Neue Marketing GmbH: Der Ahrtal-Tourismus geht neue Wege

Neue Marketing GmbH : Der Ahrtal-Tourismus geht neue Wege

Die neue Stadtmarketing-Gesellschaft in Bad Neuenahr-Ahrweiler soll Arbeits- und Finanzkräfte in der Kreisstadt bündeln. Durch die neuen Strukturen sollen Synergien entstehen. Man will das Ahrtal gemeinsam aus einer Hand vermarkten.

Der Ahrtal-Tourismus geht als eingetragener Verein neue Wege. Wie berichtet, wird die für die touristische Vermarktung der Region zuständige und von der Stadt bislang erheblich mitfinanzierte Fremdenverkehrsorganisation einer neuen Gesellschaft angeschlossen, der Ahrtal und Bad Neuenahr-Ahrweiler Marketing GmbH. Ziel: Alle für die Standortvermarktung entscheidenden Kräfte sollen gebündelt und effizient aufgestellt werden. Neue Strukturen sollen Synergien schaffen.

Erstmals nach Bekanntgabe der Zusammenlegung und Übertragung der vielen Einzelakteure in eine Dachgesellschaft im vergangenen Dezember trafen sich nun die Mitglieder des Ahrtal-Tourismus, um der nicht ganz nebensächlichen Frage nachzugehen: Quo vadis? Schließlich war die bisherige Geschäftsführung der Tourismusorganisation abberufen und mitsamt des Ahrtal-Tourismus-Personals in die neue GmbH überführt worden, die fortan vom ehemaligen Chef der Heilbad GmbH, Christian Senk, geleitet wird.

Senks Ex-Gesellschaft geht ebenfalls in der Ahrtal und Bad Neuenahr-Ahrweiler Marketing GmbH auf. Wie auch die Wirtschaftsförderung der Kreisstadt, die Einzelhandelsbetreuung des „City-Managers“, die Aktivitäten des Vereins „Ahrwein“ oder die professionelle Begleitung der Werbegemeinschaften in Bad Neuenahr und Ahrweiler.

„Es macht Sinn, die Arbeits- und Finanzkräfte zu bündeln“, meinte der Vorsitzende des Ahrtal-Tourismus, Christian Lindner. Die „Marke Ahrtal“ gelte es gemeinsam zu vermarkten. Nicht nur vor dem Hintergrund, dass im Jahre 2022 die Landesgartenschau mit voraussichtlich rund einer Million Besuchern in der Kreisstadt stattfinden werde. Lindner: „Alleine können wir das nicht stemmen.“

In intensiven Gesprächen mit der Stadt habe sich der Vorstand dazu entschieden, die Geschäftsführung des Vereins abzuberufen und für die 15 Fachkräfte des Ahrtal-Tourismus neue Strukturen zu schaffen. „Wir stehen geschlossen hinter dieser Idee“, unterstrich Lindner. Und: „Wir sind in dem festen Glauben, dass dieser Weg der richtige ist.“

Keine schwere Hürde

Das betonte auch Kreisstadtbürgermeister Guido Orthen: „ Es gab viele Akteure in unterschiedlichen Branchen, eine Vernetzung und ein effektives Miteinander gab es nicht.“ Das solle mit der Ahrtal und Bad Neuenahr-Ahrweiler Marketing GmbH anders werden. Dabei werde die Arbeit der einzelnen Akteure aus Tourismus und Einzelhandel nicht obsolet: „Wir werden auch in Zukunft deren fachliches Input brauchen.“ Ob Ahrtal-Tourismus oder Werbegemeinschaften: Als „Politikberater“ würden sie auch in Zukunft gefragt sein.

Dies beispielsweise in einem nach der Kommunalwahl ins Leben zu rufenden Fachausschuss, der sich mit der Standortentwicklung zu befassen habe: „Nicht gegen- und nebeneinander, sondern miteinander“, wie Orthen hervorhob. „Alle, die in dieser Stadt wirtschaften, können dies sinnvoll nur gemeinsam tun“, so der Bürgermeister. Das branchenübergreifende Marketing bezeichnete der Stadtchef als „Wagnis“, das Mut erfordere. Und: „Die Anlaufphase wird nicht leicht sein.“

Zumindest nicht schwer war die Hürde, die er mit der Zusammenführung der an der Stadtvermarktung beteiligten Kräfte in der Mitgliederversammlung des Ahrtal-Tourismus zu nehmen hatte. Zustimmung und Wohlwollen brachte man den Plänen entgegen. Denis Hüttig (Steigenberger Hotel): „Man muss das Ganze sehen. Die gesamte Destination steht im Fokus, nicht das Einzelinteresse.“ Der bisherige Geschäftsführer des Ahrtal-Tourismus, Andreas Wittpohl, meinte: „Mit größerer Finanzkraft und gebündelter Strategie kann die Region besser vermarktet werden. Ich möchte, dass die Menschen noch neugieriger auf das Ahrtal werden. Mit einem geschlossenen Auftreten vergrößern sich unsere Chancen, das zu erreichen.“

Gerhard Kreuter, Ex-Chefarzt, verwies auf das in Bad Neuenahr so wichtige Standbein der Gesundheitswirtschaft, die ebenfalls von der Arbeit der neuen Gesellschaft profitieren könne. Dem schlossen sich die Werbegemeinschaften in Ahrweiler und Bad Neuenahr an. Deren bisherige ehrenamtliche Arbeit habe zu Überforderungen geführt, so Volker Danko (Bad Neuenahr) und Henrik Geschier (Ahrweiler). Die Stadtfeste könnten nun professioneller begleitet werden.

Peter Kriechel (Ahrwein e. V.) glaubt an mehr „Men-Power“ und Maternus Fiedler (Ahrtherme) sagte: „Wir wollen auf zu neuen Ufern. Es gibt so viele Anknüpfungspunkte. Es ist wichtig, sich zu verzahnen, um die gesamte Breite nutzen zu können.“

Günther Uhl, Hotelier in Bad Neuenahr, erklärte: „Wir werden mehr Geld als bisher brauchen, um die Stadt zu vermarkten.“ Der Bürgermeister vernahm es, verwies aber vorsichtig auf Umschichtungen.

Auf die Frage der örtlichen Dehoga-Vorsitzenden Marion Wenzel, warum die Mitglieder des Ahrtal-Tourismus nicht in die Entscheidung, neue Strukturen zu schaffen, eingebunden gewesen seien, antwortete Christian Lindner: „Der ein oder andere fühlt sich vielleicht etwas überrumpelt und nicht mitgenommen. Dafür kann ich mich nur entschuldigen. Es gab aber keinen anderen Weg.“ Der Vorstand hatte im Dezember die Entscheidung alleine getroffen.

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