GA-Serie "Rheinische Redensarten": Du driehst dich wie'n Karr Äsch

GA-Serie "Rheinische Redensarten" : Du driehst dich wie'n Karr Äsch

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir mit Unterstützung von Dialektsachverständigen bedeutungstiefe Redewendungen.

Wer sich mit dem Dialekt beschäftigt, der stößt immer wieder auf alte Redewendungen, die man heutzutage kaum noch verstehen kann, weil sich die Alltagsbedingungen völlig verändert haben. Wenn man es positiv ausdrücken möchte, kann man an bestimmten Bonmots noch heute Gepflogenheiten früherer Zeit ablesen. So ist es mit der Redensart:

„Du driehst dich wie'n Karr Äsch.“ Vor dem Verstehen stehen zunächst die ordnungsgemäße Übersetzung und die Bedeutungserklärung. Auf gut Hochdeutsch würde man sagen: Du drehst dich wie eine Karre Asche. So weit, so gut. Aber was soll das bedeuten?

Eine Mundartsprecherin schrieb uns die Redewendung auf und erläuterte dazu: „Meine Mutter benutzte diesen Ausdruck, wenn man sich ihrer Meinung nach zu langsam bewegte oder eine aufgetragene Arbeit zu langsam ausführte. Die Redewendung stammt aus der Zeit, als erstens noch mit Kohlen, Koks oder Briketts geheizt wurde, zweitens die Asche in Mülltonnen aus Blech entsorgt und diese wiederum von offenen, durch Pferden gezogenen Karren abgeholt wurden. Damit kein unnötiger Staub entstand, achteten die Kutscher darauf, diese Karren nur sehr langsam zu bewegen und um die Ecken zu fahren. Nach der Einführung von geschlossenen Wagen bei der Müllabfuhr starb diese Redensart langsam aus.“

Die übergeordnete Bedeutung ist wie so oft eine Verhaltensregel für den der Gemütlichkeit frönenden Nachwuchs. Wenn man eine Aufgabe übernommen hat, dann sollte man sie nicht nur erledigen, sondern auch zügig erledigen. Das entspricht übrigens auch einer Preußischen Tugend, die besagt: Wichtiger als tätig sein ist fertig werden. Und selbst die Physik weiß davon in einem naturwissenschaftlichen Gesetz zu berichten. Es findet gediegenen Ausdruck in der Formel L=A/Z. Allgemeinsprachlich sagt man „Leistung ist Arbeit in der Zeit“. Es gibt nur wenige Gesetze, die universell in so verschiedenen Kategorien wie Physik, Erziehung, Gesellschaft und Ethik gelten. Und die Rheinländer wussten es zuerst.

Haben auch Sie einen rheinischen Lieblingsspruch, dann mailen Sie ihn uns unter rheinisch@ga-bonn.de. Der General-Anzeiger bietet in Zusammenarbeit mit LVR-Sprachforscher Peter Honnen den Podcast „So geht Rheinisch“. Nähere Informationen gibt es im Netz unter dem Link: www.ga-bonn.de/podcast.

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