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Nach Beschwerden über Sonderfahrpläne: Deutsche Bahn bessert in der Region nach

Nach Beschwerden über Sonderfahrpläne : Deutsche Bahn bessert in der Region nach

Der seit dem Wochenende gültige Sonderfahrplan im Nahverkehr stößt auf Kritik. Die Deutsche Bahn bessert nun bei der S 23 und der RB 27 nach. Die RVK und die RSVG sehen keinen Bedarf, auf Busstrecken nachzubessern.

Der Sonderfahrplan der Verkehrsbetriebe für die Notfallzeit sorgt für Unmut. Der Groll wächst insbesondere bei Fahrgästen, die auf die Pendlerzüge im links- und rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis angewiesen sind. Im Linksrheinischen fährt beispielsweise die S 23 zwischen Rheinbach und Bonn in der Hauptverkehrszeit normalerweise vier Mal in der Stunde, jetzt nur noch einmal und das – bis Dienstag jedenfalls – in Einzeltraktion.

Doch die Bahn bessert nach. Sie will auf der Strecke der S 23 (Bad Münstereifel-Bonn) und RB 27 (Mönchengladbach – Köln – Troisdorf – Neuwied – Koblenz) ab Mittwoch mit zwei Einheiten fahren. „Das Problem ist, dass wir nicht in Doppel­­traktionen fahren können, weil die Bahnsteige zwischen Bad Münstereifel und Euskirchen nicht dazu ausgerichtet sind“, sagte Dirk Pohlmann, Sprecher DB Nordrhein-Westfalen. Deshalb werde die Bahn mit zwei kleineren Zügen fahren, was etwa 60 Sitzplätze mehr schaffe. Davon abgesehen stünden in Kürze größere Gleisbauarbeiten an, weshalb zwischen Meckenheim und Bonn Hauptbahnhof sowieso Busse eingesetzt würden.

Auch die Kritik von Pendlern, die Samstagmorgens aus der Region Windeck/Eitorf zum Arbeiten müssen, ist bei der DB angekommen. Der abgespeckte Fahrplan sah nämlich vor, dass der erste Zug Richtung Köln erst ab 8 Uhr verkehrte. „Wir sind dran, schon ab diesem Samstag einen früheren Zug einzusetzen“, so der Bahnsprecher.

In den vergangenen Tagen hatten sich die Beschwerden gemehrt. „Ich hatte an einem Morgen mehr als zwei Dutzend Anrufe von Pendlern, die nach wie vor ihrer Arbeit nachgehen müssen“, sagte der SPD-Kreisfraktionsvorsitzende Dietmar Tendler. „Da wird eine Kontaktsperre ausgesprochen, und dann sind die Menschen gezwungen, wie die Sardinen in der Büchse mit den Mitfahrern auf Körperkontakt zu gehen.“ Das Problem im Rechtsrheinischen: Der RE 9 und der RE 12 sind komplett eingestellt, und es fährt nur noch die S 19 – und das stündlich. Seit Dienstag, so der DB-Sprecher, wird auf der Strecke zwischen Siegen und Köln ein zusätzlicher Bus eingesetzt. „DB Regio NRW überprüft gemeinsam mit den Aufgabenträgern kontinuierlich, ob und wo gegebenenfalls nachgesteuert werden muss.“

„Wir sind uns der Befürchtungen der Fahrgäste wegen des Infektionsrisikos bewusst und würden gerne längere Züge und einen dichteren Takt anbieten. Dies ist aber aufgrund des hohen Krankenstandes bei der Deutschen Bahn nicht möglich“, sagt Holger Klein, der Pressesprecher des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg (VRS) und des Zweckverbands Nahverkehr Rheinland (NVR) ist, auf GA-Anfrage. Leider könne es trotz aller Bemühungen in Einzelfällen dazu kommen, dass nicht die gewohnten Zuglängen angeboten werden könnten. Daher setzt sich NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) laut der Nachrichtenagentur dpa für die Freigabe der ICE-Züge für Nahverkehrskunden auf besonders belasteten Strecken ein. Dann könnten Fahrgäste auch mit einem Nahverkehrsticket in diese Züge einsteigen, was bisher nicht erlaubt ist.

Klein klagt, dass das Gebiet des NVR, das sich von Aachen über Köln, Leverkusen und den Rhein-Sieg-Kreis bis Bonn erstreckt, durch den Sonderfahrplan von besonders vielen Ausfällen getroffen. Klein: „Wir hatten beim Sonderfahrplan keinerlei Spielraum, weil nach Aussage der DB nicht ausreichend gesundes Personal zur Verfügung stand, um mehr Leistungen anbieten zu können. Daher mussten wir uns leider der Macht des Faktischen beugen.“

Die Rhein-Sieg-Verkehrsgesellschaft (RSVG) hatte zwar gleich zu Beginn die Fahrzeiten der Schnellbuslinie SB 55 geändert. „Das war aber einem Tippfehler geschuldet“, sagte RSVG-Sprecherin Melanie Schwanke. Ansonsten lägen ihr keine Beschwerden vor. Auch Anfragen hinsichtlich der Erreichbarkeit der Kliniken in Hennef, die die GA-Redaktion erreichten, gäbe es bei ihr nicht. „Sollte die Notwendigkeit bestehen, den Fahrplan anzupassen, um die Erreichbarkeit der Kliniken für Klinikmitarbeiter zu verbessern, wird selbstverständlich über eine Anpassung des Fahrplans beratschlagt“, sagte Schwanke. Auch beim Regionalverkehr Köln (RVK) sind über den zurzeit geltenden Ferienfahrplan hinaus keine Änderung geplant, so Sprecherin Andrea Jahn. Anpassungen wären aber nach Absprache immer möglich.