Energietag im Rhein-Sieg-Kreis

Energietag im Rhein-Sieg-Kreis

Wie kann man Strom sparen, was ist ein Passivhaus und wie funktioniert eine Biogasanlage? Darüber konnte man sich am Samstag an 18 Stationen im Rhein-Sieg-Kreis informieren.

Bornheim/Rheinbach. Wie kann man Strom sparen, was ist ein Passivhaus und wie funktioniert eine Biogasanlage? Darüber konnte man sich am Samstag auf dem Energietag der Arbeitsgruppe "Erneuerbare Energien und Energieeffizienz" des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes (ILEK) an 18 Stationen im Rhein-Sieg-Kreis informieren.

Mais rein, Strom raus - das ist die ganz grobe Kurzfassung dessen, womit Alexander Bernartz sein Geld verdient. Und sehr viel komplizierter ist es auch nicht, wenn man von den technischen und biologischen Prozessen absieht, die in seiner Biogasanlage an der L 192 zwischen Bornheim und Wesseling vonstatten gehen. Die zeigte er am Samstag innerhalb des Energietages 2011 interessierten Bürgern.

"Am liebsten nehme ich dafür Mais, weil er am besten zu lagern ist", sagte Bernartz, der eigentlich Landwirt ist, aber die Energieproduktion inzwischen als sein erstes Standbein ansieht. "Ich ernte ihn einmal im Jahr, und er ist bis zu zwei Jahre haltbar." Mais sei zwar nicht so energiereich wie zum Beispiel Getreide, ergebe aber einen viel größeren Hektar-Ertrag bei der Ernte.

"Und die Züchtungen gehen immer mehr in Richtung eines noch energiereicheren Produktes." Der zerkleinerte Mais, der im Umkreis von 15 Kilometern angebaut wird, wird einsiliert, also in Bunkern eingelagert, und von dort aus geht alles automatisch: Die Masse wird in einen Behälter gepumpt, in dem konstant 40 Grad Celsius herrschen, die Idealtemperatur für die Bakterien darin.

Sie verwerten die Masse und produzieren dabei Methan, das aufgefangen und in ein Blockheizkraftwerk weitergeleitet wird. Dort wird es verbrannt, heraus kommen 40 Prozent Strom und 60 Prozent Wärme, die bislang allerdings ungenutzt bleibt. Die Überreste aus dem Behälter kommen als Dünger zurück auf die Felder.

Ein zweites dieser Kraftwerke hat er im August auf dem Gelände der benachbarten Konrad-Adenauer-Stiftung in Betrieb genommen, die auf diese Weise Strom erhält. "Ich könnte bis zu 1 300 Haushalte in der Umgebung mit Strom versorgen", so Bernartz.

Die 60 Prozent Wärme würde Stefan Dentzer nicht ungenutzt lassen. Er baut seit Mai 2010 in Rheinbach, Bei den Birken, ein Haus ohne traditionelle Heizung. Dieses Plusenergiehaus besteht überdies, abgesehen vom Fundament, komplett aus Holz - ein nachwachsender Rohstoff und günstiger in der Verarbeitung.

Die Holzmassivplatten bezieht er aus der Steiermark, das Dämmmaterial aus Zellulose kauft er bei Holzhändlern in der Umgebung. "Umweltschonender kann man nicht bauen", sagte er am Samstag.

Die Hauswände sind 53 Zentimeter dick, das Holz getrocknet, so dass Schädlinge darin keine Nahrung finden und es auch nicht gut brennt.

Durch die Dämmung entsteht ein Thermoskanneneffekt, der Passivhäuser ausmacht. Vom Kühlschrank bis zum Backofen wird alles, was Wärme produziert, als Heizung angesehen, auch Mensch und Hund. Durch ein Zu- und Abluftsystem wird die Luft ausgetauscht, ein Kreuzwärmetauscher im Keller entzieht der verbrauchten Luft die Wärme und fügt sie der frischen zu.

Zur Sicherheit, etwa bei Minusgraden im Winter, ist am Zuluftrohr ein strombetriebenes Nachheizregister installiert. "Energie wird nur in Form von Strom benötigt", sagte er. Dafür installiert er Photovoltaik-Platten auf dem Dach, später auch auf einem Carport - er wolle sich möglichst bald ein Elektroauto anschaffen. Überschüssigen Strom speist er ins Netz ein. Eine besondere Versicherung habe er nicht abschließen müssen. "Aber ich musste zweimal eine Baugenehmigung einholen."

Das alte Haus auf dem Grundstück hat er abreißen lassen. Die Entscheidung für ein Holzhaus, in das er mit Frau, zwei Kindern und Hund um die Weihnachtszeit einziehen will, war für ihn selbstverständlich: "Ich bin Zimmerermeister, da stellte sich die Frage nach einem Steinhaus gar nicht." Bilder vom Baufortschritt sind auf www.holzbaustelle.de zu sehen.

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