Ditschardt-Tunnel in Altenahr: Der Fluchtstollen des Ditschardt ist so gut wie unbekannt

Ditschardt-Tunnel in Altenahr : Der Fluchtstollen des Ditschardt ist so gut wie unbekannt

Er ist so gut wie niemandem bekannt - und es ist gut, wenn man seine Bekanntschaft auch nicht machen muss. Denn dann wäre der Ernstfall eingetreten. Die Rede ist vom Fluchtstollen des Ditschardt-Tunnels, der rund 300 Meter parallel zur Röhre für den Straßenverkehr verläuft.

Er ist eine Nachrüstung, denn bei der Eröffnung des längsten Tunnels im Kreis Ahrweiler am 27. Mai 1998 durch den damaligen Bundesverkehrsminister Matthias Wissman gab es den Stollen noch nicht. Er kam dann zwölf Jahre später. Grund war die Novellierung der Richtlinie für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunneln (RABT) aus dem Jahre 2006.

Danach sind Tunnel mit einer Länge von mehr als 400 Metern mit Notausgängen in einem Abstand von weniger als 300 Metern auszubilden oder entsprechend nachzurüsten. Das traf auf den Ditschardt zu.

2,9 Millionen Euro ließ sich der Bund den Fluchtstollen kosten, der 2011 freigegeben wurde. Er beginnt am Rettungseingang auf der Nordseite in der Mitte des Tunnels und endet gegenüber dem Technikgebäude des Landesbetriebes Mobilität am Nordportal. Er ist 308 Meter lang, 2,25 hoch sowie 2,25 Meter breit und führt fast die gesamte Strecke geradeaus.

"Natürlich ist die Tür am Nordportal immer verschlossen, sonst könnte da ja jeder rein", sagte Frank Klapperich vom Landesbetrieb Mobilität am Tunnel dem General-Anzeiger.

"Die Tür geht nur von innen auf." Permanent zugänglich sei aber die Tür mitten im Tunnel, denn sie sei ja schließlich der Zugang zum Fluchtstollen.

Aber auch da gebe es "Scherzkekse, die nach Festen an der Ahr mal eben den Tunnel als Abkürzung nehmen wollen und dann die Stollentür öffnen." Was diese dann nicht wissen, erklärte Kapperich so: "Wenn die Tür zum Fluchtstollen geöffnet wird, geht der Alarm automatisch auf Handys der Straßenmeisterei." Dann greife der Kontrollautomatismus.

Der kann übrigens an mehreren Orten gleichzeitig stattfinden, ohne das jemand vor Ort im Tunnel davon etwas mitbekommt. Denn Monitore der Straßenmeisterei in Adenau und am Leittisch der Polizei in Bad Neuenahr-Ahrweiler zeigen quasi eine 24-Stunden-Live-Übertragung aus dem Ditschardt.

So könne im Ernstfall schnell reagiert werden. Wilfried Manheller von der Ahrweiler Wache: "Wir sehen nicht nur alles, wir können im Ernstfall auch Durchsagen machen oder auch die Schranken an den Portalen steuern." Bei der Straßenmeisterei ist das Haus der Tunnel-Technik am Nordportal gespickt mit Hightech.

Jede Funktion des Bauwerks kann von dort gesteuert werden. Von den Ampeln an den Eingängen bis zu den wie Düsentriebwerke anmutenden Riesenventilatoren an der Decke. Sie blasen bei Rauchentwicklung den Tunnel in Minutenschnelle leer, oder wie Klapperich sagt: "Wenn die auf vollen Touren laufen, dann brauchen wir keinen Kehrwagen mehr."