Der Mammutbaum wächst seit 1862 in Ahrweiler

Der Mammutbaum wächst seit 1862 in Ahrweiler

Georg Kreuzberg pflanzte den Exoten - Unter Schutz stehen in der Region auch Biotope und Felsen - Der Kreis führt die Akten, die Eigentümer tragen die Verantwortung

Kreis Ahrweiler. Denkmäler müssen nicht von Menschenhand modelliert, sie können auch von der Natur geschaffen sein. In der Liste der Naturdenkmäler des Kreises Ahrweiler stehen Bäume, Biotope, Felsen und Bergkuppen. Was grundsätzlich zum Naturdenkmal erhoben werden kann, regelt das Landespflegegesetz: Felsen, erdgeschichtliche Aufschlüsse, Quellen, Wasserläufe und Wasserfälle, alte und seltene Bäume, Baumgruppen und Alleen, besonders wertvolle Landschaftselemente und Pflanzenbestände.

Im Kreishaus zuständig ist die Untere Landespflegebehörde. Sie führt die Verfahren zur Unterschutzstellung durch und entlässt gegebenenfalls auch Denkmäler aus dem Schutz.

Direkt am Kreishaus steht ein imposantes Beispiel für ein "Naturdenkmal: der Kalifornische Mammutbaum. Der Nadelbaum ist 140 Jahre alt, an die 30 Meter hoch und überragt das fünfstöckige Gebäude.

Im Gegensatz zu anderen Baum-Denkmälern ist seine Geschichte gut dokumentiert. Jakob Rausch hat sie im Heimat-Jahrbuch 1967 zu Papier gebracht. Gepflanzt wurde das exotische Gehölz im Jahre 1862 von Georg Kreuzberg, den Entdecker der Apollinarisquelle. Er hatte im Mai 1861 bei der Generalversammlung des Naturhistorischen Vereins für Rheinland und Westfalen in Trier einen Zweig der bis dahin an der Ahr unbekannten Baumart gesehen.

Das Gewächs schien Kreuzberg zu gefallen. Jedenfalls kaufte er bei einer englischen Gärtnerei für insgesamt 60 Taler zwölf junge Pflanzen. Zwei davon schenkte er der katholischen Kirchengemeinde Ahrweiler. Übrigens stand einer der Bäume bis vor wenigen Jahren noch auf dem Ahrweiler Marktplatz.

Die übrigen fanden Standorte auf Grundstücken der weit verzweigten Familie Kreuzberg. Und zur Freude des Stifters gingen alle an. Vermutlich gehörte auch der Mammutbaum in Rolandswerth, der vor einigen Jahren einem Blitz zum Opfer gefallen ist, zu den Importen. Auch er war als Naturdenkmal geschützt.

Ihren botanischen Namen "Sequonia Gigantea" verdankt die Baumart einem österreichischen Botaniker, der damit den Indianer Sequoyah ehren wollte.

Der wiederum hatte einen deutschen Vater, und sein Verdienst lag darin, dass er seinem indianischen Stamm der Cheroker die Schriftsprache gab, berichtet Rausch.

1862 muss die Pflanzung der Mammutbäume an Rhein und Ahr eine Sensation gewesen sein. Denn erst zehn Jahre zuvor hatten Naturforscher die Giganten in Kalifornien, an Standorten in 1 500 Meter Höhe, entdeckt. Sie schätzten sie zunächst auf 3 000 Jahre. Aber Schnittflächen zeigten, dass es weniger Jahre waren, immerhin aber noch 2 000.

Angeblich können Mammutbäume bis zu 150 Meter hoch werden. Auf dem Schild an dem Exemplar vor dem Kreishaus ist von 80 Metern die Rede, für Europa sind 40 Meter angegeben. Und die Bäume werden dick: Direkt über dem Boden kann der Stamm eines solchen Gehölzes einen Durchmesser von zwölf Metern erreichen, in 30 Meter Höhe noch von sechs Metern.

Georg Kreuzberg pflanzte das exotische Gehölz

Davon ist der Baum am Kreishaus weit entfernt. Aber: Er ist geschützt und kann noch wachsen. Denn das Landespflegegesetz legt fest, dass Naturdenkmäler nicht zerstört, beschädigt verändert oder nachhaltig gestört werden dürfen. Das gilt auch für ihre Umgebung. Und: Naturdenkmäler sollen als solche gekennzeichnet werden.

Die Obhut der Schützlinge liegt bei den jeweiligen Eigentümern. Sie müssen dafür sorgen, dass kein Schaden entsteht. Und: Sie müssen die Verkehrssicherheit gewährleisten, bei Bäumen etwa Totholz herausschneiden. Nur wenn etwa ein Baumdenkmal abgestorben ist oder andere wichtige Gründe gegen eine Fortführung des Schutzes sprechen, kann es aus dem besonderen Schutz entlassen werden.

Den Schutz beantragen können viele: Privatpersonen, Vereine, Kommunen. Auch der Kreis kann von sich aus tätig werden. Allerdings scheint das Anliegen nicht mehr besonders aktuell zu sein. Denn die Liste der Naturdenkmäler im Kreis ist in den vergangenen Jahren von 21 auf 17 geschrumpft.

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