GA-Serie "Rheinische Redensarten": Do kanns mer ens de Naache deue

GA-Serie "Rheinische Redensarten" : Do kanns mer ens de Naache deue

In der Serie "Rheinische Redensarten" beleuchten wir bedeutungstiefe Redewendungen.

Würde man eine Hitparade der rheinischen Redensarten erstellen, dann wäre diese regelmäßig auf einem der oberen Plätze. Deswegen wird es Zeit, dem Druck der Straße nachzugeben und dem Satz auf den Grund zu gehen: "Do kanns mer ens de Naache deue." Es spricht einiges dafür, dass der Satz klanglich und atmosphärisch leicht verständlich ist, auch wenn einem nicht alle Vokabeln direkt präsent sind. Allein der Anlauf: Du kannst mir mal.... lässt vermuten, dass hier der Antrag eines Mitmenschen abschlägig beschieden werden soll.

Aber lassen wir uns mal auf das Sprachbild ein. Deuen bedeutet drücken oder schieben. Die Niederländer schreiben an dieser Stelle duwen, sprechen aber düwen. Interessant ist, dass das Rheinische durchaus sehr stark verwandt ist mit dem Niederländischen. Während diese Sprachschicht hierzulande auf dem Dialektstatus geblieben ist, haben unsere Nachbarn sie zur Hochsprache gemacht. Sie ist also in den Niederlanden der Standard.

Man könnte vermuten, dass Naache möglicherweise Nacken heißen könnte. Dann läge das Bild nahe "Buckel runterrutschen".

Tatsächlich heißt Naache in Ableitung des hochdeutschen Nachens: Kahn oder Boot. Und deshalb bedeutet der Satz zusammengenommen: Du kannst mir mal das Boot anschieben!

So oder so ist das ein Synonym dafür, dass das Gegenüber tun kann, was es will, es wird beim Adressaten keine Anerkennung finden.

Und das ist ja eine Botschaft, für die der Rheinländer die verschiedensten Sätze im Repertoire hat. Denn das scheint in der Provinz Rhenania eine der wichtigsten Tätigkeiten zu sein, sich verbal äußerst geschickt vom ungeliebten Mitmenschen abzugrenzen, ohne dass es diesem schmerzhaft auffallen müsste. Denn die verklausulierte Beschimpfung ist das Spezialgebiet des Rheinländers. Das mag mit seiner Sensibilität zu tun haben, die sich durch viele Jahre Fremdherrschaft entwickeln konnte. Ja, unter der Ägide der Römer, Franzosen und Preußen war es geradezu eine Überlebensstrategie, die eigenen Ressentiments nicht allzu plakativ in Worte zu fassen. Das hat gut geklappt.

Haben auch Sie einen rheinischen Lieblingsspruch, dann mailen Sie ihn uns unter rheinisch@ga-bonn.de. Die "Rheinischen Redensarten" aus der wöchentlichen Kolumnenserie des General-Anzeigers sind als Buch erschienen und im Handel zu haben. Der General-Anzeiger bietet in Zusammenarbeit mit LVR-Sprachforscher Peter Honnen den Podcast „So geht Rheinisch“. Nähere Informationen gibt es hier.

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