Das Ende einer politischen Freundschaft in Remagen

Das Ende einer politischen Freundschaft in Remagen

Streit zwischen Remagens Bürgermeister Herbert Georgi und Ratsmitglied Reinhold Langen eskaliert. Werner Jung widerruft Austritt

Remagen. "Es ist vermutlich der letzte Versuch, die Stimmung zu kippen." Remagens Bürgermeister Herbert Georgi (CDU) hat für den Austritt der fünf Mitglieder der CDU-Fraktion ebenso wenig Verständnis wie die in der Fraktion verbliebenen sechs Ratsmitglieder der Union.

Wie berichtet, hatten Rudolf Ninow, Beate Schleitzer, Werner Jung, Stefan Kirwald und Reinhold Langen am Wochenende ihren Austritt aus der stärksten im Stadtrat vertretenen Fraktion erklärt.

Inzwischen hat Jung seinen Austritt widerrufen. Er habe "vorschnell gehandelt" ließ er am Montag wissen. In einem vierseitigen Brief hatten die aus der Fraktion ausgetretenen Kommunalpolitiker zuvor dem Stadtoberhaupt Zweifel an der Erfüllung der Amtspflichten vorgeworfen, von Vertrauensverlust und mangelnder Integrität gesprochen.

Was war am Samstag in der Oedinger Gaststätte "Breuer" geschehen? Dort hatten sich die Christdemokraten eigentlich zur Fraktionssitzung getroffen, nicht zuletzt auch, um die am Montagabend stattgefundene Ratssitzung vorzubereiten. Fraktionschef Rudi Ninow verlas in Gegenwart des zur Sitzung erschienenen Bürgermeisters die harsche Erklärung der fünf Fraktionsmitglieder.

Danach wechselten die zu diesem Zeitpunkt dann schon Ex-Fraktionsmitglieder die Gaststätte und zogen in den "Schweizer Hof". "Wer mit kommen will, der kann das jetzt tun", sagte einer der Ratsvertreter, die Georgi den Rücken gekehrt hatten. Es kam aber keiner mit. Zurück blieb vielmehr eine reichlich konsternierte Rest-Fraktion, die nun interimsmäßig fortan von Walter Köbbing geführt werden soll.

Hintergrund der kommunalpolitischen Eskapade ist die Auseinandersetzung zwischen Bürgermeister Herbert Georgi und dem CDU-Ratsmitglied Reinhold Langen. Gegen ihn hatte der Remagener Bürgermeister ein Ermittlungsverfahren in Gang gesetzt, nachdem der Verdacht aufgekommen war, der Ratsvertreter habe sein Mandat in einer Berufsangelegenheit missbraucht. Zwar wurde das Ermittlungsverfahren gegen Langen eingestellt, doch Georgi und Langen waren fortan keine (Partei-)Freunde mehr. Hinter den Kulissen ging es seither hart und nicht mehr herzlich zu.

Für Georgi steht fest, dass der Wochenend-Coup der fünf Ratsmitglieder ein letztes Aufbäumen war. Denn nach Wahrnehmung des ersten Bürgers der Stadt sei die Stimmung in der CDU gerade in den vergangenen Monaten positiv für den Bürgermeister gewesen. Der Versuch, dies zu ändern, sei zwar am Samstag erkennbar gewesen, werde jedoch keinen Erfolg haben, hofft Georgi.

Immerhin: Er will im November wieder von der CDU zum Bürgermeisterkandidaten gekürt werden. Eine schlechte Stimmungslage an der Basis könnte diesem Vorhaben sehr schaden. Dass dies so kommt, glaubt Georgi nicht. Er sieht die jetzt nur noch vier Fraktionsabgänger statt dessen eher isoliert.

Eine wichtige Rolle kommt nun den Ortsvorsitzenden der CDU zu. Sie sieht der Remagener Bürgermeister jedoch durchaus auf seiner Seite. Joachim Titz, Stadtverbandschef der Remagener CDU, hat bereits vor Wochen angekündigt, nicht erneut zu kandidieren. Den Vorsitz wird er in Kürze abgeben. Der "Fall Georgi/Langen" habe zu sehr an den Nerven gezehrt, erklärte er. Das wird in den nächsten Wochen wohl noch stärker der Fall sein. Kein leichter Anfang für Titz' Nachfolger.

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