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Breniger Quarzsandgrunde: Wo Fuchs und Frosch sich gute Nacht sagen

Breniger Quarzsandgrunde: Wo Fuchs und Frosch sich gute Nacht sagen

In diesen Tagen bringt der BUND dank der Unterstützung durch die NRW-Stiftung den Kauf vom Insolvenzverwalter der Quarzwerke Bonn in trockene Tücher. Für den General-Anzeiger hat der Rhein-Sieg-Kreis eine Rundgang in der Grube genehmigt.

Bornheim-Brenig. Mit spitzem Schrei schwingt sich ein Mäusebussard in die Luft. Er schlägt ein paar Mal mit seinen Flügeln, dann zieht er seine Kreise, auf der Suche nach Beute. Das Revier unter ihm ist die ehemalige Quarzsandgrube zwischen Brenig und Roisdorf.

Hier tummeln sich nicht nur Mäuse, die Beute des Greifvogels. Auch der Fadenmolch, die Erdkröte und zahlreiche Vogelarten fühlen sich hier wohl. Und Achim Baumgartner, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im Rhein-Sieg-Kreis.

Mit vorsichtigen Schritten bewegt er sich durch das Gelände hindurch. Denn unter seinen Füßen ist Leben: Kleine Insekten wie Wildbienen oder Laufkäfer nutzen die sandigen Flächen in der Talsohle, um dort ihre Eier zu legen oder nach Nahrung zu suchen. Baumgartner registriert gewissenhaft jede Beobachtung, schließlich ist der Nachweis einer großen Artenvielfalt in der Quarzsandgrube wichtig für die Förderung von Naturschutzprojekten.

Das größte Projekt dieser Art ist für den BUND der Kauf der Grube selbst: In diesen Tagen bringt der Verein dank der Unterstützung durch die NRW-Stiftung den Kauf vom Insolvenzverwalter der Quarzwerke Bonn in trockene Tücher. Für den General-Anzeiger hat der Rhein-Sieg-Kreis eine Rundgang in der Grube genehmigt, an dem auch die BUND-Mitglieder Hans Thesen und Andreas Owald teilnehmen.

"Als wir der NRW-Stiftung Fotos von der Quarzgrube geschickte haben, wunderten die sich über den vielen Schnee auf den Bildern", sagte Baumgartner: der schneeweiße Quarzsand hatte zunächst für Verwirrung gesorgt. Gerade dieser Sand, gegen dessen Abbau die Umweltschützer der Region jahrzehntelang gekämpft hatten, ist wertvoll für die Tierwelt: Viele Arten brauchen den trockenen Boden, der von der Sonne aufgewärmt wird. "Das tolle ist die Kombination der sandigen Böden mit Kiesflächen und lehmigem Flächen", schwärmt Baumgartner von den Eigenschaften des Breniger Biotops.

Unweit der weißen Dünen am tiefsten Punkt der Grube hat sich Wasser zu kleinen Tümpeln angestaut. Kröten und Frösche legen hier ihren Laich ab, die erwachsenen Tiere tummeln sich zu Dutzenden im Wasser. Nur ein Steinwurf weiter umgibt Wald die offene Grube. Laut Jägern verstecken sich hier zahlreiche Füchse, auch ein Wildschwein, eine Bach mit Frischlingen, soll sich hier umgesehen haben.

An einer Stelle des Wegs liegt lautes Summen eines Bienenvolks in der Luft. Tatsächlich hat also der Mensch mit seinen Baggern die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass hier eine Idylle entstehen konnte. Um sie zu erhalten, darf der Mensch sie aber außer für Pflegemaßnahmen nicht mehr betreten.

Doch daran halten sich viele bisher nicht, so Baumgartner. Motorradspuren, Kugeln von Luftdruckpistolen, verbranntes Gras, aber auch die Hinterlassenschaften von Kindergebutstagsfeiern sind deutliche Zeichen dafür. "Für viele ist das hier ein Abenteuerspielplatz", sagt der BUND-Mann.

Schon bald sollen Schilder am Außenzaun darauf hinweisen, dass es sich vielmehr um ein Naturschutzgebiet handelt, dass nicht betreten werden darf. Schließlich ist diese Landschaft, die der von Binnendünen und freie Flussläufen entspricht, überaus selten geworden in Deutschland. Um Interessierten Naturfreunden trotzdem einen Einblick zu gewähren, bieten der Heimat- und Eifelverein sowie der BUND Führungen durch die Grube an.

Der Mäusebussard wird diese Unterbrechungen seiner Ruhe hinnehmen können - schließlich verdankt er diesen Naturfreunden, dass die Lkws der Kiesabbauunternehmen nie wiederkehren. Zehn Jahre lang, von 1978 bis 1988, hatten sie insgesamt 3,2 Millionen Tonnen Sand und Kies abgefahren, so Baumgartner.