Denkmäler im Siebengebirge - ganz und gar nicht trocken

Denkmäler im Siebengebirge - ganz und gar nicht trocken

"Orte des Genusses" standen am Sonntag auf dem Programm, und Weinkeller gehören eindeutig dazu

So präsentierte Winzer Karl Heinz Broel seinen Gästen nicht nur die schönen Jugendstilelemente am Wirtschaftsgebäude seines Weingutes in Rhöndorf, sondern zeigte auch noch das alte Kontor und die geschnitzten Fässer im historischen Weinkeller.

Genau am anderen Ende von Bad Honnef liegt das Weingut Menzenberg, dessen älteste Gebäudeteile erstmals in einer Verkaufsurkunde 1640 erwähnt werden, wie Helmut-Michael Möltgen seinen Besuchern berichtete. Voller Stolz konnte er ihnen auch ein Rebe "Eckenblut" von Karl Simrock zeigen, der nur wenige Meter entfernt im Haus Parzival seinen Wein angebaut und gekeltert hatte.

  • Obere Burg Rheinbreitbach: "Ganz so weit sind wir mit unseren Regent-Reben im Burghof noch lange nicht", erklärte der Vorsitzende des Förderkreises Obere Burg, Dietmar Ackermann. Noch muss der Verein auf den entsprechenden Ertrag warten und den Regent-Wein vom Bruchhausener Winzer Bruno Krupp beziehen."Aber wir sind ja auch eher für den kulturellen Genuss zuständig, seitdem der unvergessene Leonhard Reinirkens im Dezember 1993 damals noch im feuchten Gewölbekeller unsere Veranstaltungsreihe mit einer seiner Lesungen eröffnet hat", betonte der Vorsitzende. Dabei vergaß er nicht zu erwähnen, dass die Gäste vor den Konzerten und Kabarettabenden sowie während der Pause aber auch kulinarisch verwöhnt werden.

"Heute steht uns natürlich der Konzertraum im Süden des Gebäudes zur Verfügung, der erst im 18./19. Jahrhundert angebaut worden ist", erklärte Ackermann. Währenddessen führten die Vorstandsmitglieder Christa Schäfer und Altbürgermeister Manfred Königstein die Besucher durch das Gebäude, dessen ältester Teil über dem alten Gewölbekeller bereits Ende des 15. Jahrhunderts bestanden haben soll.

  • Heimatmuseum Rheinbreitbach: So alt ist der Weinkeller des Rheinbreitbacher Museums für Alltagsgeschichte bei weitem noch nicht. "Während das Haupthaus aus der Mitte des 17. Jahrhunderts stammt, ist der westliche Teil mit dem Blauen Salon und den darüberliegenden Räumen mit den Kölner Decken Mitte des 18. Jahrhunderts angebaut worden, wie ein Setzriss durch das Kellergewölbe und die Wände belegt", berichtete der Vorsitzende des Heimatvereins, Bernd Hamacher.Nicht nur die Größe des Gewölbekellers identifiziert das Gebäude als Winzerhof. "Wir haben auch die Leiter gefunden, über die schwere Fässer die breite Bruchsteintreppe in den Keller transportiert wurden, bevor sie dort über die beiden niedrigen Mauern in ihre Position gerollt wurden", erklärte Hamacher, dessen Verein in jahrelanger Arbeit aus dem alten Winzerhof ein wahres Schmuckstück gemacht hat.

Direkt neben dem Eingang zum Weinkeller, in der ehemaligen Waschküche, ist ein alter, fahrbarer Backofen untergebracht, in dem etwa beim Museumsfest Steinofenbrot gebacken wird. "Und in Omas Küche finden sich jede Menge uralte Gerätschaften für kulinarische Genüsse wie schwere Waffeleisen oder eine Wurstmaschine", ergänzte Hamacher. Ganz zu schweigen von dem neu angelegten Bauerngarten hinter dem Brunnen, in dem Bohnen, Kohlrabi und andere Gemüsesorten und Kräuter angebaut werden.

  • Adenauerhaus Rhöndorf: Dass auch der erste Bundeskanzler, Konrad Adenauer, ein ausgesprochener Gartenfreund war, belegen nicht zuletzt seine Erfindungen wie der Einhand-Gartenschlauch, die Harke mit Hammerkopf oder die Gießkanne mit abklappbarem Brauseteil. "Das Ergebnis seiner Bemühungen, der wunderschön angelegte Garten, ist ein optischer Genuss, und das gilt nicht nur für die von ihm so geliebten Rosen", erklärte Geschäftsführerin Corinna Franz beim vierten Gartenfest im Adenauerhaus.Das stand unter dem Motto "Vor 60 Jahren wurde Staat gemacht", und entsprechend warteten auf die Besucher auch jede Menge Informationen und Filmsequenzen über den Parlamentarischen Rat und den Weg zum Grundgesetz. Eine Spiele- und Bastelecke sowie ein Quiz unterhielten vor allem die kleinen Besucher.

Die waren zuvor den roten Pfeilen mit der Aufschrift "Zur Adenauer Wurst" folgend die Serpentinen hinauf zum Wohnhaus hinaufgegangen. "Metzgermeister Hans Boecker, der den “Alten aus Rhöndorf„ während seiner Ausbildung im elterlichen Geschäft in Bad Honnef bei den Auslieferungen der Bestellungen noch bei der Gartenarbeit erlebt hat, hat für unser erstes Gartenfest eine fleischlose Wurst entwickelt", erinnerte Franz. Mit einer solchen "Leberwurst ohne Leber" wollte Adenauer als Erster Beigeordneter der Stadt Köln während des Ersten Weltkriegs die Hungersnot der Bevölkerung lindern.

"Ohne Rezeptvorlage habe ich aber ziemlich lange experimentieren müssen, bis es mir gelungen ist, fehlendes tierisches Eiweiß durch pflanzliches zu ersetzen", gestand Boecker, der als Lehrer am Berufskolleg Rhein-Sieg mit seiner Fleischer-Mittelstufe mittlerweile zum festen Bestandteil des Gartenfestes gehört.

Durch die Nordsee-Blockade Englands kam kein Getreide mehr aus Nordamerika nach Deutschland. Nur Mais und Soja konnten aus dem noch neutralen Rumänien importiert werden. "Aber Sojamehl hat viele Bitterstoffe, und wenn man ihm diese entzieht, hat es kaum noch Geschmack", beschrieb Boecker die Schwierigkeiten des Erfinders Adenauer, der mit den Brüdern Jean und Josef Oebel das Problem löste.

Während der Metzger bei der Adenauer-Wurst auf kein Rezept zurückgreifen konnte, wusste der Rhöndorfer Bäcker Peter Profittlich schon 1987 genau, dass Aden-auer den Teig des "Rheinischen Schrotbrotes" aus Mais-, Gersten-, etwas Reismehl und aus Weizenkleie gemischt hatte.

"Ballaststoffreich, bekömmlich vor allem für Allergiker, aber im Geschmack schon gewöhnungsbedürftig, eben ein Notbrot", charakterisierte er das von ihm gelieferte Patent-Brot des ersten Bundeskanzlers, das aber beim Gartenfest zusammen mit der Adenauer-Wurst reißenden Absatz fand.

Mehr von GA BONN