Bobby-Car-Fahrer von drei bis 55

Bobby-Car-Fahrer von drei bis 55

Keine Altersgrenze beim Rennen der "Rutschautos" in Bandorf: "Lauflernfahrzeug" oder "Rutschauto" ist die offizielle Bezeichnung des meist roten, knapp 60 Zentimeter langen und etwa 40 Zentimeter hohen Plastikautos.

Bandorf. (ln) "Lauflernfahrzeug" oder "Rutschauto" ist die offizielle Bezeichnung des meist roten, knapp 60 Zentimeter langen und etwa 40 Zentimeter hohen Plastikautos. Wer den dreijährigen Ian Serfling mit diesen Begriffen konfrontiert, erntet lediglich einen fragenden Blick.

Klar, denn für ihn ist das Bobby-Car ein Rennauto. Gemeinsam mit vier Altersgenossen zählte der Dreikäsehoch aus Bonn am Sonntag zu den jüngsten Piloten, die mit ihren Mini-Flitzern bei den vierten offenen Bandorfer Meisterschaften am Start waren.

Mit zunehmender Geschwindigkeit scheint auch das Grinsen des Dreijährigen immer breiter zu werden. Für einen der vorderen Plätze hat es in diesem Jahr allerdings noch nicht ganz gereicht. Denn in der Klasse der Drei- bis Fünfjährigen hat Fabian Theiss den Siegerpokal entgegennehmen dürfen.

Er hatte die 300 Meter auf dem Wirtschaftsweg hinter dem Heger Hof in unschlagbaren 39,31 Sekunden zurückgelegt. Die Mädchenkonkurrenz der Sechs- bis Zehnjährigen hat Vivian Gockeritz für sich entscheiden können, während Luis Adams mit 32,68 Sekunden die Wertung der Jungs anführte.

Für Furore sorgte vor allem das Vater/Sohn-Gespann Elric und Frank Schlicha. Beide konnten ihren im Vorjahr errungenen Titel souverän verteidigen. So hatte Elric nicht nur in der Klasse der Elf- bis 16-Jährigen die Nase vorn, sondern mit 26,87 Sekunden zudem die schnellste Zeit des Tages in den Asphalt gebrannt. Vater Frank war derart flott unterwegs, dass er im Ziel die als Begrenzung dienenden Strohballen samt Streckenposten Anja Herrmann über den Haufen fuhr.

Die Elfjährige, die sich zuvor selbst ans Steuer eines Bobby-Cars gewagt hatte, überstand die spektakuläre Sturzeinlage gänzlich unversehrt. Im Gegensatz zu Daniel Scheil, der im Freien Training eine Bruchlandung hingelegt hatte. Und weil er glaubte, ohne die vorgeschriebene Schutzausrüstung auskommen zu können, hatte er eine kleine Blessur am Knie in Kauf nehmen müssen. Mit Knieschonern war er anschließend in der "Ü 16"-Konkurrenz auf den zweiten Platz gerast.

Als Fahrer eines Schulbusses weiß Hajo Sauer mit dem Steuer umzugehen. Am Sonntag bewies er, dass er es auch ein paar Nummern kleiner kann. Der mit 55 Jahren älteste Teilnehmer der gesamten Meisterschaften hatte vor allem durch seinen Erfindungsreichtum geglänzt. So hatte er aus einem WC-Pömpel zwei Fersenbremsen gebastelt.

Die Achse seines "Big Murmel" getauften Bobby-Cars hatte er mit Metall verstärkt. Und ein aus Schaumstoff zurechtgeschnittener "Sportsitz" sorgte für einen Hauch Bequemlichkeit. "Schneller hat mich das zwar nicht gemacht, aber zumindest hatte ich einen Heidenspaß", lobt der "Bobby-Veteran" das Engagement der Bandorfer Fraueninitiative, die die Bobby-Car-Meisterschaft vor drei Jahren hatte wieder aufleben lassen.

Mit insgesamt 46 Startern meldete Regine Spohner einen neuen Meisterschaftsrekord. "Wir sind geradezu überrollt worden. Mit so einer Resonanz haben wir nie und nimmer gerechnet", gab sich die "Rennleiterin" angesichts der gelungenen Wettfahrt überwältigt. Klar, dass die Frauen auch im kommenden Jahr die Bobby-Cars in Bandorf auf die Piste schicken werden.

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