rund 150 Flüchtlinge zugewiesen. Ein großer Teil von ihnen ist vor allem im Bonner Norden und Westen untergebracht. Die Pläne, einen weiteren Teil der einstigen, bereits als Notunterkunft genutzten Poliklinik für Flüchtlinge herzurichten, seien wegen andauernder Umbauarbeiten noch nicht umsetzbar.

Derzeit leben in städtischen Einrichtungen rund 2700 Flüchtlinge, noch einmal mehr als 1000 Menschen sind in Landesunterkünften einquartiert.