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Bundespolizisten vom Flughafen Köln/Bonn trainieren Afghanen

Bundespolizisten vom Flughafen Köln/Bonn trainieren Afghanen

Seit zehn Monaten unterhalten die Bundespolizisten eine Partnerschaft mit der Afghan National Border Police. Die Aufenthalte im Kriegsland sind alles andere als eine Vergnügungstour.

Das Büro von Polizeidirektor Walter Dederichs im dritten Stock des Terminal 1 schmückt an der einen Wand ein gewaltiger Lageplan des Flughafens Köln/Bonn, an der gegenüberliegenden Wand eine Reihe gerahmter Fotos, die einen Flugplatz zeigen, der so gar nichts gemein hat mit dem modernen Airport in der Wahner Heide.

"Das ist der internationale Flughafen von Kabul", klärt der 52-jährige Leiter der Bundespolizei-Inspektion auf. "Seit zehn Monaten unterhalten wir eine Patenschaft mit der dortigen Afghan National Border Police."

Das bedeutet: Regelmäßig reisen Teams der Bundespolizei für rund zehn Tage von Köln/Bonn nach Kabul, um dort afghanische Grenzpolizisten auszubilden, die für die Sicherheit des Hauptstadt-Flughafens verantwortlich sein sollen.

Umgekehrt reisen afghanische Grenzpolizisten in die Wahner Heide, nächsten Monat wieder eine zehnköpfige Delegation, um hier in gelebter Praxis zu lernen. "Wir müssen allerdings nicht bei null anfangen", versichert Dederichs. "Um die Grundausbildung der afghanischen Polizeibeamten kümmert sich GPPT."

"German Police Project Team"

Rund 200 deutsche Polizeibeamte aller Fachrichtungen aus Bund und Ländern bringen einheimischen Aspiranten in Afghanistan zunächst einmal das Einmaleins der Polizeiarbeit bei. Kein westlicher Staat engagiert sich speziell auf diesem Feld so sehr wie die Bundesrepublik.

So lag es nahe, dass die afghanische Regierung in Kabul das deutsche Innenministerium in Berlin bat, auch die Fachausbildung der Grenzpolizisten am einzigen internationalen Airport des Landes am Hindukusch zu übernehmen. In Berlin entschied man sich für die erfahrene Bundespolizei-Inspektion am Flughafen Köln/Bonn.

"Wir haben zunächst einmal die Gegebenheiten vor Ort studiert", schildert Dederichs die Anfänge der Zusammenarbeit. "Denn es hat keinen Zweck, den afghanischen Kollegen eine Struktur überzustülpen, die nicht zu ihrer Realität passt." Schließlich formulierten die deutschen Spezialisten vier zentrale Projekte: Aufbau einer funktionsfähigen Einsatzleitzentrale in Kabul, eines Entschärfer-Teams für Koffer-Bomben und eines Schichtdienst-Managements; ferner ein intensives Dokumenten-Training, um gefälschte Pässe zu erkennen.

Harter Arbeitsalltag

Dederichs und seine Leute haben es mit einer für afghanische Verhältnisse handverlesenen Truppe zu tun: Jeder, der am Flughafen Kabul arbeiten will, muss lesen und schreiben können.

Das ist nicht selbstverständlich in einem Land mit 70 Prozent Analphabeten - eine Folge der Kulturfeindlichkeit der lange herrschenden Taliban. Auch Frauen arbeiten inzwischen bei der Grenzpolizei - sie tragen Uniform und Kopftuch. Schließlich muss sich ein internationaler Flughafen auch in einem muslimischen Land internationalen Regeln unterwerfen. Und da wird weibliches Personal für die Sicherheitsüberprüfung weiblicher Fluggäste benötigt.

Die Aufenthalte der deutschen Bundespolizisten vom Flughafen Köln/Bonn im Kriegsland Afghanistan sind alles andere als eine Vergnügungstour. Sie wohnen in einem hoch gesicherten GPPT-Camp, tragen stets ihre Dienstwaffe bei sich, legen täglich die 20 Autominuten bis zum Airport in gepanzerten Fahrzeugen zurück, nehmen jeden Tag eine andere Wegstrecke. Belohnt werden sie mit der großen Freundlichkeit, Aufgeschlossenheit und Wissbegierde der afghanischen Polizisten, die dankbar sind, von ihren Kollegen aus dem Rheinland lernen zu dürfen. [Der Kabul International Airport]