GA-Serie „Rheinische Redensarten“: Do finge sibbe Katze keen Muus mih dren

GA-Serie „Rheinische Redensarten“ : Do finge sibbe Katze keen Muus mih dren

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir mit Unterstützung von Dialektsachverständigen bedeutungstiefe Redewendungen.

Sehr häufig entstammen rheinische Redensarten dem bäuerlichen Lebensumfeld. Denn bis vor wenigen Jahrzehnten prägte die Landwirtschaft den Alltag in den Dörfern und Ortschaften der Region. Eine wichtige Ordnungshüterin auf dem Bauernhof war die Katze, denn sie ist dafür zuständig die lästigen Nager fernzuhalten, die sich gedenken an der Ernte schadlos zu halten. Vor allem die Getreidescheune betrachten die Mäuse als Vier-Sterne-Restaurant. Im Kampf gegen die Schädlinge waren und sind die Katzen wichtige Helfer.

Ihnen werden in dieser Hinsicht beinahe übernatürliche, mindestens aber übermenschliche Fähigkeiten zugeschrieben. Sie sind äußerst behände, haben scharfe Augen, können sogar im Dunkeln sehen. Und sie können lange wartend in einer Position verharren, bis sie schließlich hervorschnellen und die Maus dingfest machen.

Der Satz „Do finge sibbe Katze keen Muus mih dren“ spielt mit der Erwartung ganz besonderer Fähigkeiten der Katze. Wörtlich übersetzt heißt das: „Darin finden selbst sieben Katzen keine Maus.“

Auf der Metaebene bedeutet dies allerdings: „Hier ist ein solch heilloses Durcheinander, dass man nichts mehr findet“, sagt Mundartspezialist Willi Baukhage. Ähnlich formuliert es Dialektsprecherin Elisabeth Schleier: „Da herrscht das totale Chaos.“ Und Josef Schwalb ergänzt: „Das Zimmer ist so eng, dass man sich nicht drehen kann.“ Das könnte man als tragisch für die Katzen bezeichnen, denn in diesem Falle müssten sie hungern. Keine schöne Perspektive.

Interessant an dieser Redensart ist, dass die Bedeutung ganz aus dem Sprachbild herausgelöst wird und einen ganz anderen Inhalt erhält. Tatsächlich geht es nicht um Katzen und Mäuse, sondern um eine riesengroße Unordnung, möglicherweise in einem winzigen Zimmer. Und weil es heutzutage für viele altbekannten Phänomene neue Begriffe gibt, hat man das schöne Wort „Messie“ erfunden. Wer nicht mehr Herr über seine Ordnung ist, dem helfen tatsächlich auch keine sieben Katzen.

Die Artikel zum rheinischen Dialekt entstehen in Zusammenarbeit mit dem Heimatfilmer Georg Divossen (www.bönnsch-abc.de). Seine Filme sind abrufbar unter www.ga-bonn.de/rheinisch. Haben auch Sie einen Lieblingsspruch, dann mailen Sie ihn uns an rheinisch@ga-bonn.de

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