Bombe wurde schon vor 60 Jahren entschärft

Bombe wurde schon vor 60 Jahren entschärft

Feuerwerker finden den 2,5-Zentner-Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg in drei Metern Tiefe - Geplante Evakuierung der Siegburger Innenstadt ist nicht mehr nötig

Siegburg. "Ich glaube, wir haben sie." Um 11.48 Uhr sorgten diese Worte für Aufregung bei dem kleinen Trupp, der sich auf einem Baugrundstück am Siegburger Leinpfad, direkt am Mühlengraben, versammelt hatte. In etwa drei Metern Tiefe legte der Baggerführer am Dienstag ein Stück der Bombe frei, die genau an dieser Stelle vermutet worden war.

Rund 25 Minuten später gab es Entwarnung: "Die Bombe ist bereits entschärft", verkündete Feuerwerker Heinz Luerweg vom Kampfmittelräumdienst. Die für Mittwoch geplante großräumige Evakuierung ist nicht mehr nötig.

Seit dem Morgen waren am Dienstag die Kampfmittelräumer aus Köln, Vertreter des Siegburger Ordnungsamtes und der Bezirksregierung vor Ort.

Schon Ende vergangener Woche hatte die Stadt Vorbereitungen für die Evakuierung von Teilen der Innenstadt inklusive Bahnhof getroffen. Sogar Züge und die Bahnlinie 66 sollten für die Dauer der Entschärfung Siegburg meiden. Stattdessen herrscht am Mittwoch Alltag.

Erleichtert erledigte Ordnungsamtsleiter Heinz-Gerd Wiemar noch an der Fundstelle die ersten Anrufe bei Polizei und Ordnungsamt. Denn anstelle einer Fünf-Zentner-Bombe förderten die Fachleute "nur" eine amerikanische 2,5-Zentner-Bombe zutage - ohne Zünder.

"Das deckt sich mit den Angaben eines Zeitzeugen", sagte Luerweg. Der hatte vor 60 Jahren beobachtet, dass Wehrmachts-Pioniere hinter seinem Haus einen Blindgänger entschärften. Er selbst hatte die Bombe dann mit einer Sackkarre in den Bombentrichter gerollt und diesen mit Schutt abgefüllt. Da nun auf dem Grundstück zwei Häuser entstehen sollen, erinnerte der Mann sich an den Blindgänger.

Experten werteten Luftbildaufnahmen von 1944/45 aus und bestätigten Abwürfe an dieser Stelle. Am 28. Dezember 1944 hatte es einen schweren Luftangriff auf Siegburg gegeben.

Auf der Suche nach der Bombe trugen die Kampfmittelräumer am Dienstag vorsichtig das Erdreich ab. Und fanden dabei zunächst andere Relikte des Zweiten Weltkriegs: das Rohr einer Panzerfaust, Bombensplitter und einen Säbel, den die Finder auf Ende des 19. Jahrhunderts schätzten. "Der ist etwas fürs Museum", befand Wiemar. Ob es sich tatsächlich um ein wertvolles Fundstück handelt, muss jedoch erst noch genauer untersucht werden.

Als die Bombe entdeckt wurde, mussten die Zuschauer weichen. Schnell stellten Luerweg und sein Kollege fest, dass der Zünder bereits entfernt war. "Die ist transportsicher", erklärte der Feuerwerker. So wurde der Sprengkörper schon kurz danach in einen Bunker in der Wahner Heide gebracht, wo er zwischengelagert wird.

Übrig bleibt ein Berg Schutt, den der Grundstückseigentümer entsorgen muss. In den Trichter zurück schütten darf er ihn nicht. Die Kosten für die Suche nach der Bombe und den Abtransport zahlt das Land. Dass sich dort am Mühlengraben noch weitere Blindgänger im Boden befinden, glaubt Luerweg nicht. Aber: "Ein Restrisiko bleibt immer."

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