Das Ende einer tagelangen Suche

Das Ende einer tagelangen Suche

Feuerwehrleute bergen am späten Donnerstagabend eine zweite Leiche

Köln. Sie haben gehofft, bis zuletzt, die Angehörigen und Freunde von Khalil G. Auch wenn die Hoffnung, den 24-Jährigen lebend wiederzusehen, mit jedem Tag, der nach dem Einsturz des Stadtarchivs verstrichen ist, sank.

Seit Donnerstagabend nun haben sie Gewissheit: Es gib einen zweiten Toten an der Severinstraße. Vier Tage, nachdem sie die Leiche des 17-jährigen Kevin K. aus den Trümmern des Archivs und der beiden angrenzenden Häuser geborgen haben, finden Feuerwehrleute einen zweiten Leichnam. Mit "an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" Khalil, sagt Polizeisprecherin Miriam Brauns. "Die Anhaltspunkte sprechen dafür, dass es sich um ihn handelt."

Gegen 18.20 Uhr entdecken die Helfer rund um Feuerwehrchef Stephan Neuhoff nahe der Kellerwand des Archivs ein Bein zwischen den Trümmerteilen. Erst am Morgen, das Haus Severinstraße 232 ist wie geplant abgerissen, können sie die Suche nach dem jungen Mann, der an der Hennefer Rhein-Sieg-Kunst-Akademie studiert, fortsetzen. Spürhunde schlagen dort an, wo einmal der Keller des Hauses war, in dessen Dachgeschoss Khalil gelebt hat. "Vorsichtig optimistisch" ist Stephan Neuhoff da, dass man den 24-Jährigen binnen der nächsten zwei Tage findet.

So lange müssen die Feuerwehrmänner und THW-Kräfte nicht suchen. In neun Metern Tiefe stoßen sie zunächst auf ein Bein. Nur wenige Meter von der Stelle entfernt, wo Khalils Nachbar Kevin gefunden wurde, allerdings sehr viel tiefer. "Wir sind froh, dass wir ihn gefunden haben", gesteht ein Feuerwehrsprecher kurz nach dem Fund.

Vorsichtig, mit den Händen räumen die Rettungskräfte die Schuttteile beiseite. Doch die Bergung gestaltet sich schwierig. Geröll rutscht immer wieder nach. Eine Betonplatte liegt im Weg, sodass erst noch ein Bagger geholt werden muss, um diese beiseite zu schaffen. Gegen 21 Uhr ist es geschafft, der männliche Leichnam ist geborgen und kurz darauf auf dem Weg in die Gerichtsmedizin. Zur Obduktion und Identifizierung.

Derweil setzen sich Opferschützer mit Khalils Eltern in Verbindung. Bringen ihnen schonend bei, dass ihr Sohn vermutlich gefunden wurde. Hören nach, ob sie sich den schweren Gang in die Gerichtsmedizin zutrauen. In der Nacht zu Mittwoch noch war die Familie zusammen mit Oberbürgermeister Fritz Schramma an der Unglücksstelle, um sich ein Bild von den Rettungsarbeiten zu machen. "Dem Vater ging es um ein Ende der Ungewissheit", berichtet Schramma anschließend. "Er will seinen Sohn sehen."

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