GA-Serie "Rheinische Redensarten": Ding Botz setz ävver spack

GA-Serie "Rheinische Redensarten" : Ding Botz setz ävver spack

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir mit Unterstützung von Dialektsachverständigen bedeutungstiefe Redewendungen.

Wir müssen mal ein ganz heikles Thema ansprechen und uns mit einer rheinischen Redensart beschäftigen, die Freundschaften zerstören kann. Im Extremfall kann diese Form der Kommunikation sogar vor dem Schiedsmann enden. Gerade heutzutage, in der der allgemeine Selbstoptimierungswahn ausgebrochen ist. Die Menschen verbessern ständig an sich herum. Höher, schneller, weiter, größeres Auto, fernere Urlaubsziele, größere Fitness, bessere Figur.

Da tut es weh, wenn der Kollege sagt: „Ding Botz setz ävver spack.“ Die hochdeutsche Version wäre etwa: Deine Hose sitzt aber knapp. Man darf den Begriff „knapp“ an dieser Stelle als Euphemismus bezeichnen. Ist doch tatsächlich gemeint: Extrem eng, unansehnlich dick – bekommst Du überhaupt noch Luft?

Angesichts dieser Bedeutung kann man „spack“ schon als beschönigend und äußerst diplomatische Redewendung bezeichnen.

Wir erleben ja immer wieder im Dialekt, dass selbst ernsteste Beschimpfungen wie ein Wolf im Schafspelz daherkommen. Da wird man vielleicht ein bisschen eingeschnappt, aber nicht wirklich böse sein.

Dass „spack“ aber kein modernes Thema ist, sondern schon über die Jahrhunderte hinweg Anwendung fand im gesellschaftlichen Miteinander, erkennt man daran, dass es laut LVR-Sprachforscher Peter Honnen ein sehr altes und sogar typisch rheinisches Wort mit alnger Sprachgeschichte ist. Es hat seine Wurzeln im niederdeutschen Sprachgebiet, dazu gehören die norddeutschen Dialekte bis hinüber in die Niederlande. Es ist etwa als Wort spahha gleich Reisig oder dürres Holz bezeugt. Allerdings hat sich seine Bedeutung im Sinne von eng und knapp erst im 16. Jahrhundert und auch nur im Rheinland entwickelt. Schimpfwörter wie Spacko im Sinne von „dummer Mensch“ oder „arm im Geiste“ sollen damit auch in Verbindung stehen. Aber: Wenn die Hose spack sitzt, dann ist das nicht wirklich ein Drama. Denn hierzulande trifft der Begriff auf eine Mentalität, die gern als tolerant klassifiziert wird. Die Hose darf also kneifen, das wird man hier nicht eng, also spack sehen.

Haben auch Sie einen rheinischen Lieblingsspruch, dann mailen Sie ihn uns unter rheinisch@ga-bonn.de. Die „Rheinischen Redensarten“ aus der wöchentlichen Kolumnenserie des General-Anzeigers sind als Buch erschienen und im Handel zu haben. Das gedruckte Werk hat die Edition Lempertz verlegt, ISBN: 978-3-96058-211-3, es kostet 9,99 Euro.

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