Tourismus im Ahrtal: Die Ahr verliert ihren Spitzenplatz

Tourismus im Ahrtal : Die Ahr verliert ihren Spitzenplatz

Touristiker Andreas Wittpohl gibt einen Überblick zu aktuellen Gästezahlen und spricht über positive Erwartungen.

Der Tourismus in Rheinland-Pfalz ist auf Rekordkurs. In den ersten sieben Monaten des Jahres kamen so viele Gäste ins Land, wie noch nie. Von Januar bis Juli besuchten nach Angaben des Statistischen Landesamtes über 5,1 Millionen Gäste Rheinland-Pfalz.

Das waren 4,3 Prozent mehr als in den ersten sieben Monaten des Jahres 2014. Auch die 13,5 Millionen Übernachtungen stellen eine neue Höchstmarke dar. Von den Gästen konnten acht der neun rheinland-pfälzischen Tourismusregionen profitieren.

Übernachtungen und Gästezahlen steigen leicht

Verhaltener fielen die Zahlen für das Ahrtal aus, das im Tourismusgeschäft in früheren Jahren stets Spitzenpositionen eingenommen hat. Bei den Übernachtungen gab es einen Zuwachs von lediglich einem Prozent, bei den Gästezahlen von 3,1 Prozent. 280 400 Gäste sorgten für 747 386 Übernachtungen in den Monaten Januar bis Juli. Mit dem Geschäftsführer des Ahrtal-Tourismus, Andreas Wittpohl, sprach Victor Francke.

Wie bewerten Sie die für das Ahrtal genannten Zahlen?
Andreas Wittpohl: Generell muss festgehalten werden, dass das Ahrtal derzeit nicht wie in den vielen vergangenen Jahren eine überproportional gute Entwicklung aufzeigt. Allerdings bewegen wir uns mit knapp 750 000 Übernachtungen in den ersten sieben Monaten des Jahres auf einem nach wie vor sehr hohen Niveau.

Welche Ursachen hat der eher moderate Zuwachs?
Wittpohl: Die nur moderate Steigerung des Übernachtungstourismus im Ahrtal muss insbesondere auf die Besonderheiten in Bad Neuenahr-Ahrweiler zurückgeführt werden. Sowohl die acht-monatige Schließung der Ahr-Thermen als auch die Trinkwasserproblematik mit intensiver und überregionaler Berichterstattung im vergangenen Jahr haben noch in 2015 nachgewirkt. Des Weiteren muss registriert werden, dass alleine im Steigenberger Hotel 66 Zimmer fünf Monate nicht zur Verfügung standen, da dort kräftig in Zimmer und Suiten investiert und renoviert wurde. Und das Hotel Cascade in Bad Neuenahr wurde geschlossen. Zwei Gründe, warum in diesem Jahr mehr als 10 000 Übernachtungen weggefallen sind. Ohne diese hotelspezifische Sondersituation würde die Statistik für Bad Neuenahr-Ahrweiler deutlich positiv sein, was sich auch für das Zahlenwerk im gesamten Ahrtal vorteilhaft ausgewirkt hätte. Außen vor gelassen werden darf auch nicht, dass der Nürburgring nach wie vor von hoher Bedeutung ist. Und wenn dann dort Formel 1 und Rock am Ring nicht stattfinden, fehlen auch im Ahrtal direkt einige Tausend Übernachtungen.

Ist davon auszugehen, dass sich die Zahlen im zweiten Halbjahr sehr viel günstiger darstellen werden?
[Zur Person]Wittpohl: Meine aktuell bei Mitgliedsunternehmen des Ahrtal-Tourismus - hier insbesondere bei Hoteliers - vorgenommenen Befragungen stimmen mich zuversichtlich. Die hohen Investitionen in die Qualität unserer Betriebe wirken sich aus. Die befragten Hotels weisen hinsichtlich Übernachtungen und Umsatz Steigerungen gegenüber dem Vorjahr aus und erwarten auch für die kommenden Monate eine positive Entwicklung.

Welche Rolle spielen dabei die Weinfeste und die vielen anderen Veranstaltungen im Ahrtal?
Wittpohl: Die Veranstaltungsdichte in den vergangenen Wochen und kommenden Monaten spielt eine gewichtige Rolle. Die gute Frequentierung der Betriebe des Ahrtals durch Übernachtungs- und die auch für die Gastronomie und Winzer wichtigen Tagesgäste ergibt sich auch durch die etablierten Veranstaltungen, aber zusätzlich durch Leitveranstaltungen wie die Klangwelle und die Uferlichter. Letztendlich machen sich auch die intensivierten Marketing- und PR-Maßnahmen der Touristiker des Ahrtals sowie die Gästekarte in Bad Neuenahr-Ahrweiler positiv bemerkbar.

Welchen Einfluss haben die Kommunen auf das Tourismusgeschäft?
Wittpohl: Von sehr hoher Bedeutung für die weitere positive Entwicklung des Ahrtals sind die Investitionen der Ahrtal-Kommunen in die touristische Infrastruktur - genannt seien hier als Beispiele der AhrSteig und der Ahrradweg mit seinem hoch attraktiv gewordenen Lückenschluss zwischen Mayschoß und Altenahr.

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