GA-Serie "Rheinische Redensarten": Dat sin dem Pastur sing Duve

GA-Serie "Rheinische Redensarten" : Dat sin dem Pastur sing Duve

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir bedeutungstiefe Redewendungen.

Der christlich-katholische Glaube scheint Teil der DNA des herkömmlichen Rheinländers zu sein. Der Kirchgang am Sonntag etwa war zumindest lange obligatorisch. Auch wenn die Männer meist hinten im Kirchraum stehen blieben, um gegebenenfalls rasch den Rückzug antreten zu können.

Ein aussichtsreicher Thekenplatz für den Frühschoppen ist dann das höchste Ziel. An dieser Szene kann man schon die pragmatische Grundhaltung des Rheinländers gegenüber der Kirche ablesen. Praktizierter Glaube ja, aber übertriebener Konvertiteneifer nein. Ja, er scheint immer eine kleine ironische Abgrenzung in der Hinterhand zu haben.

Das erkennt man auch der rheinischen Redensart: „Dat sin dem Pastur sing Duve.“ Übersetzung in Hochdeutsche: Das sind die Tauben des Pastors.

Aber wer oder was ist damit gemeint? Wer sich jetzt auf seine Bibelfestigkeit besinnt, gerät schon auf Abwege. Denn in der Bibel steht die Taube in allererster Linie mal für den Heilige Geist. Und dann ist sie noch die Friedenstaube, die nach der Sintflut den neuen Bund zwischen Gott und den Menschen darstellt. Diese Symbolik ist aber hier ganz und gar nicht angesprochen. Leider ist und bleibt dieser Erklärungsansatz eine Sackgasse!

Ja, das Ganze hat einen viel profaneren und handfesteren Hintergrund. Denn es ist gemeint, dass die „Tauben des Pastors“, ebenso wie er selbst, ganz in Schwarz gekleidet sind. Die augenzwinkernde Bemerkung richtet sich also ganz offensichtlich gar nicht auf die christliche Symboltaube, sondern auf die schwarzgefiederten Raben und Krähen.

Und so kann es sein, dass der Hinweis auf die „Tauben des Pastors“ heutzutage öfter auftaucht als in der Vergangenheit, denn die Krähen haben sich in den vergangenen Jahren rasant vermehrt. Sehr zu Ungunsten der heimischen Singvögel. Schon ist die Rede von einer Krähenplage. Allerdings steht die Vogelart nach wie vor unter Artenschutz. Und da hat der Pastor noch nicht mal was mit zu tun.

Haben auch Sie einen rheinischen Lieblingsspruch, dann mailen Sie ihn uns unter rheinisch@ga-bonn.de. Die „Rheinischen Redensarten“ aus der wöchentlichen Kolumnenserie des General-Anzeigers sind als Buch erschienen und im Handel zu haben.