e.Coli-Bakterien im Trinkwasser: Die Entwarnung für Grafschaft und Bad Neuenahr

e.Coli-Bakterien im Trinkwasser : Die Entwarnung für Grafschaft und Bad Neuenahr

Seit Mittwochabend gibt es Entwarnung: Die Menschen in Bad Neuenahr und auf der Grafschaft können wieder das Wasser aus den Leitungen zum Spülen und Zähneputzen nutzen, ohne es vorher abkochen zu müssen.

Zwei Wochen bestand das Abkochgebot, das das Kreisgesundheitsamt gestern Abend nach Auswertung weiterer Wasserproben aufgehoben hat. Damit geht ein fünfzehntägiger Ausnahmezustand zu Ende.

"Bei der Identifizierung der Ursache wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit ein sogenannter Belüftungsschacht an der Landesgrenze festgestellt, in den aufgrund der starken Regenfälle zum Teil mit Fäkalien belastetes Wasser eingedrungen war", berichtete der Direktor des Institutes für Hygiene und Öffentliche Gesundheit, Martin Exner, der vom Kreisgesundheitsamt als Experte hinzugezogen worden war. Über eine Stelle gelangte das Regenwasser in das Leitungssystem. Die Ursache für das 15 Tage andauernde Dilemma soll mit großer Wahrscheinlichkeit in Werthoven gefunden worden sein.

Aber nicht nur da. Professor Exner: "Davon unabhängig wurden in einem nachgeschalteten Netzanteil der Gemeinde Grafschaft Hydrantenbauarbeiten in Lantershofen als mögliche weitere Eintragsquelle ermittelt." Dementsprechend geht der Experte zurzeit von mindestens zwei getrennten Störfällen aus.

In den vergangenen Tagen griffen dann schließlich die Spül- und Desinfektionsmaßnahmen der Trinkwasserleitungsnetze auf der Grafschaft und in Bad Neuenahr, führte der Universitätsprofessor aus. Der Störfall werde in Kürze in wissenschaftlichen Gremien zur Wasserhygiene behandelt. Nach Abschluss des Störfallmanagements müsse ein Bericht für das Bundesgesundheitsministerium über Ursachen und Maßnahmen erstellt werden, der dann an die EU weitergeleitet werde.

Seit Mittwochabend, 3. September, war das Trinkwasser in Teilen der Kreisstadt und der gesamten Grafschaft mit Bakterien verunreinigt. Seither arbeiteten die Energieversorgung Mittelrhein (EVM), die im Auftrag der Stadt das Wasserwerk von Bad Neuenahr-Ahrweiler betreibt, sowie der Grafschafter Wasserversorger "Eurawasser" nach eigenen Angaben "mit Hochdruck daran, die Bakterien aus dem Trinkwasser zu bekommen". Die Steuerung des gesamten Prozesses oblag hingegen dem Kreisgesundheitsamt. "Das ist bei Verunreinigungen des Trinkwassers üblich", erklärte EVM-Sprecher Christian Schröder. Die Information zur Einschätzung der Lage und die Bewertung der Untersuchungsergebnisse lägen ausschließlich beim Gesundheitsamt. Die Behörde würde alleine entscheiden, wie lange das Abkochgebot gelte und wie lange das Wasser gechlort werden müsse.

Trinkwasser sei in Deutschland das am besten kontrollierte Lebensmittel. Es werde regelmäßig auf etliche Parameter untersucht. Sollte bei den engmaschigen Untersuchungen eine Verunreinigung auffallen, könnten sie in der Regel schnell behoben werden. Im Falle eines E-coli-Bakterien-Befundes sei das Gesundheitsamt von Beginn an involviert, die Bevölkerung werde umgehend informiert.

"Seit dem Auftreten der Keime im Trinkwasser prüften wir alle Anlagen und suchten nach der Ursache: Mitarbeiter zogen seit dem 3. September täglich an 20 Messstellen in der Kreisstadt Proben. Die wurden dann durch unabhängige Labore analysiert", so Schröder. Insgesamt seien alleine von der EVM 19 Mitarbeiter im Einsatz gewesen. Im Kreishaus waren 20 Fachleute mit der Trinkwasserproblematik beschäftigt, weitere Experten waren auf der Grafschaft unterwegs.

Fach-Personal anderer EVM-Standorte hätten die Kollegen des Wasserwerks der Kreisstadt unterstützt. Die EVM habe das 223 Kilometer lange Rohrnetz in ihrem Zuständigkeitsbereich geprüft, ebenso 13 Belüftungsschächte, acht Hochbehälter, zwei Wasserwerke, etliche Pumpwerke und Druckerhöhungsanlagen. Alle Anlagen seien gereinigt, gespült und gechlort worden. Analog war der Wasserversorger auf der Grafschaft tätig, um dort das etwa 200 Kilometer lange Wassernetz zu reinigen. Unmittelbar nach dem Auftreten der Keime hätten 50 Mitarbeiter der EVM in Kooperation mit der Feuerwehr die Bürger informiert. Sie verteilten Handzettel und organisierten Lautsprecherdurchsagen.