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Endenich im Ausnahmezustand

Endenich im Ausnahmezustand

Zehn-Zentner-Bombe nahe einer Schule - Großeinsatz von Polizei, Feuerwehr und Ordnungsamt - 3 000 Bürger evakuiert - Entwarnung um 18 Uhr

Endenich. Der Mittwoch wird vielen Endenichern noch lange in Erinnerung bleiben. Ein Bombenfund versetzte am Nachmittag weite Teile des Ortes in den Ausnahmezustand. Auf dem Lehrerparkplatz der Matthias-Claudius-Grundschule wurde gegen Mittag eine zehn Zentner schwere Bombe gefunden. Messungen hatten den Verdacht auf einen Blindgänger ergeben. Feuerwehr, Polizei und Ordnungsamt evakuierten rund 3 000 Menschen im Umkreis von 250 Metern. Um 18 Uhr konnte Entwarnung gegeben werden: Die Spezialisten des Kampfmittelräumdienstes hatten die amerikanische Bombe entschärft.

Matthias-Claudius-Schule, am Morgen. Der zehnjährige Daniel ist empört. Mit der Zeitung in der Hand zeigt er auf das Fenster seines Klassenzimmers im ersten Stock der Schule. Hier hat er noch bis zu den Sommerferien gelernt. Und jetzt das: Ein paar Meter weiter unten, auf dem Lehrerparkplatz, ganz nah am Gebäude, soll eine Bombe liegen. "Die hätte ja in die Luft fliegen können", meint er aufgeregt. Heinz Luerweg vom Kampfmittelräumdienst der Bezirksregierung Köln weiß seit Tagen von dem Verdacht und geht die Sache gelassener an. Obwohl er, sollte sich der Verdacht bestätigen, am Ende seine Hände an den Bombenzünder legen wird. "Wir haben Probebohrungen auf dem Parkplatz gemacht und die Messungen gaben Anzeichen für einen Blindgänger", sagt er - mehr ist noch nicht bekannt.

Über eine Luftbildauswertung war der Räumdienst auf den Bombenverdacht gekommen. Weil der Magdalenenplatz umgestaltet wurde, hat man das Gebiet überprüft, anhand eines Fotos vom März 1945. Endenich ist dort übersät mit Bombenkratern abgebildet. Und an einer Stelle ist kein Krater. "Nur ein Loch, da wo die Schule heute steht, hat uns darauf gebracht", so Luerweg. Das könnte ein Blindgänger sein. Bohrungen und Messungen mit einem Magnetometer folgten.

Am Mittwoch um 8 Uhr rückte der Räumdienst dann mit dem Bagger an. Große Metallringe werden in die Erde getrieben, damit nicht seitlich Dreck abrutscht. Gegen 11.30 Uhr hat der Bagger seinen Dienst getan, jetzt geht es nur noch per Hand weiter. Während das Leben in Endenich noch seinen ganz alltäglichen Lauf nimmt, verdichten sich am Baggerloch die Anzeichen auf einen Bombenfund. Luerweg geht mit seiner "Werkzeugkiste" zum Fundort. Metallisches Klopfen ist zu hören. Wenige Minuten später ist es Gewissheit: Ein paar Meter neben der Grundschule liegt eine zehn Zentner schwere Bombe amerikanischen Fabrikats aus dem Zweiten Weltkrieg. Während die Kampfmittelräumer Mittagspause haben, wird an anderen Stellen in der Stadt Alarm geschlagen. Luerweg, unterstützt von seinem Kollegen Peter Benz, hat entschieden: Ein Umkreis von 250 Metern muss evakuiert werden. Betroffen sind der Endenicher Dorfkern mit all seinen Geschäften, die Wohnhäuser ringsum und auch Teile des Hermann-Wandersleb-Rings. Wenig später sind 130 Kräfte von Feuerwehr und Polizei, 25 Rettungskräfte und acht Personen vom Ordnungsamt im Einsatz. Die Polizei fordert zusätzlich Unterstützung aus Dortmund und Bochum an. Ab 14 Uhr werden 3 000 Endenicher per Lautsprecher darüber informiert, dass sie bis zirka 18 Uhr ihre Häuser verlassen müssen. An der Josef-Strunck-Halle ist die Einsatzleitstelle, die Halle steht den Evakuierten zur Verfügung. "Für 17 Uhr ist die Entschärfung geplant", verkündet Stadtsprecher Thomas Böckeler. Für den Kampfmittelräumdienst heißt es warten.

In der Struck-Halle, am Rande des 250-Meter-Radius, wird es unterdessen voller. Die Stimmung ist ausgelassen. Ein Wirt hat seinen Ausschank kurzerhand von seiner evakuierten Kneipe vor die Josef-Strunck-Halle verlegt. Drinnen versorgt das Rote Kreuz die unfreiwilligen Gäste. Die Entschärfung verzögert sich indes, weil Passanten nicht bereit sind, den Sicherheitsbereich zu verlassen.

Um zwanzig vor sechs sind Luerweg und Benz allein mit der Bombe. Endenich ist gegen jeglichen Verkehr abgeriegelt, der Ortskern wie ausgestorben. Die Entschärfer tun ihre Arbeit, und 25 Minuten später - Punkt sechs - ist die Bombe entschärft. Wegen ihrer Größe von 1,40 Meter Länge und ihren rund 60 Zentimetern Durchmesser wird sie mit einem eigens angeforderten Transporter in ein Zwischenlager in Wahn gefahren. Wenige Minuten später ist auch das Bombenloch an der Schule wieder zugeschüttet.