Bundespolizei stellt Zivilschutz-Hubschrauber außer Dienst

Bundespolizei stellt Zivilschutz-Hubschrauber außer Dienst

Mehr als 500 000 Rettungseinsätze - Maschinen werden verkauft

Sankt Augustin. In etwa 100 Metern Höhe und im Formationsflug schwebten am Donnerstag die fünf orangen Rettungs-Hubschrauber vom Typ Bo 105 über dem Flugplatz ein. Unten warteten zahlreiche Schaulustige und richteten Kameras und Fotohandys auf die Hubschrauber. Denn dieses Bild wird es so nicht mehr geben.

Die Fliegergruppe der Bundespolizei stellt die letzten fünf Zivilschutzversionen des Typs, zu denen auch der in Köln stationierte Rettungshubschrauber "Christoph 3" gehörte, außer Dienst. Keine Bange. Der Nachfolger vom Typ Eurocopter EC 135 T2i wird bereits in Hangelar lackiert. Trotzdem war am Donnerstag auch ein Stück Wehmut im Spiel.

Zu jenen, die anlässlich des "Fly outs" der fünf Bo 105 die Augen gen Himmel richteten, gehörte auch der 67-jährige Wolf Schattka. Schließlich flog in der Formation auch "seine" alte Maschine mit der Kennung "D-HGSC" mit, die Schattka, er weiß es noch ganz genau, am 18. Dezember 1971 werkneu in Empfang genommen hatte. "Mit dem damaligen Innenminister Hans-Dietrich Genscher haben wir damals mit der Maschine die Station Christoph 3 eröffnet.

Seitdem hat der Hangelarer Schattka als Fluglehrer und Rettungsflieger zahllose Stunden auf dem Hubschrauber absolviert und ist immer noch voll des Lobes: "Auch wenn die sehr direkte Steuerung Vor- und Nachteile mit sich brachte, war die Bo 105 dank ihrer zwei Treibwerke sehr sicher." Mit der Maschine habe man auch dann über Kölner Stadtgebiet fliegen können, wenn ein Triebwerk ausgefallen wäre.

Große Stücke auf die gute alte "Bo" hält auch Gunter Carloff, Leiter der Fliegergruppe der Bundespolizei und damit Herr über rund 90 Hubschrauber und 900 Beschäftigte: "Dieser Hubschrauber hat wesentlich zum Erfolg des deutschen Rettungsdienstes beigetragen, der als einer der besten in der Welt gilt", sagte Carloff am Donnerstag.

Die Mehrzahl der 500 000 Rettungseinsätze, die Piloten der Bundespolizei mit dem Rettungshubschrauber geflogen seien, gingen auf das Konto dieses Typs. Carloff verbindet zudem selbst höchst Emotionales mit der Bo. Ende der 70er Jahre flog er einen Handwerker ins Krankenhaus, der aus drei Meter Höhe gestürzt war. Zwar habe der Mann keine erkennbaren Verletzungen gehabt, doch auf dem OP-Tisch stellten sich schwerste innere Blutungen heraus.

Der Arzt bescheinigte dem Piloten später: Ohne den raschen Transport mit dem Hubschrauber, wäre der Patient gestorben. "So etwas zu erleben, war für mich so ein ganz starke Motivation." Ein Trostpflaster: Die geschätzten Bo landen keineswegs auf dem Schrott, sondern werden über das Verwertungsunternehmen des Bundes verkauft. Dank ihres guten Zustand kann der Bund mit einem sechsstelligen Erlös rechnen - pro Maschine versteht sich.

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