Buschhoven bleibt von Quarzabbau verschont

Buschhoven bleibt von Quarzabbau verschont

Nach jahrelangem Tauziehen zeichnet sich ein Kompromiss für die Ausweisung weiterer Quarzabbaugebiete in der Region ab.

Die Konzentrationszone soll allein an der Schmalen Allee in Witterschlick ausgewiesen werden. Der dortige Tagebau soll sich erweitern können. Damit wäre die Abbauerweiterung in Flerzheim, die von der Bezirksregierung zusätzlich angestrebt war und die vor allem den benachbarten Buschhovenern Sorgen macht, vom Tisch. CDU, SPD, FDP und Grüne wollen am Freitag im Regionalrat einen entsprechenden Beschluss fassen.

Das erklärten Fraktionsvertreter gestern auf GA-Anfrage. Nach dem Beschluss soll die Kölner Bezirksregierung die Änderung des Regionalplans in die Wege leiten.

Aus rechtlichen Gründen muss die Bezirksregierung im Regionalplan eine Konzentrationszone für den Abbau hochreiner weißer Quarzkiese zulassen. Die Behörde geht für die nächsten 25 Jahre von einem Bedarf von 6,7 Millionen Tonnen aus. Das gibt der Plan in der jetzigen Form nicht her, deshalb könnten Unternehmen Abbaugenehmigungen einklagen.

Vier Standorte hat die Bezirksregierung im ständigen Ringen mit Politik, Bergbaufirmen und Landschaftsschützern untersucht: Weilerswist-Nord, das Gebiet "Sonnenhof" oberhalb von Bornheim-Rösberg, Rheinbach-Flerzheim und Witterschlick-Süd. Gegen die lange politisch gewünschte Variante Weilerswist wehrt sich die Kölner Behörde hartnäckig, weil ein FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) tangiert wäre.

Auch vom Plan "Sonnenhof" hat sie Abstand genommen, gegen den der Landschaftsschutzverein Vorgebirge (LSV) mobil machte. So schlug die Bezirksregierung zuletzt vor, die Konzentrationszone auf Flerzheim und Witterschlick aufzuteilen, wo das Kieswerk Rheinbach beziehungsweise die Quarzwerke je einen Tagebau betreiben. Die Flerzheimer Erweiterung würde jedoch nahe an Buschhoven heranrücken. Die Sorgen in dem Ort reichen von Lärm- und Staubbelästigung über die Zerstörung des Römerkanals bis hin zu negativen Folgen für das Grundwasser.

Mehr Potenzial als erwartet

Die Regionalratsfraktionen haben einen Weg gefunden, Flerzheim außen vor zu lassen. Es gibt auf dem Gelände der Quarzwerke Witterschlick mehr Potenzial als bisher angenommen: "Wenn man einen Teil der Betriebsanlagen versetzt, kann man man an dieser Stelle so hohe Rohstoffmengen gewinnen, dass der Abbau in Flerzheim verzichtbar ist", sagt SPD-Regionalratsmitglied Achim Tüttenberg. Die Bezirksregierung habe die Vorschläge "als machbar eingestuft". Deren Sprecher Oliver Moritz hielt sich gestern bedeckt, erklärte aber, dass die Bezirksregierung an die Weisungen des Regionalrats gebunden sei.

Die Idee mit dem Versetzen der Witterschlicker Betriebsanlagen geht auf die dortigen Quarzwerke zurück. "Das ist eine naheliegende Lösung, die ökonomisch und ökologisch sinnvoll ist", sagte Geschäftsführer Martin Ziegler auf Anfrage. So werde beispielsweise der Flächenverbrauch gering gehalten. Die Anlagen könnten auf bereits ausgeschöpftes und rekultiviertes Gelände versetzt werden.

"Uns ist wichtig, dass Flerzheim nicht zum Tragen kommt und dass wir eine rechtssichere Lösung bekommen", so das Swisttaler Regionalratsmitglied Brigitte Donie (CDU). Das sei mit der Konzentration auf Witterschlick gegeben. Ähnlich äußerten sich Rolf Beu (Grüne) und Rudolf Finke (FDP).

Gerd Pflaumer, stellvertretender Vorsitzender des Landschaftsschutzvereins Kottenforst (LSK) in Buschhoven, zeigte sich erfreut: "Wenn es so kommt, hat sich unser jahrelanger Kampf ausgezahlt." Auch Michael Pacyna vom Bornheimer LSV sieht die jüngste Entwicklung positiv, sagt aber: "Wir hoffen, dass der überarbeitete Regionalplan auch tatsächlich wasserdicht ist. Mit Sicherheit werden die Abbaufirmen, die nicht zum Zuge kommen, eine Überprüfung anstreben." [kein Linktext vorhanden]

Mehr von GA BONN