Eine Alternative zur Hausgeburt

Eine Alternative zur Hausgeburt

Verein Doula eröffnet das erste Geburtshaus in Bonn - Vorträge und Kurse gehören auch zum Angebot - Weitere Spender gesucht

Bonn-Nord. Entweder heimelige Atmosphäre oder medizinische Rundumbetreuung - bislang hatten Bonner Frauen nur die Wahl, ob sie ihr Kind lieber zu Hause oder in der Klinik zur Welt bringen wollten. Doch jetzt gibt es eine dritte Alternative: das "Geburtshaus Bonn" am Kaiser-Karl-Ring. Die freistehende Gründerzeit-Villa, einst Pfarrhaus der Lukaskirche, ist frisch renoviert. Hier sollen demnächst Frauen ihr Kind bekommen können, betreut von einer Hebamme, die sie schon in der Schwangerschaft begleitet hat.

"Doula - Verein für Geburt in Würde und Menschlichkeit" heißt der Trägerverein des neuen Geburtshauses. Vor fast zehn Jahren wurde er von Hebammen und Eltern gegründet. Ziel war von Anfang an die Einrichtung eines Geburtshauses in Bonn. Sechs Hebammen, zwei Geburtsvorbereiterinnen und eine Geschäftsführerin werden hier arbeiten.

"Wir wollen einen besonderen Raum mit schöner Atmosphäre schaffen", sagt Mitbegründerin Ulrike Pauls. Viele Frauen würden zwar ungerne im Krankenhaus entbinden, trauten sich aber eine Hausgeburt nicht zu. "Manchmal stimmt die wohnliche Situation einfach nicht. Da sind die Nachbarn, die Hausarbeit und Geschwisterkinder." Außerdem, so Pauls, wollten manche Frauen lieber "in ein besonderes Haus gehen."

Und das will ihnen der Verein bieten. Im ersten Stock werden zwei große Gebärzimmer eingerichtet, mit gemütlichem Bett, Gebärhocker und Hilfsmitteln, die die Wehen erträglich machen sollen. Ein Badezimmer mit großer Gebärwanne steht auch bereit. Für die Sicherheit von Frau und Kind soll bei der Niederkunft immer eine zweite Hebamme im Einsatz sein. Pauls: "Vier Augen sehen mehr als zwei."

Wie bei Geburten in den eigenen vier Wänden wird in dem neuen Haus die Niederkunft nicht vom Arzt begleitet. "Auch bei Hausgeburten findet in acht bis zehn Prozent der Fälle eine Verlegung ins Krankenhaus statt, etwa weil die Geburt zu lange dauert", so Pauls. Deshalb arbeitet das Geburtshaus-Team eng mit dem Malteser-Krankenhaus zusammen. Bei einer Geburt in der neuen Einrichtung entstehen allerdings zusätzliche Kosten. "Gegenüber der Hausgeburt sind das 700 bis 800 Mark, die nicht von allen Krankenkassen voll übernommen werden." Eltern könnten den Betrag aber in Raten zahlen. Finanziert wurden Umbau und Ausstattung der neuen Einrichtung zum einen aus dem Kapital der Gründerinnen, zum anderen durch Geld- und Sachspenden. Noch fehlen rund 60 000 Mark, die durch Spenden und Leihgemeinschaften abgedeckt werden sollen. Durch Kurse und Vorträge wird das "normale" Hebammen-Programm mit Geburtsvorbereitung, Babymassage und Vor- und Nachsorge ergänzt. Über mangelnde Nachfrage können die Gründerinnen bislang nicht klagen. Pauls: "Ich habe schon Anmeldungen für Geburten im Juni und Juli."

Eröffnet wird das Geburtshaus Ende März, Geburten sollen aber schon ab Ende Januar stattfinden können. Wer spenden möchte oder weitere Informationen wünscht, kann sich sich wenden an: Geburtshaus Bonn, Kaiser- Karl-Ring 25, (02 28) 72 15 707.

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