Weniger Rot- und Rehwild gefallen: Die Hundesteuer bleibt ein Thema

Weniger Rot- und Rehwild gefallen : Die Hundesteuer bleibt ein Thema

Hegering Bad Neuenahr-Ahrweiler kam zur zweiten Versammlung nach dem Zusammenschluss zusammen. Jäger wollen weiter für die Steuerbefreiung oder -ermäßigung ihrer Hunde kämpfen.

Das Geweih eines sprichwörtlich „kapitalen Bocks“ hing an der Trophäenwand des Hegerings Bad Neuenahr-Ahrweiler, der zu seiner Jahreshauptversammlung ins Restaurant Kleinertz am Ahrweiler Markt eingeladen hatte. Im Jagdbezirks Ahrweiler IV hatte Pächter Dr. Ehlen den Hirsch der Klasse 1, also ein Tier mit einem Geweih von mehr als 3,5 Kilogramm Gewicht, im vergangenen Jahr erlegt. Nicht oft bekommt ein Jäger des kreisstädtischen Hegerings einen derartigen Hirschen vor die Flinte, entsprechend stolz war man in Reihen der Jäger über diese Trophäe, die bei der Rotwildschau in Kempenich die Erwartungen auf eine Auszeichnung erfüllen soll.

Weniger glücklich ist man beim Hegering mit einer anderen Entwicklung, nämlich der Antwort auf den an die Verwaltung gestellten Antrag auf Änderung der Hundesteuersatzung der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler. In Reihen der Jäger ist man der Meinung, dass ausgebildete und geprüfte Jagdhunde, die per Gesetz bei bestimmten Jagdarten immer mitzuführen sind, ganz oder zumindest teilweise von der Hundesteuer befreit werden müssten. „Mein Antrag dazu lief leider ins Leere. Trotz juristischer Unterstützung, die unsere Argumente auf den Punkt brachte, und der gesetzlichen Verpflichtung wurde der Einsatz unserer Jagdhunde nicht gewürdigt“, erklärte Hegeringleiterin Angelika Schrader-Stahl gegenüber den rund 60 der aktuell 104 organisierten Mitglieder des Hegerings, die zur Versammlung gekommen waren.

Bis auf die Freien Wähler hätten alle Stadtratsfraktionen gegen den Antrag gestimmt, so Schrader-Stahl. Sie verwies nicht nur auf die Regelung in Sinzig, wo die Steuer für Jagdhunde halbiert wurde, sondern auch auf die niederbayerische Gemeinde Niederaichbach im Kreis Landshut, die Jagd-, Rettungs- und Blindenhunde komplett von der Steuer befreit und die dies als Anerkennung der Arbeit von Jägern und Hunden im Interesse der öffentlichen Allgemeinheit verstanden haben möchte. Im Gegenzug kümmern sich die Jäger in Niederaichbach um die Entsorgung von im Straßenverkehr umgekommenem Fallwild, was eigentlich Sache des dortigen Bauhofs wäre.

Und auch in der Kreisstadt wollen die Jäger nicht locker lassen und weiter für die Steuerbefreiung oder -ermäßigung der Hunde kämpfen, kündigte Angelika Schrader-Stahl an.

Von kämpferischer Stimmung war die Versammlung aber nicht geprägt, es ging harmonisch zu. Die Leiterin berichtete über Streuobstschnittkurse und das Hegeringgrillen. Sie ehrte zudem Stephan Rieder für 25-jährige Mitgliedschaft im Hegering. Der Ahrweiler Historiker Hans-Georg Klein hielt einen kurzweiligen Vortrag über die Jagdgepflogenheiten und -rechte in Ahrweiler in der Zeit vom zehnten bis zum 18. Jahrhundert. In seinen Nachforschungen fand er Hinweise auf ein Jagdrecht erstmals im Jahr 1488, dazu eine schon konkrete Fassung im Jahr 1511. In Ahrweiler durfte jeder jagen gehen, nur das Großwild war den Herrschern vorbehalten. Allerdings verstieß das Volk in schöner Regelmäßigkeit gegen diese Ordnung, was unter den aktuellen Jägern für so manchen Lacher sorgte.

Im Laufe der Versammlung berichtete Matthias Fell, der zusammen mit Rudi Kniel die Trophäen des erlegten Rotwilds bewertet hatte, über die Ergebnisse der Prämierung. Demnach wurde Stephan Rieder mit der Goldmedaille fürs beste Rehgehörn ausgezeichnet. Silber ging an Uwe Clasen, Bronze an Elmar Schnitzler. Bei den Abschusszahlen wartete der Hegering mit 23 Stück Rotwild auf und blieb dabei weit unter dem Plan. Ein Jahr zuvor wurden noch 76 Stück Rotwild erlegt. Ähnlich Zahlen beim Rehwild: Statt 286 geplanter Stück wurden nur 183 Tiere erlegt, 21 davon übrigens als Fallwild im Straßenverkehr.

Gegenüber dem vergangenen Jahr gestiegen ist die Abschusszahl beim Schwarzwild, hier wurden 170 Stück erlegt, 2014 waren es 142. Hier forderte die rheinland-pfälzische Umweltministerin Höfken die Jäger zu Revier übergreifenden Drückjagden auf, um die hohen Bestände einzudämmen. Beim Muffelwild schließlich wurden 18 Tiere erlegt, vier mehr als 2014.

Der stellvertretende Vorsitzende der Kreisgruppe Ahrweiler, Dirk-Siegfried Hübner, informierte den Hegering derweil über die Erhöhung der Trichinengebühr, die Erlaubnis zur Nutzung von Schalldämpfern und die mögliche neuerliche Erlaubnis zur Rebhuhnjagd. Er forderte zum Besuch der Kreisverssammlung im April auf, auch weil dort die Wahlen zum Kreisjagdbeirat auf der Agenda stehen.