Ein Lichterweg zum Gedenken an Hannah

Ein Lichterweg zum Gedenken an Hannah

Schweigemarsch am Mittwochabend durch Dollendorf - Auch an den Nachbarschulen ist die Anteilnahme groß

Königswinter. Die Trauer über das Schicksal der 14-jährigen Hannah aus Oberdollendorf macht weder am Gelände der Jugenddorf Christophorusschule noch an den Stadtgrenzen Königswinters Halt. So herrschte am Dienstag auch an den Schulen im Umkreis die Betroffenheit über den gewaltsamen Tod der Realschülerin vor.

Am Ernst-Kalkuhl-Gymnasium in Oberkassel bildeten sich lange Schlangen an den ausliegenden Kondolenzlisten, die in einem eigens eingerichteten Raum auslagen. Die Privatschule wird auch von vielen Königswinterer Kindern besucht, sodass es zahlreiche enge persönliche Kontakte zwischen den Schulen gibt. Und auch Hannah aus dem benachbarten Dollendorf war für viele Kalkuhl-Schüler eine gute Bekannte.

Während des gesamten Schultags wurde an dem Gymnasium an der Königswinterer Straße nach geeigneten Formen gesucht, der gemeinsamen Trauer Ausdruck zu verleihen. Am Schulzentrum Oberpleis gedachten die Jugendlichen ihrer Altersgenossin am Dienstag mit einer Schweigeminute.

Vor allem auf dem Gymnasium ist die Stimmung bedrückt, denn eine ältere Schwester Hannahs geht hier zur Schule. "Auch im Unterricht wurde über das Thema gesprochen", sagt Direktor Friedrich Krautschneider. Am Bad Honnefer Siebengebirgsgymnasium stand den Schülern ein Lehrer als Notfallmanager zur Verfügung, der mit dem Krisenstab am CJD zusammenarbeitet. Einig sind sich die Schulleitungen in ihrer Haltung, die Kinder angesichts der offenstehenden Aufklärung des Verbrechens zwar zur Vorsicht zu mahnen, ihnen aber nicht unnötig Angst zu machen.

In der Kirche Maria Königin des Friedens in unmittelbarer Nähe der Christophorusschule war bereits am Wochenende für Hannah gebetet worden. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Todesnachricht hatte Pastor Ulrich Oligschläger, erst seit wenigen Tagen in Königswinter, einen Gedenkgottesdienst abgehalten. Auch liegt in der schulnahen Kirche täglich von 8 bis 18 Uhr ein Kondolenzbuch aus.

Am CJD hat am Mittwoch der vermutlich schwerste Tag in der Schulgeschichte Lehrer und Schüler in Trauer vereint. Gymnasium und die von Hannah besuchte Realschule hatten sich Ruhe vor jeglichen Unbefugten auserbeten: Zutritt hatten ausschließlich Schulangehörige. Polizisten unterstützten die Schule beim Schutz vor Schaulustigen und respektlosen Medienvertretern.

Zudem stehen am CJD bis auf weiteres 32 Notfallseelsorger und Kräfte des Bad Honnefer Malteser Hilfsdienstes bereit, die sich in enger Abstimmung mit Polizei und Schulleitung um Schüler und Lehrer kümmern und zwischen 6.30 bis 22 Uhr unter der Rufnummer (0 22 23) 92 22 44 zu erreichen sind.

In den ersten beiden Stunden hatten sich alle Schüler zur Andacht versammelt, bevor sie - auch einem Rat der Polizei entsprechend - zum Unterricht in die Klassen gingen. "Den Schülern ist beim Weg zurück in die 'Normalität' in ihrer vertrauten Umgebung an besten geholfen", sagt CJD-Leiter Reinhard Koglin.

Doch vorerst dauert der Schockzustand an Hannahs Schule an, wie auch die unzähligen Einträge im Internet-Kondolenzbuch des CJD belegen. Am Mittwochmorgen wird dem Mädchen der Schulgottesdienst in der dritten Stunde gewidmet werden. Für Mittwochabend haben Eltern und Schulleitung zu einem Lichterweg aufgerufen.

Der Fackelzug, der ausdrücklich auch der Bevölkerung und den benachbarten Schulen Gelegenheit zur Anteilnahme bieten soll, formiert sich um 19 Uhr am Dollendorfer Cäsariusdenkmal und führt durch Dollendorf zur Schule.

Das CJD hat für Hannahs Familie ein Spendenkonto eingerichtet. Die Bankverbindung lautet: WGZ-Bank, Konto-Nr.: 11 00 39 28 17, Bankleitzahl: 300 600 10.